Schöne Erinnerungen: Senioren denken in der Stadtbücherei Wattenscheid an ihre Kindheit und Jugend zurück

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Ein Buch mit alten Wattenscheider Ansichten weckt Erinnerungen. (Foto: Baston)
 
Sylvia Sommerfeld, Monika Robrecht und Sylvia Hornung (v.l.) haben sichtlich Spaß am Vorlesen. (Foto: Baston)

„Wir treffen uns alle sechs Wochen“, erzählt Monika Robrecht vom Seniorenbüro Wattenscheid über die Kooperationsveranstaltung der Einrichtung mit der Stadtbücherei. Das Motto des Lesenachmittags lautet diesmal: „'Weisse noch, wie et dammals war?' - Geschichten aus der guten, alten Zeit“.

„Das ist heute die vierte Veranstaltung“, erklärt Robrecht. Sie blickt auf die vergangenen Termine zurück: „Beim ersten Mal ging es um Weihnachten. Passend zu Karneval hatten wir dann eine Veranstaltung, bei der Texte von Heinz Erhardt gelesen wurden. Unter dem Motto 'Heute komme ich mal mit meinem Buch' konnten die Teilnehmer selbst Bücher vorstellen.“ - Hier deutet sich bereits an, worum es bei den Kooperationsveranstaltungen geht: Texte werden vorgelesen und die Gäste haben die Gelegenheit, selbst etwas zu erzählen. „Im Mittelpunkt“, erläutert Robrecht,
„stehen Ereignisse aus den vierziger und fünfziger Jahren, also aus der Kindheit und Jugend der Teilnehmer unserer Veranstaltungen.“ - Dabei ist auch ein Neunzigjähriger im Publikum; generell richtet sich das Angebot an Menschen ab etwa 55 Jahren.

Viele Stammgäste

Sylvia Sommerfeld von der Stadtbücherei blickt in die Runde und stellt fest: „Viele sind schon Stammgäste.“ Gemeinsam mit Monika Robrecht und Sylvia Hornung vom Seniorenbüro fungiert sie als Gastgeberin und liest Texte aus Büchern wie „Als Oma noch mit Kohlen heizte“ vor. Die Texte dienen als Türöffner zu den Erinnerungen der Gäste. Hornung umreißt ihre Aufgabe als Gastgeberin: „Wir versuchen, die Anwesenden aus der Reserve zu locken. Das ist nicht immer ganz einfach.“ - An diesem Nachmittag gelingt das jedoch mühelos.

Temperamentvolle Vorleserin

Vor allem Sommerfeld erweist sich als temperamentvolle Vorleserin und hat die Lacher auf ihrer Seite: Als in der launigen Geschichte, die sie vorliest, gegen den Schrank geklopft wird, schlägt sie mit ihrem Schuh gegen das Tischbein. - Auch Robrecht lässt die Zuhörer in Erinnerungen schwelgen, als sie eine der Kumpel-Anton-Geschichten, der geradezu legendären Kolumnen von Wilhelm Herbert Koch, vorliest. „Mit die Blagen anne Ruhr“ spricht all denen aus dem Herzen, die
keine Frischluft-Fanatiker sind. „Als jemand meine Kinder als 'Blagen' bezeichnet hat, war ich sehr aufgebracht“, erzählt eine Teilnehmerin, die ursprünglich aus Norddeutschland stammt, „ich kannte das Wort nicht und dachte an 'Plagen'.“ - „Blagen ist kein Schimpfwort, sondern eine übliche Bezeichnung für Kinder“, versichern diejenigen, die „Ruhrpöttisch“ mit der Muttermilch aufgesogen haben.

Ein Leben ohne Kühlschrank

Die Kumpel-Anton-Geschichte ist Ausgangspunkt für ein Gespräch über das Kneipensterben. Eine Frau aus dem Publikum erinnert sich: „Früher war an der Bochumer Straße Kneipe an Kneipe. Davon ist kaum etwas geblieben.“ - Allerdings wird auch deutlich, dass die „gute alte Zeit“ in mancherlei Hinsicht ziemlich beschwerlich war, als Monika Robrecht einen Gesprächsimpuls setzt: „Können Sie sich ein Leben ohne Kühlschrank vorstellen?“ - „Die Milch war um 12 Uhr hinüber“,
erinnern sich die Teilnehmer, „für das Baby musste dann frische gekauft werden.“
Angenehmer ist es da, an die Lieblingsspeisen der Kindheit zurückzudenken. Die Gastgeberinnen kennen die Gerichte teilweise noch von ihren Eltern und Großeltern. So erzählt Sylvia Sommerfeld: „Mein Opa hat gerne gekocht, besonders Graupensuppe. Dann hieß es immer: 'Und zum Schluss noch 'ne dicke Zwiebel rein.'“ - Eine Teilnehmerin erzählt von ihrer Lieblingsfrucht: „In meiner
Kindheit war eine Banane etwas Besonderes. Heute ärgere ich mich, wenn die Früchte einfach weggeworfen werden.“

Schlager und Filme der Vergangenheit

Und was wäre ein Nachmittag darüber, wie es damals war, ohne das Schwelgen in Schlagern der Vergangenheit? - „Die Cornelia Froboess lebt ja noch. Heidi Brühl ist dagegen ganz früh gestorben – sie war schwer krebskrank.“ Prompt stimmen einige im Publikum „Pack die Badehose ein“ und „Wir wollen niemals auseinandergehen“ an. Wenn es um Heidi Brühl geht, denkt man natürlich auch an die „Immenhof“-Filme, die zwischen 1955 und 1974 das Publikum in die Kinos lockten
und den Jüngeren durch die Ausstrahlung im Fernsehen bekannt sind. „Ich konnte mich im Gegensatz zu den meisten anderen Mädchen nie für Pferde erwärmen“, schmunzelt Sylvia Sommerfeld, „aber die 'Immenhof'-Filme habe ich geliebt.“
Und da sind sie, die Erinnerungen an Kindervorstellungen und Eiskonfekt und an das mühsam mit Zeitungsaustragen verdiente Geld für die Kinokarten. Für die Teilnehmer steht fest: „Es war eine schöne Zeit.“ - So machen Hornung, Robrecht und Sommerfeld auch den Vorschlag, einmal einen ganzen Nachmittag den Schlagern, Filmen und Fernsehserien der vierziger bis sechziger Jahre zu
widmen. - Bis dahin ist allerdings noch etwas Zeit, da die nächste Kooperationsveranstaltung von Seniorenbüro und Stadtbücherei erst im September stattfindet. „Da in den nächsten Monaten viele im Urlaub sind“, begründet Robrecht, „machen wir eine Sommerpause.“ Sommerfeld weist jedoch auf die 600-Jahr-Feier hin, die Wattenscheid vom 28. Juni bis zum 2. Juli begeht. Am Samstag, 1.
Juli, stehen „Generation und Familie“ im Mittelpunkt. „An diesem Tag der Generationen beteiligen wir uns natürlich“, stellt Robrecht in Aussicht.

Infos
Ein genauer Termin für den nächsten Lesenachmittag steht noch nicht fest; er wird im September stattfinden. Informationen erteilt das Seniorenbüro Wattenscheid, Propst-Hellmich-Promenade 29, unter Tel.: 32 81 89 5 oder die Stadtbücherei Wattenscheid unter Tel.: 910-65 28.
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