Mit Schmackes und Herz

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Auch die Kleinen sind begeistert dabei.
 
Bei der Einweihung des Ruhrparks im Gründungsjahr 1962
Bochum: Bürgerzentrum Amtshaus Harpen |

Donnerstagabend im Vereinsheim des Fanfarenzugs BSV Harpen, unten in den ›Katakomben‹ des Harpener Amtshauses. Fanfarenklänge lassen die Luft vibrieren, energetisch untermalt von Rhythmus- und Trommelgewirbel. Begeistert wippt die kleine, gerade mal zehn Monate alte Stella mit – gut gewappnet gegen allzu laute Klänge durch Hightech-Ohrenschützer – und schaut die Musiker mit leuchtenden Augen an. Der letzte Ton erschallt, zufrieden nickt man sich zu: Das wird! Wir sind zu Besuch bei der wöchentlichen Probe nur wenige Tage vor den anstehenden Maischützentagen – kurz vorm großen Musikfest am 1. Mai. »Es ist mal wieder an der Zeit, ein Musikfest in Harpen zu starten«, erzählt Fanfarenzugchefin Silke Truppner. »Das geht halt nur, wenn es terminlich klappt wie dieses Jahr mit dem 1. Mai am Montag direkt im Anschluss an unsere Harpener Festtage.« Umso schöner, dass es ›heuer‹ passt, schließlich gibt es einen besonderen Grund, ausgiebig zu feiern: den 55. Geburtstag.

Was, bitteschön, ist Naturtonmusik?

1962 wurde der Fanfarenzug als musikalische Abteilung des Bürger-Schützen-Vereins Bochum-Harpen 1874 e. V. gegründet. Zu der Zeit bildeten hauptsächlich die klassische Landsknechttrommel und die damals angesagten Es–Fanfaren das Klangfundament, prägte eher aus heutiger Sicht althergebrachte Marschmusik das Repertoire der Harpener Musiker. Da hat sich einiges getan, insbesondere in den letzten 20 Jahren. Seit 1997 – noch ein nennenswertes Jubiläum! – leiten Silke und Thomas Truppner als Tamboure ihren ›Trupp‹ und haben nicht nur musikalisch allerhand bewegt. »Es hat sich sehr viel verändert, sogar die Instrumente. Wir spielen moderne Naturtonmusik«, erklärt Silke Truppner. Naturtonmusik? Was, bitteschön, ist das denn? »Ein Orchester spielt in B, der Charakter geht dann eher in Richtung Zillertaler Hochzeitsmarsch, Festzeltmucke und Karneval«, erläutert Thomas Dittrich, seit einigen Jahren der Dritte im Tambourenteam. »Unsere Instrumente hingegen spielen in Es, wie in den allerersten Ursprüngen, als mit den Fanfaren noch Signale gegeben wurden. Das Spannende an unserer Musik ist, dass sie Traditionelles und junge, frische Töne vereint: eben moderne Naturtonmusik.« Wobei sich die Bezeichnung ›traditionell‹ eher auf die Blasinstrumente bezieht: Die Trommler des Harpener ›Geburtstagskinds‹ spielen auf den wohl modernsten Percussion-Instrumenten, die es gibt. Neben den guten alten Landsknechttrommeln kommen auch TimToms und PipeBand-Snares zum Einsatz. »Dieser Mix aus ›Back to the Roots‹ und ›Up to date‹ eröffnet uns viel mehr Möglichkeiten, das ist einfach nur großartig!«, gerät Silke Truppner ins Schwärmen. Thomas Dittrich: »Das stimmt! Viele sagen uns: ›So hab' ich das noch nie gehört!‹«

Es geht um alle: die Sechsjährige und den Mittfünfziger

Auch die Proben gestalten sich anders als in vergangenen Zeiten. Silke Truppner: »Früher lernten wir nur nach Überlieferung, die ›alten Hasen‹ spielten vor, die jüngeren spielten nach. Heute musizieren wir nach Noten. Wir haben Ehrgeiz, aber hallo! Doch wir führen auch keine reinen Anfängerproben mehr durch. Ich weiß noch zu gut, wie ich mich als Kind dabei gefühlt habe. Bei uns lernt man durchs Mitspielen, Zuhören und Mitmachen. Es geht bei jeder Probe um alle: um die Sechsjährige und um den Mittfünfziger.« Ehemann Thomas Truppner ergänzt: »Unsere Kinder proben mit, spielen mit und gehören dazu. Das macht uns aus: Wir diktieren nicht – nun ja, bis auf unsere Silke.« Bei dem dazugehörigen Augenzwinkern müssen alle lachen. »So entstehen übrigens häufig spontan neue Arrangements«, freut sich die Chefin, die den humorvollen Seitenhieb locker wegsteckt, denn das Kommando bei den vielen Auftritten hat sie allein.

»Mama, das war so toll! Da will ich unbedingt mitmachen.«

Diese Freude am gemeinsamen Musizieren ist sicherlich auch ein Grund für die zahlreichen jungen Gesichter der Trommler und Bläser. Sie ziehen voll mit bei dem prallgefüllten Programm. Auftritte? Fast jedes Wochenende. Proben: jeden Donnerstag! Und wenn mal keine Probe ansteht, kein Auftritt angesagt ist? »Dann gehen wir Eis essen, weil wir Sehnsucht nacheinander haben«, strahlt Sabine Markhoff, nebenbei bemerkt eines der ältesten und jüngsten Mitglieder zugleich. »Den ersten persönlichen Kontakt zum Verein hatte ich vor acht Jahren. Damals veranstalteten die Fanfarenzügler im Zuge eines Klassenfests der Maischützenschule einen spontanen Probennachmittag. Sie nahmen einfach ein paar neugierige Kinder mit in ihren Probenraum und legten gemeinsam mit ihnen los. Nur zwei Stunden später brachten uns die Kleinen – mit dabei meine Tochter Johanna – ein Mini-Ständchen. Das war einfach klasse. Und Johanna strahlte mich hinterher nur noch an und meinte: ›Mama, das war so toll! Da will ich unbedingt weiter mitmachen.›« Gesagt, getan, getrötet – längst nicht nur Johanna. Mittlerweile gehört die ganze Familie Markhoff dazu. Auch Mutter Sabine,die zwar das gleiche Geburtsjahr hat wie der Fanfarenzug, aber eben eine ausgeprochen junge Musikerin ist.

Echte Freundschaften

Wie kommt es überhaupt zu den derart häufigen Auftritten, möchten wir wissen. Thomas Dittrich: »Wir haben alle Feste mitgenommen, haben gespielt, wo es nur ging.« Silke Truppner schmunzelt: »Nicht zuletzt, damit diese Vereine auch zu unserer Veranstaltung kommen. Und das Schöne ist: Sie kommen auch, und sie kommen ausgesprochen gern! Mittlerweile haben sich zu vielen echte Freundschaften entwickelt wie mit dem Modernen Fanfarenzug der Ruhrlandbühne Bochum oder den Ruhrpottguggis aus Duisburg. Nur mal so als Beispiel: David Babucke, Korpsleiter des Fanfarenzugs Neheim-Hüsten, reist zu unserem Jubiläumsabend extra an, um uns beim Stimmen der Fanfaren zu helfen. Ein wahrer Freundschaftsdienst. Auch das gemeinsame Musizieren ist für uns eine absolute Herzenssache. Leider sind manche Musikkorps und -züge da eher zurückhaltend. Sie glauben, aufgrund der unterschiedlich angelegten Instrumente wäre das nicht machbar. Das stimmt meist nicht. Mit etwas Flexibiliät und Know-how geht das durchaus!«

Harpen ohne den Fanfarenzug geht gar nicht!«

Wie das geht, wird sich am kommenden Wochenende wieder zeigen. Zahlreiche befreundete Vereine kommen zu den Maitagen ins Festzelt im Harpener Bockholt, ebenso zum gemeinsamen Gottesdienst am Samstagmorgen in der Heilig-Geist-Kirche, wo gegen 10 Uhr mit ordentlich Krawumm das Gotteshaus zum Scheppern gebracht wird. Vor allem aber zum großen Musikfest am 1. Mai. Rund 20 musikalische Gästegruppen haben ihre Teilnahme zugesagt und werden das erwartungsgemäß proppenvolle Zelt mit ihren Klängen begeistern. »Inzwischen sind wir hier in Harpen Kult«, sagt Thomas Dittrich. »Harpen ohne den Fanfarenzug? Das geht gar nicht!«


Harpener Festtage zum 629. Maiabendfest
Mi. 26. April, Amtshaus Harpen
18 Uhr Anstich & Efeukränzen & Musik durch Fanfarenzug und Hot Pott Sound Orchestra

Fr. 29. April, Festzelt Bockholt
15 Uhr Großes Kinderfest mit Indoor-Spielplatz, Kinderschminken und Kuschelfotos mit dem Kuschellöwen Kato Lion
18.30 Ökumenischer Gottesdienst
20.15 Großer Zapfenstreich
anschließend Dorfabend mit Disco Feedback

Sa., 29. April
6 Uhr Wecken des Örtchens durch den Fanfarenzug
ca. 10 Uhr Kleines Kirchenkonzert des Fanfarenzugs in der Heilig-Geist-Kirche
11.45 Uhr Empfang des Festzugs der Bochumer Maiabendgesellschaft am Amtshaus Harpen

So. 30. April
11 Uhr Musikalischer Frühschoppen im Festzelt
14.30 Schützenfest des BSV Blau-Weiß Harpen 1874 e.V. im Festzelt
20 Uhr Jubiläumsabend des Fanfarenzugs im Festzelt

Mo. 1. Mai
11 Uhr 3. Harpener Musikfest des Fanfarenzugs im Festzelt
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