U35 oder Straßenbahn?

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Anschluss von RUB, Hochschule und Technolgie-Quartier an das Straßenbahnnetz
 
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Bochum: Hochschule Bochum | Die U35 soll mal wieder weiter gebaut werden. Die Brücke ins Nichts am Ende der Linie über die Unistraße wurde ja bereits anno 1971 gebaut. Bei den neuen Planungen stellt sich die Frage, macht die bisher vorgeschlagene Variante Sinn oder sind die Kosten im Verhältnis zum Nutzen zu hoch?

Die Ziele des aktuell diskutierten Vorschlages zumindest sind nachvollziehbar. Zum einen soll die Hochschule und die RUB im Süden direkt an das städtische Nahverkehrs-Bahnnetz angebunden werden. Auch soll man in Zukunft mit der U35 in Richtung Langendreer fahren können, um an der Unterstraße in die Straßenbahn 310 umsteigen zu können.

Uni und insbesondere die Hochschule bekämen auf diese Weise eine zumindest indirekte Verbindung zur S-Bahnhaltestelle Langendreer. Das hat Charme, ist aber durch das Umsteigen von Stadt- zu Straßenbahn an der Unterstraße nicht wirklich attraktiv.

Alternative 1 – Straßenbahnlinie: RUB nach Langendreer-S-Bahn

Vorteilhaft wäre, nicht die U35 sondern eine Straßenbahn führe von der S-Bahn-Haltestelle Langendreer über die Unterstraße und die Haltestelle Technologie-Quartier direkt bis zur Hochschule durch (Plan 1), um von dort aus auch den Süden der RUB anzubinden. Studenten und Beschäftigte der Hochschulen sowie des Technologie-Quartiers könnten dann gleich mit der Straßenbahn von Essen und Dortmund mit nur einmal Umsteigen an der S-Bahn-Haltestelle zu ihrem Arbeitsort durchstarten.

Diese Variante hat gegenüber der von der Stadt vorgeschlagenen Planung weitere Vorteile. Hochschule und RUB erhalten eine durchgehende städtische Bahnanbindung nach Osten. Von der neuen Linie ist ebenfalls ein direkter Umstieg in die Linie 310 Richtung Innenstadt und Witten möglich. Oder man steigt von der neuen Bahn in die U35 Richtung Innenstadt um.

Ein weiterer Vorteil, man müsste die U35 am Ende nicht gabeln, um zwei verschiedene Endhaltestellen (Unterstraße und Hochschule-Süd) anfahren zu müssen. Auch liegen heute bereits auf der Universitätsstraße Straßenbahnschienen von der Unistraße bis zur Einmündung Baroper Straße. Die heutige Straßenbahn-Haltestelle „Im Ümminger Feld“ könnte erhalten bleiben.

Aufgrund der engeren Radien, die eine Straßenbahn erlaubt, kann diese von der RUB kommend über die Schattbachstraße zunächst unter die Uni-Straße geführt werden, um von dort aus unter der Brücke so abzubiegen, dass sie zwischen den Fahrbahnen der Universitätsstraße auf dem Mittelstreifen in Richtung Langendreer heraus kommt. Damit wäre das Brückenbauwerk, auf dem sich heute die Endhaltestelle der U35 befindet überflüssig und auch die Haltestelle Hustadt deutlich besser zu erreichen.

Weiterhin zu überlegen wäre, ob es nicht Sinn macht, die Straßenbahn auf der Universitätsstraße gleich bis zur Haltestelle Ruhr-Universität fortzuführen und stattdessen die U35 bereits an der RUB-Haltestelle enden zu lassen. Dann wäre ein Umstieg zwischen U35 und neuer Straßenbahn bequem auf demselben Bahnsteig an der RUB-Haltestelle möglich. Die Wagen der U35 würden im Westen der Uni-Brücke halten, die Wagen der Straßenbahn auf demselben Bahnsteig im Osten der Brücke.

Die Straßenbahn hätte zwei Endhaltestellen, die jetzige RUB-Haltestelle, sowie die neue Haltestelle Hochschule-Süd. Aller 5 Minuten könnte dann wechselweise die eine oder die andere Endhaltestelle bedient werden.

Was würde diese Variante kostentechnisch bedeuten: Insgesamt kann der Bau einer Straßenbahn aufgrund der geringeren Spurweite regelmäßig platzsparender und kostengünstiger ausgeführt werden als der einer Stadtbahn wie der U35.

Der Abzweig mit der Straßenbahn zur Hochschule Bochum würde einige hundert Meter kürzer ausfallen als bei der Lösung mit der U35, was weitere Baukosten spart.

Damit die vorgeschlagene Variante realisiert werden kann, muss allerdings die über 40 Jahre alte Brücke an der Hustadt, die die U35 nach den ursprünglichen Planungen über die Uni-Straße Richtung Kemnader See führen sollte, abgerissen werden. Kosten für eine zukünftig erforderliche Sanierung entfielen dadurch. Die Beseitigung des Bauwerks würde der Stadt auch die dauerhaften Unterhaltungskosten für dieses Bauwerk ersparen, die Einfädlung der Straßenbahn über die Brücke Schattbachstraße wäre hinsichtlich der Unterhaltskosten dauerhaft deutlich günstiger.

Auch die Haltestellen fallen bei einer Straßenbahn eine Nummer kleiner aus als bei der U35. Auch die Unterhaltung wird damit kostengünstiger. Allerdings müsste die jetzige U35-Haltestelle RUB um eine Straßenbahnhaltestelle verlängert und die Haltestelle Lennershof wieder zu einer Straßenbahnhaltestelle umgebaut werden. Dafür entfällt der Bau der deutlich aufwendigern Endhaltestelle „Unterstraße“ für die U35, die in den jetzigen Planungen der RUB vorgesehen ist.

In Summe sollte die vorgeschlagene Variante deutlich kostengünstiger zu realisieren sein, als die von der Stadt vorgeschlagene Planung.

Alternative 2 – Straßenbahnlinie: Hochschule Süd Richtung Laer

Aber es gäbe noch eine deutlich günstigere Variante Hochschule, RUB und Technologie-Quartier besser an den schienengebundenen ÖPNV der Stadt anzubinden (Plan 2): Die Führung einer Straßenbahnlinie von der neuen Endhaltestelle Hochschule-Süd entlang der Schattbachstraße bis zur Linie 310/302 in Laer. Auf diese Weise könnte man mit der Straßenbahn von der Innenstadt direkt zur Hochschule gelangen und von der Hochschule zum S-Bahnhof Langendreer-Ost. An der Haltestelle Hustadt wäre ein Umstieg zur U35 möglich. Auch könnte bei dieser Linienführung die Hustadt durch zusätzliche Haltestellen besser an die Innenstadt angebunden werden. Die neue Linie würde zudem eine direkte Verbindung schaffen zwischen Hochschule/ RUB/ Technologie Quartier und einem zukünftigen “Campus Opel“ oder zur geplanten neuen Wohnsiedlung im Havkenscheider Feld.

Die Stadt ist aufgeordert in jedem Fall nicht nur eine der möglichen Varianten zu prüfen und vorzustellen. Verschiedene Handlungsalternativen müssen entwickelt werden, damit am Ende die beste ausgewählt werden kann. Danach müssen der Rat und die Bürger entscheiden, welche Variante ggf. realisiert werden soll. Dabei könnte sich auch zeigen, dass bei allen Varianten ein gewinnbringendes Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen für die Stadt nicht gegeben ist. Aber warten wir doch erstmal ab.

Noch 40 Jahre sollte es allerdings nicht dauern, bis eine Entscheidung gefällt wird, wie Hochschule und Technologie-Quartier vernünftig an den ÖPNV angebunden werden.

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