Fußball beim VfL Bochum wird wieder zur „Männersache“ - Verein trennt sich von der Frauen- und Mädchenabteilung und ruft Proteste hervor

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Das Zweitligateam des VfL Bochum steht wie der gesamte Frauen- und Mädchenbereich vor dem Aus. (Foto: VfL Bochum)

Mit diesem heftigen Gegenwind hatte der VfL Bochum dann wohl doch nicht gerechnet: Am vergangenen Wochenende ließ er per Pressemitteilung verlautbaren, dass man sich nach Ende der Saison 2014/2015 von der Frauen- und Mädchenfußballabteilung trennen würde und erntete heftige Proteste.

„Vor dem Hintergrund der finanziellen Belastung aus diesem Bereich und den von uns angestrebten Einsparungen, sehen wir keine andere Möglichkeit, als diesen Schritt zu vollziehen“, erklärte Finanzvorstand Wilken Engelbracht.
„Gerade vor diesem Hintergrund sehen wir für die in der 2. Bundesliga spielende erste Frauenmannschaft keine Chance, ihnen eine adäquate Perspektive bieten zu können. Wir bedauern diesen Schritt außerordentlich, werden aber alles daran setzen, die Frauenfußball-Abteilung bei der Suche nach möglichen Kooperationspartnern zu unterstützen. Dafür werden wir uns in den nächsten Wochen mit den Verantwortlichen zusammensetzen und ein Konzept erarbeiten, das den Bedürfnissen aller Beteiligten möglichst gerecht wird“, ergänzte Sportvorstand Christian Hochstätter.

Verantwortliche sind enttäuscht

Verantwortliche und Spielerinnen selbst waren vor allem über die Art und Weise enttäuscht: „Wir sind ohne vorherige Gespräche einfach vor vollendete Tatsachen gestellt worden“, so die Elternvertreter der Jugendteams. „Man hätte sich doch zumindest mal mit uns an einen Tisch setzen können, um gemeinsam nach Lösungen und Wegen zu suchen. Aber wir werden das nicht einfach so hinnehmen“, gibt sie sich kämpferisch.

Grüne: "Grobes Foul"

Auch Lokalpolitiker brachten ihre Empörung zum Ausdruck: „Wir können nur den Kopf schütteln über dieses grobe Foul gegen die Spielerinnen und die engagierten Betreuerinnen. Es ist nicht hinzunehmen, dass der VfL mit Millionenbeträgen aus den Kassen der Stadt bzw. der städtischen Töchter unterstützt wird und nun wegen 120 000 Euro den Frauen- und Mädchenfußball gleich ganz vom Platz nimmt. Hier werden falsche Prioritäten gesetzt. Mit Blick auf die Identifikation der vielen weiblichen Fans mit dem Verein ist die Entscheidung auch sehr kurzsichtig“, erklärte Züleyha Demir, sportpolitische Sprecherin der Grünen Ratsfraktion.

CDU: Antrag auf Erhalt der Abteilung

Lothar Gräfingholt (CDU) hat für die am 20. Oktober stattfindende Mitgliederversammlung des VfL Bochum den Antrag gestellt, dass die Frauen- und Mädchenabteilung weitergeführt werden soll. „Ich hoffe auf die Unterstützung all derjenigen, die wie ich der Auffassung sind, dass der Frauenfußball inzwischen selbstverständlich zum VfL dazu gehört. Ich hoffe auf Unterstützung all derjenigen, die dem Vorstand zeigen wollen, dass solche weitreichenden Entscheidungen nicht von ihm allein getroffen werden können. Und schließlich hoffe ich auf die Unterstützung all derjenigen, die den Frauenfußball generell in dieser Stadt unterstützen wollen. Die Frauen- und Mädchenfußballabteilung gehört inzwischen so selbstverständlich zum VfL wie der VfL zu Bochum gehört“, so Gräfingholt.

Stadtgestalter: Städtische Sponsoring für VfL überprüfen

De Stadtgestalter schlagen überparteiliche Petition im Rat vor, damit der VfL Bochum die Entscheidung zur Ausgliederung des Frauenfußballs rückgängig macht. Für sie gehört das städtische Sponsoring des VfL auf den Prüfstand. "Die Bürger müssen entscheiden, in welcher Höhe das Engagement angesichts der maroden städtischen Finanzen noch vertretbar ist", so Volker Steude. Darüber hinaus wird vorgeschlagen, dass der Rat der Stadt in einer überparteilichen Petition den Vorstand des VfL auffordert, seine Entscheidung zur Aufgabe der Frauen- und Mädchenabteilung zu überdenken und klar zum Ausdruck bringt, dass das Engagement des VfL in diesem Bereich eine Grundvoraussetzung für das Sponsoring durch städtische Unternehmen ist.

FDP/UWG: Image ist ramponiert

"Die plötzliche Entscheidung des VfL Bochum hat uns schon überrascht, schließlich hat sich der Frauen- und Mädchenfußball in der letzten Zeit positiv entwickelt", so Luisa-Maximiliane Pischel, sachkundige Bürgerin der FDP/UWG-Fraktion im Ausschuss für Sport und Freizeit. "Die Art, wie die Betroffenen über den Vorgang informiert wurden, hat jetzt dazu geführt, dass durch eine hitzige Diskussion das Image ramponiert wird. Frauenfußball war ja zuletzt – auch durch die Frauen-WM 2011 – ein Aushängeschild für Bochum. Die Mitgliederversammlung des VfL Bochum am 20. Oktober ist jetzt in der Verantwortung, bei der Abwägung aller Argumente eine umsichtige Entscheidung zu treffen."
"Sollte sich die Mitgliederversammlung gegen eine Fortführung der Frauen- und Mädchenfußballabteilung entscheiden, darf dies jedoch nicht das Ende eines qualitätsvollen Frauenfußballs in Bochum sein", betont Wilfried Flöring, sportpolitischer Sprecher der FDP/UWG- Fraktion. "Offenbar gibt es ja bereits andere Vereine, die Interesse an den Bochumer Frauen- und Mädchenmannschaften angemeldet haben. Der VfL Bochum wäre dann in der Pflicht den Übergang optimal zu gestalten und auch für eine Übergangsphase zu begleiten. Mir nichts, dir nichts darf sich der Verein der Verantwortung, die er 2010 übernommen hat, nicht entziehen. Das wäre unfair gegenüber den Fußballerinnen, die schließlich Leistung gezeigt haben. Zur Not muss dann eben mit anderen Vereinen ein Zweckbündnis geschmiedet werden, um in Bochum die Qualität im Frauenfußball auch weiterhin zu erhalten."
Die FDP/UWG-Fraktion wird sich dafür einsetzen, dass über die Entwicklung auch im kommenden Sportausschuss am 24. Oktober berichtet wird.

SPD: Imageschaden für Verein und Stadt ist groß

Der sportpolitische Sprecher der SPD-Ratsfraktion Hans Peter Herzog erkärt: "Die Stadt hat mit hohem finanziellen Aufwand das Stadion für die Frauenfußball Weltmeisterschaften ausgerüstet. Die Meisterschaften hatten auch den erhofften Effekt: mehr Mädchen und Frauen dafür zu begeistern, selbst Fußball zu spielen. Nicht zuletzt durch Zusammenschlüsse mit anderen Vereinen hat der Frauenfußball auch beim VfL einen hohen Stellenwert bekommen. Deshalb ist es ausgesprochen ärgerlich, dass der VfL seine Mädchen- und Frauenfußball Abteilung einfach so schließen will. Der Image-Schaden für den Verein und die Stadt ist jetzt groß. Von der Entscheidung geht das Signal aus, dass Mädchen- und Frauenfußball jederzeit zur Disposition gestellt werden kann. Doch gefragt sind Verlässlichkeit und Planungssicherheit. Die SPD-Fraktion erwartet und hofft deshalb, dass der VfL Bochum seine Entscheidung korrigiert."

Sabrina Gesell und ihre Mannschaft hoffen auf reichlich Solidarität, die die Fans am Sonntag, 19. Oktober, durch zahlreiches Erscheinen beim nächsten Punktspiel um 11 Uhr am Leichtathletikplatz am Rewirpower-Stadion gegen Wolfsburg zeigen können.

Der Vorsitzende des Fußballkreises Bochum hat sich ebenfalls geäußert. Ein Interview dazu lesen Sie hier.
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1 Kommentar
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Wolfgang Seelig aus Bochum | 11.10.2014 | 23:26  
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