Zwischen Kräuterdip und Steckrübeneintopf – Der „Kochclub 60plus“ lädt zum gemeinsamen Kochen und Essen ein

Der Kochclub bei der Arbeit. | Foto: Molatta
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„Für den Dip mische ich Magerquark und 20-prozentigen Quark. Untergerührt werden Petersilie, Schnittlauch, Dill, Knoblauch, Pfeffer, Salz und Paprika“, erklärt Edith Steppke in der Küche des Q1 in Stahlhausen, des Stadtteiltreffs, der als Kooperationsprojekt von der Ifak und der Evangelischen Kirchengemeinde Bochum betrieben wird. In der Regel sind auch Männer mit von der Partie, heute aber sind die Frauen unter sich. Seit Oktober 2016 trifft sich die Gruppe einmal im Monat zum gemeinsamen Kochen.

„Im Jahr 2014 habe ich die erste Gruppe gegründet“, erzählt Sozialpädagogin Doris Brandt von der Offenen Altenarbeit der Diakonie über ihr Projekt, den „Kochclub 60plus“, und fährt fort, „schon drei Monate später habe ich die zweite Gruppe eingerichtet – ebenfalls im Wichernhaus.“ Im vergangenen Jahr kam das Angebot im Q1 – Haus für Kultur, Religion und Soziales hinzu. Mittlerweile gibt es noch eine vierte Gruppen im Elsa-Brändström-Haus in Eppendorf. Brandt blickt voraus: „Im März startet in Eppendorf die fünfte Gruppe. Für eine sechste Gruppe suche ich noch eine passende Küche. Ich begleite die Gruppen, solange das erforderlich ist, bleibe den Kochclubs aber als Ansprechpartnerin auch danach erhalten.“ Die Teilnehmerzahlen der Gruppen sind unterschiedlich. In einem Kochclub sind 13 Mitstreiter dabei, andere sind kleiner. „Die Altersspanne“, erläutert die Sozialpädagogin, „liegt zwischen 56 und 86 Jahren.“
Eins ist Doris Brandt wichtig: „Es handelt sich nicht um einen Kochkurs. Man lernt voneinander und miteinander. Wer noch wenig Kocherfahrung hat, kann die ersten Schritte durch Videos im Internet erlernen. Meist stellt man beim Kochen fest, dass man mehr kann, als man denkt. Viele haben einfach keine Lust, für sich allein zu kochen. Da sind die Treffen mit Gleichgesinnten ideal.“

Auch zu Hause wird gern gekocht

Hannelore Messerschmidt, die gern zu den Treffen im Q1 kommt, kocht zu Hause öfter für Gäste. „Zum sonntäglichen Grünkohlessen kommen alle gern“, erzählt sie schmunzelnd, „einige nehmen dann auch noch etwas zum Aufwärmen mit.“
Doris Brandt hat in der Vergangenheit auch schon Kochgruppen für psychisch Kranke initiiert. „Mit Kochclubs habe ich immer gute Erfahrungen gemacht“, blickt sie zurück. Für das steigende Interesse am Kochen hat sie eine einfache Erklärung: „Die Kochshows im Fernsehen und vor allem auch Sendungen wie 'Das perfekte Dinner' ermutigen die Menschen, selbst aktiv zu werden.“

Geselligkeit und Austausch

Dabei geht es beim Kochclub nicht nur um die Speisenzubereitung. „Der Aspekt der Geselligkeit“, weiß Brandt, „spielt eine große Rolle. Menschen melden sich an, um andere kennenzulernen. Dabei geht es mir auch darum, Diskussionen anzuregen. Viele Teilnehmer sind es nicht mehr gewohnt, auch einmal mit anderen zu streiten.“
Mitbestimmung wird deshalb großgeschrieben. Entsprechend haben die vier Kochclubs unterschiedliche Ausrichtungen – je nach den Wünschen der Teilnehmer. Brandt gibt einen Überblick: „Eine Gruppe legt Wert auf Bio-Zutaten; es ist dort auch ein Veganer dabei. Die Küche bewegt sich auf Gourmet-Niveau. Zwei andere Gruppen schwören auf Hausmannskost, die richtig gut gekocht ist. Diese Menschen wissen noch, wie man eine Bouillon selbst macht. Hier im Q1 wird kalorienbewusst gekocht.“

Leichte Küche

Diesmal haben die Teilnehmerinnen sich für Kräuterquark und Baguette als Vorspeise und Ofengemüse als Hauptgang entschieden. „Das Baguette“, stellt Karin Exner kritisch fest, „ist ziemlich weich.“ Man beschließt, es aufzubacken. Derweil bestreicht Hannelore Messerschmidt die Form für das Gemüse mit Olivenöl. Mit einem scharfen Messer werden Kartoffeln, Paprika, Kräuter, Kirschtomaten, Champignons und Feta-Käse mundgerecht geschnitten. Verschiedene Gewürze runden das leichte Gericht ab. Das Rezept wird diskutiert und etwas abgewandelt. Etwa zwei- bis zweieinhalb Stunden sind für Kochen, gemeinsames Essen und Spülen angesetzt.
Während eine Teilnehmerin meint, die Kartoffeln seien nicht ganz gar, ist eine andere gerade von der bissfesten Konsistenz angetan. „In Zukunft nur halb so viele Kartoffeln, dafür aber die doppelte Menge an Feta-Käse“, fasst eine Teilnehmerin die Diskussionsergebnisse zusammen. Die Rezepte werden in der Gruppe verteilt. „Ich habe zu Hause schon einiges nachgekocht“, verrät Doris Brandt.
Die Teilnahme am Kochclub ist kostenlos; die Zutaten werden über eine Umlage finanziert. „Manchmal bleibt da noch Geld zum Feiern übrig“, erzählt Doris Brandt. - Nun müssen aber noch die nötigen Absprachen für den Kochclub im März getroffen werden.

Heiße Diskussion

Da wird durchaus heiß diskutiert: „Wie wäre es mit selbstgemachten Klößen mit Gulasch und Rotkohl?“ - „Das dauert zu lange.“ - „Dann vielleicht Gnocchi?“ - „Die habe ich ein paar Mal beim Italiener bestellt. Ich mag die nicht besonders.“ - Schließlich einigt man sich auf einen Steckrübeneintopf: „Das ist ein Wintergericht, das man auch im März noch gut essen kann.“
Es wird besprochen, wer die nötigen Einkäufe erledigt. Doris Brandt hat den Steckrübeneintopf in einer der anderen Kochclub-Gruppen kennengelernt. „Der war richtig gut“, weckt sie die Neugier der Teilnehmerinnen.

Termine
Gruppe 1 des Kochclubs 60plus trifft sich jeweils am ersten Freitag des Monats von 10 bis 13 Uhr im Wichernhaus, Wichernstraße 8.
Auch Gruppe 2 kocht im Wichernhaus – und das immer am zweiten Freitag im Monat, ebenfalls von 10 bis 13 Uhr.
Gruppe 3 kommt immer am letzten Freitag im Monat im Q1 – Haus für Kultur, Religion und Soziales, Halbachstraße 1, zusammen. Das gemeinsame Kochen beginnt hier gegen 10.30 Uhr und endet um 13 Uhr.
Im Elsa-Brändsröm-Haus, Elsa-Brändström-Straße 131, trifft sich Gruppe 4 am dritten Freitag im Monat von 10.30 bis 13 Uhr.
Information und Anmeldung unter Tel.: 0234 / 6104791.

Autor:

Nathalie Memmer aus Bochum

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