Wie man Geld zum Fenster rauswirft (II)

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Wann ist eine Kommune familiengerecht? Wenn man das Geld, was man für Familienförderung ausgeben möchte, ausgeben kann. Wenn Schulwege kurz, größere Wohnungen bezahlbar, Kitas und Altersheime nah und günstig sind. Wenn Grundschulen trotz schrumpfender Schülerzahlen erhalten werden. Wenn's Ferienpässe gibt und Hilfen für überforderte Eltern. Wenn Lebensqualität da ist.

Eine Stadt kann vieles tun, das zu erreichen. Für 50.000 Euro zum Beispiel kann man einen tollen Abenteuerspielplatz bauen und vier Jahre lang unterhalten.

Man kann aber stattdessen auch ein "Audit Familiengerechte Kommune" (Beschlussvorlage der Verwaltung #20122274, abrufbar im Ratsinformationssystem) durchführen wollen, das in typischer Bullshit-Bingo-Manier helfen soll, Zitat:

· bestehende Aktivitäten unterschiedlicher Akteure besser zu vernetzen,

· dezernatsübergreifende Planungsprozesse für Familien zu optimieren,

· Familien und Bürgerschaft in einen solchen Prozess als aktive Partner zu gewinnen und damit

· die Familienpolitik der Stadt insgesamt wirkungsvoller und effizienter zu gestalten.

Bullshit-Zitat Ende. 48.750,- € soll dieser überflüssige Quatsch die Stadt kosten, zahlbar offenbar an irgendeine bereits feststehende "besonders erfahrene Auditorin", die ein Kungelverein aus Bertelsmann-Stiftung und Ruhr-Uni-Soziologen ("Familiengerechte Kommune e.V.") wohl bereits ausgesucht hat. Ausschreibung? Fehlanzeige. Wohlgemerkt, das Geld dient nicht dafür, um rauszubekommen, was die Stadt besser machen könnte. Sondern um zu bestätigen, dass die Stadt versucht rauszubekommen, was sie besser machen könnte. Denn das ist es, was ein Audit ausmacht. Die Stadt kriegt einen unterschriebenen Wisch mit einem schönen Siegel, dass sie sich "familiengerechte Kommune" nennen darf.

Nichts dagegen, dass die Stadt sich darum kümmert, wie sie sich in Bezug auf Familien besser aufstellen kann. Das ist die verdammte Aufgabe der dafür zuständigen Ämter und der Menschen darin, die wir Bürger für genau diesen Job bezahlen. Und deshalb ist es absoluter Blödsinn, wenn sich die Stadt von irgendeinem dahergelaufenen Verein für 50.000 Schleifen bestätigen lässt, ihre Aufgaben ganz toll zu erledigen. Dazu brauchts kein Geld, keinen Verein, und keine überbezahlte Auditorin.

Dazu brauchts einfach nur wählende Bürger.
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Jürgen Meier-Ebert aus Bochum | 11.11.2012 | 18:36  
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