VfL Bochum: der Film zum Jahrhundertspiel

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Michael Eggert flankt vor das Bayern-Tor. Screenshot: Marc Keiterling

Erst hat man kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu. Fünfmal fielen in der bisherigen Bundesligageschichte zwölf Tore in einem Spiel. Viermal war Borussia Dortmund beteiligt. Die Ergebnisse aus BVB-Sicht: 9:3, 1:11, 0:12, 11:1. Doch keine Partie seit 1963 nahm einen ähnlich spektakulären Verlauf wie diese Begegnung mit elf Treffern. Das Pech: es existiert kein Fernsehbeitrag.

5:6 unterlag der VfL Bochum am 18. September 1976 dem FC Bayern München. Nach 53 Minuten führte der Gastgeber mit 4:0, dann brach das Unglück über ihn herein. Im Vorfeld des DFB-Pokalspiels beider Vereine am vergangenen Mittwoch, 10. Februar, hatte lokalkompass.de auch diese Partie erwähnt. Wie die ARD am Abend zuvor versehen mit Hinweis, dass es von diesem Jahrhundertspiel keine bewegten Bilder gebe.
Noch am gleichen Tag meldete sich Werner David in der Redaktion. „Keine bewegten Bilder? Doch, mein Film!“ Sein Erstlingswerk sogar. Mit der gerade neu erworbenen Super 8-Kamera pilgerte David an diesem September-Tag vor 40 Jahren zur Baustelle Ruhrstadion.
„Ich hatte das Gerät gerade gekauft und wollte vor dem anstehenden Urlaub in Bayern das Filmen probieren. Also bin ich mit Kamera ins Stadion, mein Platz war auf der ersten neugebauten Tribüne.

„Ich hätte besser vier Filme mitgenommen“

Ich habe mir zwei Filme eingesteckt – mein Gott: Hätte ich geahnt, wie der Nachmittag verläuft, hätte ich vier mitgenommen“, erinnert sich David. Gerade einmal gut drei Minuten Aufnahmezeit hat so ein Film. „Ich hab´ natürlich nur draufgehalten, wenn der VfL nach vorne marschierte. Darum sind auch keine Bayern-Tore zu sehen.“ Aber die fünf Bochumer Treffer sind tatsächlich komplett – ein Wunder bei einer Gesamtlaufzeit von exakt sechs Minuten und 46 Sekunden und dem jeweils spontanen Einsatz an der Kamera. Wer den Streifen anschaut, sieht außerdem mehrere weitere Großchancen der Blau-Weißen, die an diesem Tag den Bayern locker sieben bis acht Tore hätten einschenken können.
Das spektakuläre Spiel beendet, der Kameratest absolviert. Am Abend freute sich der Wattenscheider im heimischen Fernsehsessel nun auf den Beitrag im Aktuellen Sportstudio des ZDF: „Doch dann sagte der Moderator, dass während dieses Spiels die Kamera kaputtgegangen sei.“

ZDF-Kamera kaputt, Material weg

Das wertvolle Bildmaterial unwiederbringlich verloren, wie eine Anfrage beim ZDF belegt. Im Archiv der Mainzer befindet sich das Sportstudio mit Moderator Hanns Joachim Friedrichs von diesem Tag, allerdings nur mit den Begegnungen Tennis Borussia Berlin - 1. FC Köln und Eintracht Braunschweig - Schalke 04.
Damit ist das von Werner David gedrehte Material von ganz besonders historischem Wert, möglicherweise die tatsächlich einzig bewegten Dokumente eines denkwürdigen Tages auf der Baustelle Ruhrstadion.
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