Bochumer Gesundheitsmesse: Bündnis gegen Depression im Direktkontakt zu Betroffenen und Angehörigen

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Standbetreuung in den ersten Stunden: Sabine Schemmann, 2. Vorstand und Jutta Rosenboom, aktives Vereinsmitglied
  In ansprechendem Rahmen und angenehmer Atmosphäre feierte am vergangenen Sonntag, 25.03.12 die erste Bochumer Gesundheitsmesse Premiere, die vom Medizinischen Qualitätsnetz MedQN als einem Verbund von 170 Haus- und Fachärzten in der Stadtparkgastronomie veranstaltet wurde.

Neben verschiedenen Informationsständen der lokalen Medizinbranche und zahlreichen Bochumer Selbsthilfegruppen nutzte auch das Bochumer Bündnis gegen Depression die Gelegenheit,
die Öffentlichkeit verstärkt auf seine Existenz aufmerksam zu machen,
sich als unterstützenden Teil der Bochumer Gesundheitslandschaft zu präsentieren
und einer Vereinsbezeichnung durch persönliche Ansprechbarkeit auch ein Gesicht zu geben.

Die Teilnahme an der Gesundheitsmesse wurde durchweg positiv gesehen und der direkte Kontakt zu Betroffenen und Angehörigen als eine wichtige Erfahrung gewertet.
Die von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr ganztägige Präsenz ermöglichte dem Bündnis, rund 40 intensive Gespräche mit Ratsuchenden aller Altersklassen zu führen und wichtige Einblicke in vollkommen unterschiedliche Betroffenheiten und Bedürfnisse zu erhalten.

Vieles funktioniert in der Versorgung depressiv erkrankter Menschen nach außen hin scheinbar recht gut, etliches ist hingegen nicht optimal und bedarf einer Verbesserung bzw. einer positiven Steuerung zugunsten der Versorgung Betroffener und Angehöriger.

Was von Seiten der Kostenträger als ausreichende Versorgung mit Behandlungsplätzen propagiert wird, hört sich von Seiten Erkrankter oft ganz anders an.
Zu lange Wartezeiten auf einen Therapieplatz, keine direkte telefonische Erreichbarkeit des Psychotherapeuten, das „Gespräch“ mit dem Anrufbeantworter und der voll Verzweiflung erwartete, jedoch ausbleibende Rückruf, der auf fehlende Behandlungskapazitäten schließen lässt, sowie die Verordnung von Psychopharmaka statt Erfüllung des Wunsches nach psychotherapeutischen Gesprächen im Falle einer
84-jährigen Dame waren typische Beispiele frustrierender äußerer Einflüsse, die sich fatalerweise noch förderlich auf die Erkrankung auswirken.

Bedrückend blieb auch die Erkenntnis der Einflussnahme innerer Konflikte auf die potentiell zur Verfügung stehenden Behandlungsangebote, die sich in der speziellen Situation des Erkrankten und in der typischen Ausprägung der Erkrankung selbst begründen: Die Kraftlosigkeit und gefühlte Überforderung bei der Suche nach einem Behandlungsplatz und die gefestigte Scheu vor der Psychiatrie. Diese trägt nach wie vor zu häufig den Ruf des Ortes der Behandlung Verrückter, dem sich der depressiv Erkrankte nicht zugeordnet fühlt, weshalb er sich trotz auftretender Suizidalität und Suizidversuche in Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse und der Atmosphäre dort nicht behandeln lassen möchte.

Auch Verunsicherungen und Unsicherheiten im Kontakt mit der Erkrankung wurden auf vielfältige Weise deutlich:
jungen Pflegern fehle der Blick und das Verständnis für eine mögliche depressive Erkrankung pflegebedürftiger älterer Menschen, deren psychologische Versorgung in Pflegeheimen nicht zufriedenstellend sei.
Ambulanten Betreuern älterer Menschen fehle die Kenntnis und die Möglichkeit unterstützender Einwirkung auf die Erkrankung und auf den Menschen selbst. Die gespürte Hilflosigkeit belaste sehr.


Das Ansprechen des Auftretens typisch depressiver Denkmuster durch Angehörige und Freunde ließ den Wunsch nach einem verstärkten Psychoedukationsangebot aufleben, das lehrend und übend relativ kurzfristig wichtige und hilfreiche Methoden der Veränderung kognitiven Denkens vermittelt, mit denen der Betroffene sich selber aktiv helfen kann, bis er einen Therapieplatz findet.

Auch die tatsächliche Existenz als austherapiert geltender Patienten, denen Therapie nicht helfen konnte, weshalb sie sich vermehrt alternativen Behandlungsansätzen zuwenden, um zu einer positiven Lebenseinstellung und einer Veränderung ihrer Symptomatik zu finden, waren neben Einblicken in ganz persönliche Lebensschicksale weitere Beispiele für die Ansprache der Standbetreuer.

Der Direktkontakt zu Betroffenen, zu Angehörigen und in anderer Weise durch die Erkrankung berührten Personen gab beiden Seiten wichtige Impulse.
Er ermöglichte auch, immer wieder zu ermuntern, den Internetauftritt und die Telefon-Hotline des Bündnis gegen Depression zu nutzen, die auch auf Lokalkompass.de eingestellten Zusammenfassungen der Bündnis-Vorträge abzurufen und vor allem die alle zwei Monate stattfindenden öffentlichen Sitzungen zu nutzen. Bei diesen Treffen können Interessierte einen Einblick in die Aktivitäten des Vereins erhalten, Anregungen direkt an das Bündnis herantragen und sich unmittelbar selbst gestaltend einbringen.

Neue Mitglieder, vor allem auch aus den Reihen Betroffener und Angehöriger, sind jederzeit willkommen und erwünscht.
Die nächste öffentliche Sitzung wird am Dienstag, 8. Mai 2012 um 19.30 Uhr im Haus der Begegnung, Alsenstraße 19 A stattfinden.
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