Kommentar: Evolution, 45 Grad geneigt

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Den aufrechten Gang eigneten sich die Vorfahren des anatomisch modernen Menschen über einen Zeitraum von Millionen Jahren an. Innerhalb eines vergleichsweise mikroskopisch kurzen Zeitraums geht es in der Evolution nun in die entgegengesetzte Richtung. Scheint mir.

Auf dem Bürgersteig an der Castroper Straße, Höhe Planetarium. Ich gehe in Richtung Norden, mir kommt im dortigen Kurvenbereich ein moderner Mensch entgegen. Der Neigungsgrad des Nackens beim Entgegenkommenden liegt bei etwa 45, die Augen starr auf ein Gerät gerichtet. Blickbefreit, was die Umgebung angeht, gelingt der Gang geradeaus. In dieser Gehwegsbiegung geradewegs auf mich zu. Ich halte Kurs. Als sich die Jackenärmel schließlich berühren, zuckt mein Gegenüber – eben noch in ergebener Habacht-Stellung vor seinem Display – erschreckt zusammen. Rausgerissen aus der Welt von Whatsapp, Twitter, Facebook oder sonstwas. Ja, so ein Smartphone ist eine tolle Erfindung. Doch wie bei fast allen Dingen im Leben gilt: in Maßen! Mich persönlich amüsieren diese Zeitgenossen, wenn sie mit ihrem Knick-Nacken abgekoppelt von der realen Welt herumschlurfen.
Diese Klientel ist aber auch eine echte Gefahr in der Öffentlichkeit. Ein Fußgänger, der im Gehen eine SMS schreibt, Mails checkt oder Ähnliches treibt, ignoriert mit viermal erhöhter Wahrscheinlichkeit rote Ampeln, querende Fahrzeuge oder auch mal simpel andere Passanten. So das Ergebnis von Verkehrsbeobachtungen des Deutschen Verkehrssicherheitsrats. Jetzt wird sogar auf Plakatwänden dafür geworben, mal wieder die Augen offen zu halten. Ärzte warnen vor Haltungsschäden, ausgelöst durch das ständige Starren auf Smartphones. Kürzlich sah ich ein Shirt mit dieser Aufschrift: „Als ich Kind war, hieß mein soziales Netzwerk: draußen“. Alle zurück auf Anfang!
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