VfL Bochum:Spieltagszerstückelungen - „Irgendwann haben die Fans genug!“

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Christian Hochstätter ist seit Juni 2013 als Sport-Vorstand des VfL Bochum tätig.
 
Für Borussia Mönchengladbach war Hochstätter einst am Ball: 339 Bundesligaspiele und zwei Einsätze in der Deutschen Nationalmannschaft stehen in seiner Vita. Als Manager/Sport-Vorstand war der gebürtige Augsburger auch schon für Gladbach und Hannover 96 tätig.

Anfang Juli wurden Pläne der Deutschen Fußball Liga (DFL) öffentlich, die Spieltage der ersten Bundesliga noch weiter aufzufächern. Vorgesehen ist, künftig auch am Sonntagmittag und am Montagabend zu spielen. Dafür könnten auch die Zweitligavereine weiter „verschoben“ werden. Christian Hochstätter, Sport-Vorstand des VfL Bochum, erkennt die Gefahr: „Irgendwann haben die Fans genug!“

Angeblich gehe es vor allem darum, die Europa-League-Starter zu entlasten und ihnen Donnerstag-Samstag-Ansetzungen zu ersparen. Es wird aber von der DFL selbst eingeräumt, dass ein Bundesligaspiel am Montag einen höheren Vermarktungswert hat als ein Zweitligaspiel zur selben Zeit.

„ProFans“ sieht eine Schlag ins Gesicht der aktiven Fanszenen


Auch das deutschlandweite Anhänger-Bündnis „ProFans“ hat die öffentliche Diskussion um die Ideen der DFL zur Kenntnis genommen. Ursprünglich aus der Initiative „Pro15:30“ hervorgegangen, sind die Spielansetzungen schon immer ein Kernthema der Bündnisarbeit. Seit der vergangenen Saison hat „ProFans“ den Fokus noch einmal deutlicher auf das Thema Anstoßzeiten gesetzt. „Wir kämpfen seit Jahren gegen das Montagsspiel der zweiten Liga. Anstatt dieses Spiel endlich abzuschaffen, lässt die DFL laut Presseberichten sogar die Einführung eines Montagsspiels in der ersten Liga beim Bundeskartellamt prüfen. Die Nachricht ist für die aktiven Fanszenen des Landes ein Schlag ins Gesicht“, sagt „ProFans“-Sprecher Jakob Falk. Eine derartige Reaktion der DFL auf die weiteren finanziellen Forderungen einiger Verein sei absehbar gewesen.
Die Forderung, nur die beiden Wochenendtage für den Spielbetrieb zu nutzen, betont „ProFans“ regelmäßig in Gesprächen mit Vereins- und Ligafunktionären. In den Diskussionen werden dann neben den bekannten finanziellen Aspekten auch die eingangs genannten Argumente hinsichtlich der Regenerationszeit international spielender Vereine angebracht.

Argumente von DFL und Europa League-Clubs überzeugen nicht



Alex Schulz von „Pro Fans“ dazu: „Solche Argumente können nicht überzeugen. Gerade diese Mannschaften verfügen über einen ausreichend großen Kader, um die Mehrfachbelastung zu kompensieren.“ Vor allem in den unteren Ligen litten viele Vereine mit sehr viel geringeren finanziellen Mitteln unter der Aufsplittung der Spieltage, weil dies Zuschauer koste. Hier stehe auch der Deutsche Fußball-Bund in der Verantwortung.
Für „ProFans“ steht fest, dass es in allererster Linie um eine weitere lukrative Einnahmequelle bei der Vermarktung der Bundesliga geht. „Natürlich steht nicht nur die DFL selbst am Pranger! Dass die Vereine öffentlich schweigen oder die Pläne sogar selbst forcieren, ist aus Fanperspektive ein Skandal. Hier wird deutlich, wie wenig die Belange der eigenen Fans gegenüber den wirtschaftlichen Interessen zählen“, sagt Jakob Falk.

Hochstätter schweigt nicht



Der Sport-Vorstand des VfL Bochum, Christian Hochstätter, schweigt zu den Plänen nicht. Er spricht zu diesem Thema exklusiv gegenüber lokalkompass.de und Stadtspiegel Bochum.

Welche Forderungen gibt es aus Sicht des Zweitligisten VfL Bochum im Bezug auf die möglichen Erstligaspiele am Montagabend und am Sonntagmittag? Sind weitere Verlagerungen von Zweitligaspielen zumutbar?

Hochstätter: „Sie sind zumindest in den Augen der DFL womöglich nicht unzumutbar, anders lässt sich die Ankündigung, auch Montagsspiele in Betracht ziehen zu wollen, kaum interpretieren. Der Montag ist mittlerweile ein ´gewohnter´ Zweitligatag, mit dem Anstoß in der Primetime. Nichtsdestotrotz sind Montagsspiele für die Fans, die aktiv das Liveerlebnis im Stadion miterleben wollen, schon eine Herausforderung. Sollte sich die Anstoßzeit nunmehr weiter nach vorne verschieben, wäre das für viele Fans nicht mehr darstellbar – sowohl bei Heim- als auch bei Auswärtsspielen. Wie die DFL das den Vereinen gegenüber finanziell kompensieren will, wird eine der spannenden Fragen sein, die es zu klären gilt.“

Erwarten Sie eine Schmälerung der Fernsehgelder für Zweitligisten, sollten die Pläne umgesetzt werden?

Hochstätter: „Im Gegenteil, ich erwarte bei etwaigen Plänen eine deutlich spürbare Steigerung auf der Seite der Einnahmeseiten von Fernsehgeldern!“

Soll mit der Verlagerung aus Ihrer Sicht in erster Linie der Europa League Rechnung getragen werden oder geht es vordergründig um den Versuch, dem Pay-TV weitere Kunden zuzuführen? Was sagen Sie zu den Bedenken von „ProFans“?

Hochstätter: „Die Sorgen der Fans kann man verstehen. Ich kann aber, nicht zuletzt als ´Betroffener´, auch die Sorge der Bundesligavereine verstehen, die angesichts der horrend hohen Summen, die beispielsweise in England für TV-Rechte gezahlt werden, nun immer lauter geäußert werden.

„Deutschland muss schon zusehen, dass es nicht abgehängt wird“




Der Fußballstandort Deutschland muss schon zusehen, dass er nicht abgehängt wird. Letzten Endes dreht es sich im Profisport immer ums Geld, was auch die Pay-TV-Frage beantworten dürfte. In Sachen Europa League war die Zeit zwischen dem Spieltermin am Donnerstag und dem am Sonntag meines Erachtens bis dato ausreichend. Und ob sich das verbessert, wenn man am Montagabend ein Auswärtsspiel hat, um dann donnerstags in der Europa League zu spielen, möchte ich auch bezweifeln.“

Wie stellen Sie sich grundsätzlich zur Zerstückelung der Spieltage? Was sagen Sie grundsätzlich zu den Zweitliga-Anstoßzeiten freitags (18.30 Uhr), samstags (13 Uhr) und montags (20.15 Uhr)? Was glauben Sie: Wie viel Urlaub wird ein Angestellter mittelfristig zu investieren bereit sein, um „seinen“ Verein im Stadion zu sehen?

Hochstätter: „Mittlerweile ist dieser Rhythmus ja für die Zweitligazuschauer nichts Neues, was nicht heißt, dass diese Systematik über jeden Zweifel erhaben ist. Mit einem Spiel am Freitag um 18.30 Uhr kann man sich in meinen Augen sogar noch eher arrangieren als samstags um 13 Uhr. Das ist zumindest die Beobachtung, die wir in Bochum gemacht haben. Ich bin schon überrascht, wenn ich höre, was Fans bereit sind, auf sich zu nehmen, um ihren Verein zu sehen.

„Entgegenkommen der Fans ist endlich“




Ich weiß aber auch, dass dieses Entgegenkommen endlich ist. Zu irgendeinem Zeitpunkt haben auch die Fans genug, zum Beispiel, wenn die Samstags- oder Sonntagstermine noch weiter vorgezogen würden.“

Marc Keiterling Freiberuflicher Journalist
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