Prof. Dr. Ewig und PD Dr. Heuer: „Influenza B kann zum Tod führen“

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In diesem Jahr gibt es viele Grippefälle – und die bringen auch immer das Risiko mit sich, dass eine Lungenentzündung oder auch Schlimmeres die Folge ist. Die WAZ berichtete Anfang April über einen Fall, der glücklicherweise ein gutes Ende nahm. Augusta Chefarzt Prof. Dr. Santiago Ewig hatte für die WAZ eine kleine Info zusammengefasst, die wir hier wiedergeben. Und auch Chefarzt PD Dr. Jan Florian Heuer hatte einen ganz besonderen Notfall aus dem Münsterland an die Zeitung herangetragen. Einen Fall, den er mit seinem Team im Augusta mit ECMO zum Guten wenden konnte.

Prof. Dr. Ewig:
„Die Influenza wird bisweilen immer noch unterschätzt. Einerseits haben wir in Deutschland unverändert eine viel zu niedrige Impfrate. Andererseits kann es – wie in diesem Jahr der Fall – zu Jahren mit epidemischer Influenzaverbreitung kommen; ein Teil der Influenzafälle kann sich von einer Bronchitis zu einer Lungenentzündung ausweiten. Auch schwere, mitunter tödliche Verläufe sind möglich. In solchen Jahren ist eine Testung aller Patienten auf Influenza angeraten, die Symptome einer tiefen Atemwegsinfektion aufweisen (z.B. Fieber, Husten, Auswurf, ggf. mit Allgemeinsymptomen wie Schwäche, Glieder- und Muskelschmerzen). Aktuell stehen gegen Influenza wirksame Medikamente zur Verfügung. Sie verkürzen die Krankheitsdauer und vermindern das Sterblichkeitsrisiko bei schweren Verläufen, sollten allerdings früh nach Beginn der Symptomatik gegeben werden. Dieses Vorgehen wird auch gerade in der von Prof. Ewig federführend herausgegebenen, im gesamten deutschsprachigen Raum gültigen S3-Leitlinie zur Behandlung der Pneumonie empfohlen. Weitere aktuelle Informationen zur Influenzaaktivität in Deutschland und in NRW unter https://influenza.rki.de/

PD. Dr. Heuer:
Eine schwere Grippe (Influenza-Infektion) kann zu einem schweren Lungenversagen bzw. dann sogar zum Tod führen. Der aktuelle Fall: Ein schwer erkrankter junger Influenza B-Patient wurde mit einem akutem Lungenversagen aus dem Westmünsterland mit einem Intensivtransportmobil in die Augusta Kliniken Bochum Mitte verlegt und dort direkt nach der stationären Aufnahme in der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerzmedizin mit einer extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) behandelt und schließlich gerettet.

Bei der ECMO-Therapie wird über eine Leistenvene (vena femoralis) venöses, sauerstoffarmes Blut „angesaugt“, dass dann, nachdem es eine künstliche „Membranlunge“ passiert hat, dem Organismus über die innere Halsvene (vena jugularis interior) wieder zugeführt wird. Die künstliche Lunge tauscht hierbei Kohlendioxid im Blut gegen Sauerstoff aus. „Die kleine tragbare ECMO-Einheit ersetzt für eine gewisse Zeit die Arbeit der Lunge“, „außerdem ermöglicht ECMO uns die Lunge sehr schonend, wir sprechen von ultraprotektiv zu beatmen, um eine weitere Schädigung der Lunge zu vermeiden“, so Chefarzt PD Dr. Heuer.“

An der Grippe sind laut Aussage des Robert-Koch-Institutes (RKI) 2016 bereits über 45000 Patienten erkrankt. In besonders schweren Fällen kann eine Grippeinfektion ein akutes Lungenversagen verursachen, dass in Ausnahmefällen mit Hilfe einer konventionellen Beatmung nicht mehr suffizient zu behandeln ist. Ohne eine zeitnahe ECMO-Therapie kann es zu einer tödlichen Sauerstoffunterversorgung, einer sogenannten Hypoxie kommen.

Die Ärzte der verlegenden Klinik erkannten innerhalb kürzester Zeit die schwere der Lungenerkrankung und initiierten die sofortige Verlegung. Dank dieses umsichtigen Handelns konnte der junge Patient zum idealen Zeitpunkt mit dem ECMO-System versorgt werden. „Der Therapieerfolg ist zu einem großen Teil, meiner hervorragenden Intensivmannschaft zu verdanken“- sagt PD Dr. Heuer. Die Intensivmediziner aus dem Westmünsterland kannten Augusta-Chefarzt PD Dr. Jan Florian Heuer von einem Vortrag, in dem er über die Möglichkeiten von ECMO referiert hatte und verlegten den Notfall-Patienten deshalb in die Augusta Kliniken. Heuer erwarb vor seiner Bochumer Zeit u.a. als leitender Arzt des Göttinger ECMO-Zentrums über viele Jahre enorme Erfahrungen in der Behandlung dieser ganz besonderen Patienten. Er sagt, dass gerade die Grippeepidemie ihn sehr beindruckt hat und dass damals ohne ECMO zahlreiche Patienten verstorben wären.
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