Den eigenen PC schützen: KHK Ralph Jeske von der Kriminalprävention informierte über Computerkriminalität

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Computerkriminalität hat viele Gesichter und kann praktisch jederzeit und überall vorkommen. Welche Betrugsmaschen es gibt und wie man sich schützen kann, das wissen die Beamten der Bochumer Kriminalprävention. Kriminalhauptkommissar Ralph Jeske informiert regelmäßig. (Foto: Andreas Molatta)
 
„Die größte Schwachstelle sitzt vor dem Computer“, fordert Kriminalhauptkommissar Ralph Jeske von der Kriminalprävention die Anwender auf, sich um den Schutz ihrer Rechner zu kümmern.

„Die Delikte im Bereich Computerkriminalität nehmen zu“, sagt Kriminalhauptkommissar Ralph Jeske von der Kriminalprävention. Die grundsätzliche Problematik habe vor etwa 20 Jahren begonnen. Damals ging es um Viren, die den Zweck hatten, Computeranwender zu ärgern. „Heute haben wir es mit hochprofessionellen Leuten zu tun, die an Geld kommen wollen“, so Jeske. Dies sei seit etwa 15 Jahren der Fall.

Wie man sich vor Computer- und Internetkriminalität schützen kann, erläuterte Jeske jetzt gut 30 Zuhörern bei einer Infoveranstaltung im Polizeipräsidium. Weil die Zunahme der Betrugsdelikte im Zusammenhang mit der immer größeren Vielzahl an technischen Geräten steht, geht der Fachmann bei seinen Erläuterungen zu Gefahren und Betrugsmaschen sowie einen Tipps zum Schutz nicht nur auf den PC ein, sondern auch aufs Smartphone und auf Elektrogeräte, die ins heimische WLAN-Netz eingebunden sind. „Früher hatte ich auf meiner Liste der Geräte aus Spaß auch einen Toaster, heute ist es soweit“, berichtet Jeske, denn über die Schnittstelle zwischen dem Gerät und dem Computer können Betrüger Zugang zum PC erlangen.
„Die größte Schwachstelle sitzt aber vor dem Computer“, gibt er seinen Zuhörern mit auf den Weg. „Das heißt aber auch, dass ich große Einflussmöglichkeiten habe.“ Diese beziehen sich darauf, selbst auf verschiedene Sicherheitsmaßnahmen zu achten. Um etwa gerüstet zu sein, falls man Opfer einer sogenannten Ransomware wird, mit der die Täter, den PC blockieren, um dann Lösegeld für die Freischaltung des Rechners zu erpressen, empfiehlt er mindestens wöchentliche Datensicherungen. Dies kann per USB-Stick, externer Festplatte oder Cloud geschehen, wobei bei einer Cloud darauf geachtet werden sollte, dass das Unternehmen seinen Sitz in Deutschland hat und die Daten nach deutschem Recht speichert.

Keine Anhänge öffnen

Um Passwort- und Identitätsdiebstahl per E-Mail zu vermeiden, rät Ralph Jeske, niemals auf Links zu klicken oder einen Anhang zu öffnen, wenn Zweifel an der Seriosität des Absenders einer E-Mail bestehen. „Wenn ich kein Kunde des Unternehmens bin, dann öffne ich die Mail nicht“, sagt er ganz deutlich. Und selbst wenn man Kunde sein sollte, empfehle es sich, kurz nachzudenken, ob denn beispielsweise tatsächlich schon wieder die nächste Monatsrechnung anstehe. „Denn E-Mails sind das Haupteinfallstor für schädliche Software.“
Dass Passwörter fürs E-Mail-Programm oder andere Anwendungen nicht gerade „123“ oder „Passwort“ oder wie der Name der Ehefrau lauten sollten, dürfte bekannt sein. „Ein Passwort, das man sich merken kann, ist kein gutes Passort“, lautet Jeskes Credo. Er empfiehlt einen Passwortsafe, der Passwörter generiert und verwendet werden kann, ohne dass man diese kennen und sich merken muss. „Ist das wirklich sicher?“, will eine Zuhörerin wissen. „Ja, denn der Weg vom Safe in die Passwortangabe kann nicht abgegriffen werden“, erläutert Jeske.
Bei Apps fürs Smartphone weist er daraufhin, dass man diese nur aus App und Play Stores, nicht aber aus unseriösen Quellen beziehen sollte. Zudem ist es sinnvoll, zu hinterfragen, welche Rechte man dem Unternehmen, dass die App anbietet, einräumen möchte. „Warum muss eine Taschenlampen-App Zugriff auf meine Kontakte haben?“, nennt Jeske ein Beispiel.

Runterladen von Software

Auch wer Software oder Spiele auf seinen Computer herunterlade, sollte darauf achten, dass dies über die Seite des Originalanbieters oder die einer Fachzeitschrift geschehe. „Wenn ich nicht weiß, wie seriös ein Anbieter ist, dann lade ich nichts herunter“, lautet Jeskes Rat.
Bei der schon auf dem Computer installierten Software, sei es wichtig, dass diese stets aktuell sei. Das gilt auch für Textbearbeitungs- oder andere Programme, mit denen man nicht ins Internet geht. „Wenn bei solch einem Programm Schwachstellen nicht mehr gestopft werden und man erhält ein manipuliertes Dokument, kann dies die Schwachstelle ausnutzen“, macht der Kriminalhauptkommissar auf die Gefahr aufmerksam.
100-prozentige Sicherheit, nicht doch Opfer eines Betrügers zu werden, verspricht Jeske seinen Zuhörern während der Infoveranstaltung nicht, aber er betont, dass mit vertretbarem Aufwand ein Schutz von 80 bis 90 Prozent möglich sei. Zu diesem Aufwand gehören zum Beispiel die regelmäßigen Updates. „Das erfordert ein gewisses Maß an Zeit. Man muss sich damit beschäftigen“, macht Jeske klar, dass der Anwender selbst etwas für seinen Schutz tun muss.

KHK rät zur Anzeige

Die Veranstaltungen würden häufig von älteren Bürgern besucht, hat der Fachmann beobachtet. „Die Jüngeren sind fitter“, vermutet er. Auch seien es überwiegend die Älteren, die Anzeigen bei der Polizei erstatten würden. Ob dies bedeute, dass jüngere Menschen seltener Betrugsopfer würden, ließe sich aber nicht sagen. „Letztlich wissen wir nicht, ob sich Jüngere, die auch geschädigt wurden, einfach nicht melden.“
Jeske rät immer zu einer Anzeige. Natürlich kennt er das Argument, dass daraufhin sowieso nichts passiere, aber dem entgegnet er: „Wenn nie angezeigt wird, dann ist ist die Welt in Ordnung. Dass passiert tatsächlich nichts.“ Erst wenn wenn es viele Anzeigen gebe, könne auch die Politik reagieren, so der Kriminalhauptkommissar.
Was die Aufklärung der Betrugsdelikte angehe, sei dies im Ausland ohne Rechtshilfe schwierig, aber in Deutschland können man die Täter ermitteln. „Der Aufwand des Ermittlungsverfahrens muss aber im Verhältnis zum Fall stehen“, erläutert Jeske.
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Michael Stasch aus Bergkamen | 28.05.2017 | 02:19  
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