Hier finden traumatisierte Flüchtlingskinder Hilfe

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Die Therapeutinnen Dr. Astrid Höfig (links) und Sultan Lunkenheimer kümmern sich am Bochumer Westring um geflüchtete Kinder und Jugendliche.
Bochum: Diakonie Ruhr |

Innere Mission – Diakonisches Werk Bochum e.V. richtet mit Unterstützung der Aktion Mensch eine Fachstelle am Westring ein

Krieg, Gewalt und die Gefahren der Flucht über tausende Kilometer haben Spuren bei den in Bochum angekommenen Menschen hinterlassen. Schätzungen zu Folge ist fast die Hälfte aller Flüchtlinge traumatisiert. Eine neue Fachstelle der Inneren Mission – Diakonisches Werk Bochum e.V. übernimmt seit Mai die traumazentrierte Erstversorgung geflüchteter Kinder und Jugendlicher.

Im Haus der Diakonie am Westring 26 kümmern sich Dr. Astrid Höfig und Sultan Lunkenheimer darum, die jungen Flüchtlinge zu stabilisieren, ihre Situation zu klären und gemeinsam mit anderen Stellen weitergehende Hilfen einzuleiten. „Ein Trauma ist für Kinder ein enormes Entwicklungshemmnis“, sagt Dr. Astrid Höfig, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin und Traumatherapeutin. „Integration kann nur gelingen, wenn Traumata verarbeitet werden“, betont Sultan Lunkenheimer, systemische Familientherapeutin und Traumafachberaterin mit türkisch-arabischen Wurzeln.

Sogar über Generationen hinweg können Traumata schlimmstenfalls weiterwirken. Die Verarbeitung ist individuell sehr verschieden und hängt auch vom Entwicklungsstand der Kinder und Jugendlichen ab – und auch davon, ob sie alleine oder mit Familie nach Bochum geflüchtet sind. „Ist die lange Reise geschafft und kehrt etwas Ruhe ein, kommt das Erlebte oft wieder mit Verzögerung hoch“, erklärt Dr. Astrid Höfig.

Das kostenfreie Angebot der Fachstelle richtet sich an Flüchtlinge, die in Bochum leben. Mit über 230.000 Euro unterstützt die Aktion Mensch das Projekt, zunächst für drei Jahre. Weitere 30 Prozent der Kosten trägt die Innere Mission.

Der Wunsch, eine gesonderte Einrichtung für traumatisierte Flüchtlingskinder zu etablieren, stammt bereits aus dem Sommer 2014. „Immer mehr unserer Regelangebote hatten mit Flüchtlingen und deren Traumaerfahrungen zu tun “, sagt Jens Fritsch, Vorstand der Inneren Mission. Nur existierte in Bochum eben kein spezifisches niedrigschwelliges Angebot zum Umgang mit Traumatisierung bei Kindern und Jugendlichen. Nach einer intensiven Planungsphase gelang es Anfang 2016 nun endlich, ausreichend Projektmittel zu akquirieren. „Das Thema liegt uns wirklich sehr am Herzen “, betont Jens Fritsch.

Ergänzend berät die Fachstelle auch Institutionen, Dienste und Netzwerke, die mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen arbeiten. Schulen oder Kindergärten erfahren, wie sie Traumata erkennen und wie sie damit umgehen können. Kontakt per E-Mail: fachstelle-trauma@diakonie-ruhr.de oder über das Kontaktformular auf der Webseite.

Die Innere Mission engagiert sich in der Flüchtlingshilfe zusätzlich mit Asylberatung, Übergangsmanagement und gemeinsam mit der Caritas bei der Betreuung der Unterkünfte Girondelle und Alte Wittener Straße.
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