Was würden Sie tun, um in Bochum Unternehmen anzusiedeln?

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Bochum: und Wattenscheid | Am 13.09.15 wird der neue Oberbürgermeister von Bochum gewählt. Bis dahin stellen wir den bekannten Kandidaten jede Woche eine Frage.

Die Frage für diese Woche lautete: Was würden Sie tun, um in Bochum Unternehmen anzusiedeln?

In der mit fast 17.000 Mitglieder größten Facebook-Gruppe Bochums "Du weißt Du bist Bochumer wenn" besteht dann die Möglichkeit die Themen weiter zu diskutieren. Die OB-Kandidaten wurden eingeladen sich ebenfalls an der Diskussion zu beteiligen.Es haben 3 Kandidaten geantwortet.

Omid Pouryousefi (unabhängig): Es reicht nicht immer neue Flächen in Bochum für Gewerbe auszuweisen. Wir müssen an die Unternehmen direkt dran.
Wir brauchen eine Analyse, welche Unternehmen sich für den Standort Bochum + Wattenscheid interessieren könnten und dann müssen wir diese direkt kontaktieren und ihnen ggf. ein individuelles Angebot machen. Als Oberbürgermeister würde ich auch selbst zum Hörer greifen, um Unternehmen von Bochum und Wattenscheid zu überzeugen.

Auch im Ausland müssen wir auf die Suche nach Unternehmen gehen. Wir haben z.B. viele Menschen mit polnischen und türkischen Wurzeln in der Stadt. Die Wirtschaft in Polen und der Türkei boomt. Für Unternehmen aus diesen Ländern, die nach Deutschland expandieren wollen, sind wir ein optimaler Standort.

Die Unternehmen nur her zu locken reicht nicht. Wir müssen ihnen auch nach der Ansiedlung vor Ort mit Rat und Tat insbesondere bei Verwaltungs- und Förderangelegenheiten zur Seite stehen, damit sie sich in der Stadt wohl fühlen, sich mit anderen Unternehmen vernetzen und hier wachsen und sich erweitern.

Bei Konflikten, wie etwa im Fall der Erweiterung der Brotfabrik Bereket, müssen wir im Sinne aller Beteiligten schnell zu nachhaltigen und tragfähigen Lösungen kommen. Die Wirtschaftsförderung muss mit den anderen Behörden Hand in Hand arbeiten. Wo es trotzdem hakt, würde ich als Oberbürgermeister auch mal die Koordinierung der Entscheidungsabläufe selbst übernehmen.

Der Gewerbesteuersatz liegt deutlich zu hoch, er muss mittelfristig auf ein durchschnittliches Maß gesenkt werden. Statt zu Gewerbesteuermehreinnahmen haben alle Erhöhungen des Satzes zu sinkenden Steuereinnahmen geführt. Das zeigt, dass die Erhöhungen falsch waren. Niedrige Gewerbesteuer ruhrgebietsweit würden die gesamte Metropolregion stärken und auch positive Effekte für Bochum haben. Dafür würde ich mich als Oberbürgermeister einsetzen.

Jens Lücking (Freie Bürger): Zur Ansiedlung Bochumer Unternehmen müssen die Rahnmenbedingungen stimmen.

Dazu mus die Gewerbesteuer gesenkt werden und Unternehmen müssen einen festen Ansprechpartner haben, der sich um ihr Anliegen kümmert. In Bochum sind die Entscheidungswege zu lang, weshalb viele Interessenten ihr Interesse verlieren.

Ausserdem muss sich die Wirtschaftsförderung auch um den Verbleib von Unternehmen kümmern. Fast jeden Tag ist zu lesen, welches Unternehmen Bochum verlässt, weil für Erweiterungswünsche keine Flächen gefunden wurden und für konkrete Anliegen niemand zuständig war. Das muss sich ändern und der für die Unternehmen zuständige Ansprechpartner direkt beim Büro des
Oberbügermeisters angesiedelt werden.

Die Opel-Flächen bieten viel Potential, das aber auch genutzt werden muss. Wünsche für die Ansiedlung von Unternehmen haben wir alle, aber wir müssen diese der Realität anpassen und so Arbeitsplätze in Bochum schaffen und die Gewerbesteuer wieder ein Stück nach ober bringen mit mehr Zahlern und günstigeren Steuern.


Wolf-Dieter Liese (AfD): Der gerade personell nur aufgestellten Wirtschaftsförderung kommt in den nächsten Jahren eine zentrale Bedeutung zu. Es gilt nach dem Wegfall großer Industriebetriebe wie Nokia, Opel und Outokumpu unsere Stadt neu aufzustellen. Der dazu nötige Strukturwandel vollzieht sich noch nicht mit der nötigen Geschwindigkeit, um in ausreichendem Maße Wachstum und Beschäftigung zu sichern. Aufgabe des zukünftigen Oberbürgermeisters wir es sein, die notwendigen Prozesse immer wieder neu anzustoßen und zu moderieren.

Bochum hat beste Voraussetzungen um die kommenden Herausforderungen zu meistern: Wir haben eine gut entwickelte Forschungs- und Hochschullandschaft, wir sind bestens eingebettet in eine gut vernetzte Infrastruktur des Ruhrgebiets und wir haben große entwicklungsfähige Gewerbeflächen.

Leider gelingt es derzeit noch nicht, unsere Potentiale richtig zu nutzen. Zu viele Studenten verlassen nach dem Hochschulstudium unsere Stadt. Gleiches gilt im Übrigen auch für gut qualifizierte Arbeitnehmer, die bei uns keine Arbeit finden. Die Einwohnerzahl schrumpft jedes Jahr um mehrere tausend Personen. Dieser Prozess muss gestoppt und umgekehrt werden.

Der Umbau Bochums zu einem Wissenschafts- und Zukunftsstandort ist meines Erachtens zu spät angegangen worden. Nun laufen wir den Entwicklungen hinterher. Andere Städte, wie z. B. Dortmund mit seinem Technologie-Zentrum haben diesen Wandel schon erfolgreich gemeistert.

Wir brauchen eine Willkommenskultur für Unternehmen mit intakten Verkehrs- und Infrastrukturen, mit moderaten Gewerbesteuern und einer qualifizierten Beratung und Unterstützung bei der Standortwahl. Wir brauchen ebenso eine Willkommenskultur für qualifizierte Arbeitskräfte und deren Familien mit attraktiven Wohn- und Lebensbedingungen, mit guten Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten und moderaten städtischen Gebühren. Bei all den vorgenannten Notwendigkeiten werden zurzeit leider nicht die notwendigen Prioritäten gesetzt. Das möchte ich ändern.

Die Frage für die nächste Woche (ab 27.07.) lautet: Wie soll Bochum zu einer familienfreundlichen Stadt werden?

Initiatoren der Aktion sind Oliver Kolanus, Stefan Tocco und Volker Steude, Administratoren der Facebook-Gruppe "Du weißt Du bist Bochumer wenn"
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