Vertrauliche Geburt in Bochum

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Das Angebot der vertraulichen Geburt bietet Frauen in besonderen Notlagen eine anonyme und sichere Form der Entbindung.
 
Manuela Sieg, Leiterin des Evangelischen Beratungszentrum am Westring, hofft, dass die vertrauliche Geburt von der Öffentlichkeit angenommen wird.

Nachrichten von ausgesetzten Neugeborenen oder tot aufgefundenen Babys schockieren immer wieder die Öffentlichkeit. Mit der vertraulichen Geburt gibt es nun die Möglichkeit, werdenden Müttern, die ihre Schwangerschaft geheim halten wollen, eine legale Versorgung zu bieten.

„In der Historie der Babyklappe wurde es immer deutlicher, dass diese anonyme Abgabemöglichkeit keine optimale Lösung ist. Die medizinische Versorgung für Mutter und Kind wird hier zunächst nicht gegeben. Außerdem befindet sich das Neugeborene in einem rechtsfreien Raum. So hat es keinerlei Möglichkeit, seine Herkunft zu rekonstruieren“, erklärt Manuela Sieg, Leiterin des Evangelischen Beratungszentrums in Bochum.

Gesetzesänderung schafft Sicherheit


Mit der vertraulichen Geburt entstand im Mai 2014 das Angebot, mit Hilfe einer Beratungsstelle die anstehende Geburt in einem Krankenhaus oder mit Hilfe einer Hebamme als Hausgeburt zu planen. Das neue Gesetz erfordert eine Zusammenarbeit aller beteiligten Stellen, ohne dass die werdende Mutter ihre Identität preisgeben muss. Die Kosten trägt dabei der Bund. In Bochum gibt es fünf Anlaufstellen. Außerdem gibt es eine enge Vernetzung zwischen den Beratungsstellen, verschiedene Einrichtungen der Geburtshilfe, dem Jugendamt, Adoptionsvermittlungen, dem Standesamt und gegebenenfalls auch mit einem Vormund und dem Familiengericht.
„Die Beratungsstellen für Schwangere – so wie unsere Einrichtung – sollen im Idealfall der erste Anlaufpunkt für Frauen in besonderen Notlagen sein. Wir zeigen der schwangeren Frau vielfältige Hilfmöglichkeiten auf. Möchte sie das Kind jedoch unter keinen Umständen behalten, informieren wir sie über die vertrauliche Geburt. Für den Herkuftsnachweis wird dann einmalig ihre Identiät notiert, dann wählt die Schwangere ein Pseusonym, unter welchem die gesamte Schwangerschaft und die anschließende Entbindung laufen“, so Manuela Sieg.
Oft kommt es aber auch vor, dass sich Schwangere erst in letzter Minute in einem Krankenhaus melden. Dann wird die Schwangere – solange sie eine vertrauliche Geburt verlangt – einer Beratungsstelle gemeldet, um schnellstmöglich ein Pseudonym zu erstellen, unter welchem auch Geburtsdatum und -ort vermerkt werden.

Netzwerke schaffen Möglichkeiten


„Das Angebot der vertraulichen Geburt sieht vor, dass auch dem Kind Rechte eingeräumt werden. So hat es die Möglichkeit, mit Vollendung des 16. Lebensjahr Einsicht in den Herkunftsnachweis zu verlangen. Die leibliche Mutter kann ab der Vollendung des 15. Lebensjahrs des Kindes unter ihrem Pseudonym bei einer Beratungsstelle erklären, dass sie die Einsicht aus verschiedensten Gründen verweigert. Über eine solche Situation würde im Ernstfall ein Familiengericht urteilen“, erläutert die Leiterin des Beratungszentrums die rechtlichen Grundlagen für Mutter und Kind.
„Erstaunlich ist die hohe Quote der vertraulichen Geburt. So wurden im Zeitraum von Mai bis Oktober 2014 rund 70 Entbindungen auf diesem Wege deutschlandweit gezählt. Im Verhältnis zur Babyklappe, in der in ganz Deutschland circa 100 Kinder pro Jahr abgegeben werden, ist das ein beachtlicher Wert. Zumal die intensive Beratung und Begleitung auch werdende Mütter ermutigen konnte, sich für ein Leben mit dem Kind zu entscheiden“, schildert Manuela Sieg.

Die vertrauliche Geburt muss sich etablieren


Die schwerste Aufgabe ist es nun, das Angebot publik zu machen: „Die vertrauliche Geburt soll gerade Frauen, die in schwerer Not sind – wie beispielsweise einer Gewaltpartnerschaft – einen legalen und sicheren Weg ermöglichen. Zusätzlich zu den Beratungsstellen gibt es sowohl eine kostenlose Beratungs-Hotline als auch eine Internetseite, die zusätzlich einen Beratungs-Chat anbietet“, erklärt Manuela Sieg, die sich wünscht, dass das Hilfsangebot sich in den nächsten fünf Jahren fest in der Öffentlichkeit etabliert haben wird.

Infos
Beratungsstellen in Bochum: pro familia, Bongardstr. 25; Evangelisches Beratungszentrum, Westring 26; Frauen beraten/Donum Vitae, Am Kortländer 1; Schwangerschaftsberatungsstelle des Sozialdienstes katholischer Frauen, Bergstr. 224

Kostenlose Beratungs-Hotline für Schwangere in Not: 0800 40 40 020

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