Weit! Schnell! Genau! Dieser Mann schießt vom Himmel

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Dubai liegt ihm zu Füßen.
 
Tobias Koch mitten in der Wertung. Fotos (5): privat

Die World Games werden alle vier Jahre unter der Schirmherrschaft des Internationalen Olympischen Komitees ausgetragen, jeweils im Jahr nach den Olympischen Sommerspielen. In mehr als 30 nicht-olympischen Sportarten messen sich die Athleten. Dazu zählt Fallschirmspringen. Eine der Disziplinen: Canopy Piloting, auch Swooping genannt. Einer der Sportler: Tobias Koch.

Vom 19. bis zum 30. Juli finden die 10. World Games im polnischen Breslau statt. Mehr als 3.500 Aktive gehen an den Start und machen die Wettbewerbe zur weltweit größten Sportveranstaltung des Jahres. "Hier unter den 36 besten Springern der Welt zu sein, freut mich als Hobbyspringer sehr. Nun möchte ich die Konkurrenz - die meisten davon sind Berufsspringer - aus den verschiedensten Nationen ärgern und mich so weit wie möglich vorne platzieren." Sagt der Bochumer Tobias Koch.
Der 40-jährige Berufssoldat präzisiert übrigens gern die Ortsangabe: "Geburts- und Wohnort Altenbochum. Ich bin hier noch nie rausgekommen." Okay, mindestens von Wettbewerben abgesehen. Diese führten den Berufssoldaten schon an verschiedene Orte des Erdballs. Sein sehenswertes Fotoalbum beweist es: Training in Dubai, Sprung in den 40. Geburtstag über Klatovy in der Tschechischen Republik, World Championships in Kanada - der Mann schießt überall herab, wie es die wörtliche Übersetzung von "to swoop" sagt. Stetige Heimkehr nach Altenbochum inklusive.

Was ist das überhaupt?

Swooping oder auch Canopy Piloting: Was ist das überhaupt? Eingesetzt werden sehr kleine und agile Hochleistungsfallschirme, die durch eine Drehung beschleunigt werden. Diese Drehung beginnt in 200 bis 350 Metern Höhe. Der Fallschirmspringer erreicht dabei eine Vertikalgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern und mehr. Die so aufgenommene Geschwindigkeit nimmt man dann in einen langen Gleitflug, den „Swoop“, mit. Die Athleten beschleunigen im Wettbewerb ihre Schirme durch eine Steilkurve. Je nach Windstärke beträgt die Geschwindigkeit bis zu 180 Stundenkilometer. Swooping wird oft über künstlichen Wasseroberflächen ausgeführt. Der Parcours wird parallel zum Boden geflogen. Der Zuschauer ist hautnah dabei, kann die Leinen der Fallschirme pfeifen hören und den Luftzug der Sportler spüren.
"Als Wettkampfdisziplin hat sich das Canopy Piloting etabliert. Die offiziellen Wettkämpfe werden mit Punkten nach drei Kriterien gewertet: Weite, Schnelligkeit und Genauigkeit. Gewinner ist der Springer mit den meisten Punkten", erklärt Koch. Er betreibt diesen Sport seit etwa zwölf Jahren und hat über 5.500 Sprünge absolviert.
Im einzelnen. Weite: Eine 1,50 Meter hohe und zehn Meter breite Lichtschranke muss durchflogen werden. Dieses so genannte Eingangstor ist der Nullpunkt. Der Punkt des ersten Kontakts mit der Oberfläche wird als Landepunkt gewertet und seine Entfernung zum Nullpunkt gemessen. Der aktuelle Weltrekord liegt bei 167,97 Metern.
Geschwindigkeit: Auch hier muss eine Lichtschranke durchflogen werden. In dieser Disziplin befindet sich nun jedoch eine weitere Lichtschranke in einer 75 Grad Kurve in 70 Metern Entfernung. Auch dieses Ausgangstor muss durchflogen werden. Das Ergebnis ist die Zeit, welche man brauchte, um beide Tore zu durchfliegen. Der aktuelle Weltrekord liegt bei 2,02 Sekunden.
Genauigkeit: Hier muss man das Wasser berühren, um Punkte zu sammeln. Insgesamt kann man an vier Stellen auf dem Wasser Punkte sammeln. Wer durch alle vier Wassertore eine Linie mit dem Fuß zieht und in der 70 Meter vom Eingangstor entfernten Zielzone landet, bekommt 100 Punkte. Jedes fehlende Wassertor oder das Verpassen der Zielzone gibt Punktabzug.

Das größte Spektakel: Freistil

Außerdem gibt es den Freistil, die wohl spektakulärste aller vier Disziplinen. Hier werden die Manöver mit hoher Geschwindigkeit und Wasserberührung ausgeführt. Beim „Blindman“ wird der Körper etwa im Gurtzeug verdreht und rückwärts, mit den Füßen auf der Wasseroberfläche, geflogen. Der „Superman“ gleitet auf dem Bauch durch das Wasser. Die Bewertung ist abhängig vom Schwierigkeitsgrad des ausgeführten Manövers sowie dessen Umsetzung.
"Das klingt auf dem Papier möglicherweise kompliziert. Wir als Springer haben das natürlich verinnerlicht. Ganz allgemein kann ich sagen, dass Fallschirmspringen immer für ordentlich Adrenalin sorgt", sagt Tobias Koch. Seine Wettkampfbilanz des Jahres 2016: Rang acht bei der Weltmeisterschaft in Kanada, vierter Platz in der Deutschen Meisterschaft gesamt und Sieg bei der "Deutschen" in der Disziplin Genauigkeit ("Zone Accuracy").
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2 Kommentare
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 14.07.2017 | 22:10  
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Marlies Kechlo aus Bochum | 20.07.2017 | 16:06  
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