Atalan setzt auf Attacke: Neuer Cheftrainer des VfL liebt Offensivfußball – Gespräche schon im Januar

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Jung, ambitioniert, bodenständig: Der neue Chef-Trainer Ismail Atalan hinterließ bei seiner Vorstellung einen sympathischen Eindruck. Foto: Molatta
 
Neue Runde: VfL-Vorstand Christian Hochstätter (l.) und Pressesprecher Jens Fricke mit dem neuen Cheftrainer Ismail Atalan.
Bochum: Vonovia Ruhrstadion |

Mitten in der Saisonvorbereitung trennt sich der VfL Bochum von Cheftrainer Gertjan Verbeek und verpflichtet Ismail Atalan (37) als seinen Nachfolger. Über die Gründe schweigt sich Sportvorstand Christian Hochstätter aus. Klar ist aber: Schon im Januar hatte es Gespräche mit Atalan gegeben.

Die Nachricht platzte am Dienstagmorgen wie eine Bombe: Der VfL hat trotz laufenden Vertrages bis 2018 seinen Trainer Gertjan Verbeek entlassen. Man sei „nach intensiven Gesprächen in Aufsichtsrat und Vorstand zum dem Entschluss gekommen, dass wir fortan mit einem anderen Trainer versuchen werden, unsere Ziele zu erreichen. In der jetzigen Konstellation gab es zu große Differenzen bei unseren Vorstellungen darüber“, ließ Christian Hochstätter, Sportvorstand der Bochumer, in einer dürren Pressemitteilung verbreiten.

Hochstätter lässt Raum für Spekulationen

Mehr wollte Hochstätter auch auf Nachfrage nicht sagen und öffnet damit die Tür für Spekulationen. Das Verhältnis zwischen dem knurrigen und sturen Verbeek und Teilen der Mannschaft galt schon länger als schwierig. Zuletzt düpierter er auch Vorstand und Fans, indem er das Training zur Saisoneröffnung kurzfristig nach vorne verlegte. Zudem soll es im Trainingslager in der letzten Woche zu Differenzen mit dem Funktionsteam gekommen sein.

„Mitte der vergangenen Woche war der Zeitpunkt gekommen, an dem wir handeln mussten“, ließ sich Hochstätter immerhin entlocken. Warum der Verein aber erst so spät ganz offenbar die Notbremse gezogen hat? „Kein Kommentar!“

Kommentar: Abschied vom besten Trainer der 2. Liga

Mit dem neuen Mann auf der Bochumer Bank, Ismail Atalan, hat Hochstätter schon im Januar Gespräche geführt. Dass erklärte der bodenständige, sympathische und offenbar grundehrliche Trainer bei seiner Vorstellung ganz offen: „Das Gespräch damals hat mich beeindruckt, daher war es jetzt für mich keine schwierige Entscheidung.“ Die Ambitionen und Ziele des VfL, die Bochumer Philosophie, auf junge Spieler zu setzen, nicht zuletzt auch die Nähe zu seiner Familie, die in Senden wohnt – all das hat für den 37-Jährigen den Ausschlag gegeben, den Drittligisten Sportfreunde Lotte zu verlassen und in seiner noch jungen Trainerkarriere den nächsten Schritt zu wagen.

"VfL-Philosophie weitertragen und verbessern"

Christian Hochstätter versuchte die Kontaktaufnahme schon zu Beginn des Jahres als normalen Vorgang abzutun. „Ich habe die Verpflichtung, mich umzuhören. Es war ein Kennenlernen, unabhängig von Nachfolge-Diskussionen.“ Er sei immer auf der Suche nach Leuten, „die unsere VfL-Philosophie weitertragen und verbessern“. Und dann lieferte der Sportvorstand ein Lob über Ismail Atalan, das auch über den entlassenen Verbeek einiges aussagt: „Die Art, wie Ismail Leute führt, spricht für sich.“

Hintergrund: Das ist Erfolgstrainer Ismail Atalan

Der Gelobte selbst, der schon am Mittwochabend im Testspiel bei der SG Wattenscheid seinen Einstand als Cheftrainer gibt, will und muss in den verbleibenden zweieinhalb Wochen bis zum Saisonstart seine neue Mannschaft schnell kennenlernen. System und Aufstellung seien vor allem davon abhängig, „wie sich die Jungs im Training präsentieren und was man uns anbietet“. An der Qualität des Kaders habe er keinen Zweifel, wichtig sei aber auch die Mentalität, um seine Vorstellungen von Fußball umzusetzen.

Offensiv und aktiv: "Ich liebe diese Art von Fußball"

Und die sind von Verbeeks Philosophie gar nicht so weit entfernt. Offensiv und aktiv spielen, attackieren, dominant auftreten – „ich liebe diese Art von Fußball“, ließ Ismail Atalan keinen Zweifel. „Die Zuschauer sollen sehen, dass wir einen Plan haben, wie wir das Spiel gewinnen wollen.“ Das verbindet ihn auch mit Pep Guardiola, bei dem er in diesen Tagen eigentlich hospitieren wollte. Das hat er jetzt abgesagt. „Ich war schon auf dem Weg nach Manchester. Aber wenn der VfL anfragt, überlegt man sich das…“, erklärte er mit einem Augenzwinkern.
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