Weltklassesportlerin Nora Hansel peilt Paralympics 2020 an

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Para-Triathletin Nora Hansel trainiert wöchentlich 15 Stunden. Dabei spult sie 200 Kilometer auf dem Rad ab. Fotos (2): privat
 
Im kommenden Jahr will Hansel ihren Europameistertitel in Düsseldorf verteidigen.

Zwischen dem 7. und dem 18. September fanden die Paralympics in Rio de Janeiro statt. Die Bochumerin Nora Hansel musste die Wettbewerbe allerdings vom heimischen Sofa aus verfolgen. Dabei gehört die 31-Jährige zu den weltbesten Para-Triathletinnen. Doch die mehrfache Deutsche Meisterin, Europameisterin und Weltmeisterin, die für den PV Triathlon Witten startet, war zum Zuschauen verdammt.

Nora Hansel leidet an einer rechtsseitigen Ataxie – einer teilweisen Lähmung – und gehört damit der Schadensklasse PT3 (mittelschwer) an. Von insgesamt fünf Schadensklassen im Triathlon waren bei den Paralympics 2016 nur drei startberechtigt, die PT3 gehörte nicht dazu. „Ich hoffe, dass ich 2020 in Tokio startberechtigt bin“, steckt Hansel nun ihre ganze Energie auf die Vorbereitung der Spiele in Japan. Die Entscheidung, welche Schadensklassen dann an den Start gehen dürfen, fällt die Internationale Triathlon Union allerdings erst 2018.
Ihre sportliche Laufbahn begann die in Löbau (Sachsen) geborene Nora Hansel als Biathletin. Ihr gelang sogar der Sprung in die deutsche Biathlon-Jugend-Nationalmannschaft. Im Winter 2002/03 nahm Hansel an der Europäischen Jugendolympiade teil und belegte dort die Plätze 17 und 22. Daria Domratscheva, heute eine der weltbesten Biathletinnen, gehörte damals zu ihren Konkurrentinnen.
Im Sommer 2004 dann die niederschmetternde Diagnose: Bei Nora Hansel wurde ein Hirntumor diagnostiziert. Teilweise konnte sie nicht mehr aufrecht sitzen, an Gehen war überhaupt nicht zu denken. Aber mit riesigem Durchhaltevermögen, großem Ehrgeiz, unbändiger Energie und einer immensen Portion Selbstdisziplin kämpfte sich Hansel zurück.

Der Hirntumor änderte alles


Aus kleinen Zielen und Fortschritten wurden schnell größere und dann große. Der Sport half der ehemaligen Biathletin dabei. „Ohne den Sport wäre ich heute nicht so fit“, ist sie sicher. Schwimmen gehörte von Beginn an zu den Reha-Maßnahmen, Radfahren folgte einige Zeit später. Para-Cycling war dann auch die erste Sportart, die Hansel nach ihrer Erkrankung wieder ausübte. Und da sie auch vor ihrer Erkrankung schon eine passionierte Läuferin war, waren schnell alle drei Sportarten für den Para-Triathlon beisammen. „Seit 2013 betreibe ich den Triathlon-Sport nun professionell“, berichtet Hansel.

Eine 55-Stunden-Woche ist zu meistern


Neben ihrem 40 Stunden-Job bei einer Arbeitsagentur bedeutet dies rund 15 Stunden zusätzliches Training pro Woche. Vier Einheiten à 90 Minuten Schwimmen, 200 Kilometer Radfahren, 30 Kilometer Laufen und zusätzlich zwei bis drei Stunden Krafttraining stehen Woche für Woche auf dem Trainingsplan. „Ohne den Spaß an der Bewegung und der Liebe zum Sport wäre dies gar nicht machbar“, erklärt Hansel.
Ein Liebe zum Sport, die aber auch finanziell gemeistert werden muss. Die Weltmeisterschaft 2014 beispielsweise fand in Edmonton (Kanada) statt. Den Start finanzierte Hansel wie bei allen internationalen Wettkämpfen aus privaten Mitteln. Umso wichtiger ist deshalb die Unterstützung von kleineren und größeren Sponsoren. „Schließlich sind wir lupenreine Amateure“, so Hansel. Seit 2016 wird sie von Ottobock, einem Hersteller für Medizintechnik, unterstützt. Dringend notwendige Unterstützung für Hansel, schließlich schlägt die jetzt unbedingt erforderliche Anschaffung eines neuen Rennrades gleich mit 5.000 bis 6.000 Euro zu Buche. Über weitere Sponsoren würde sich Nora Hansel deshalb freuen.
Die nähren sportlichen Ziele hat die Gesundheitsökonomin, die im Jahr 2012 ihr Masterstudium an der Ruhr-Uni im Bereich Sozialwissenschaft erfolgreich abschloss, klar im Blick. Ganz oben steht dabei die Europameisterschaft im kommenden Sommer in Düsseldorf auf der Liste. „Es wäre megacool, wenn ich sozusagen vor meiner Haustür den Titel zum dritten Mal in Folge verteidigen könnte“, hat sich Hansel den vierten EM-Titel ganz fest vorgenommen.

Ein Text von Martin Jagusch
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