BOTTROPER KULTURFORUM

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Bottroper Kultur-Etat.
 
Städtische Kulturförderung
 
Finanzgeier und Wirtschaft

EINDRÜCKE:

Aus Sicht der Stadt Bottrop war das 1. Kulturforum am 27.11.2015 im Saalbau ein geschickter Schachzug und eine hervorragend gelungene Aktion.
Jedoch für die kunst- und kulturschaffenden Vertreter und Akteuren aus Vereinen, Verbänden und Institutionen, war es eine bittere Niederlage.
Die Bottroper Kulturszene wurde regelrecht vorgeführt, man kann auch sagen, bewusst missbraucht, um die Stadt aus der Schusslinie der Kritik zu retten.
Denn im Glanz der zahlreichen Aktivitäten und kulturellen Leistungsschau, sonnten sich die städtischen Verantwortlichen wohltuend, als ob es ihre persönlichen Verdienste wären.

HILFSLEISTUNGEN:

Doch genau das Gegenteil ist der Fall, denn durch die immer weiter ansteigende Verschuldung und den leeren Kassen, ist eine ausreichende finanzielle Förderung in der Kulturarbeit schon lange nicht mehr möglich.
Dabei stiehlt sich die Stadt aus ihrer kommunalen Verantwortung und überträgt die kulturellen Aufgaben und Kosten auf die Schulter der ehrenamtlichen Vertreter der Vereine, Initiativen und einigen Sponsoren.
Wie ehrlich die städtische Unterstützung der Kulturträger ist, zeigt sich in der Handhabung der Gebührenordnung für die Benutzung der Veranstaltungsräume.
Anstatt den Vereinen und Nutzern die entsprechenden Aufführungsstätten kostenlos zur Verfügung zu stellen, werden horrende Gebühren für Saalbau, (das hat sich inzwischen erledigt) Lichthof des Berufskollegs und jede Aula oder Klassenraum berechnet.
Die Vereine werden regelrecht zu Bettlern degradiert, denn wer dringend Geld benötigt, wird großzügig auf die Sponsoren der Wirtschaft verwiesen, wo vielleicht noch etwas zu holen ist.
Welch ein weiteres Armutszeichen für die Stadt Bottrop, die auf ihrer Visitenkarte nur noch stehen hat „Kein Geld da.“
Das gilt allerdings nicht für die Eigeninteressen der Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung, die sich zu ihren stattlichen Einkommen und Gehälter mit diversen Pöstchen und lukrativen Nebeneinkünften zusätzlich bedienen.

THEORIE und PRAXIS:

Die Eingangsbeiträge von Bürgermeisterin Monika Budke und Kulturkritiker Hans-Jörg Loskill waren gar nicht so schlecht, aber auch keine große Hilfe.
Denn mit einer Politik der leeren Kassen lässt sich kein großer Start machen und dann noch von einer gelungenen Inklusion zu sprechen, ist ja wohl schon etwas mehr als mutig.
Weil jeder der sich mit diesem Thema beschäftigt weiß, das es überall einen riesigen Nachholbedarf gibt und es an ausreichend Lehrer, Pädagogen, kleinen Klassen und natürlich wie immer an Geld fehlt.
Das wirklich Positive waren wohl die Gespräche in der Gruppe „Vernetzung der Kulturarbeit“ wo man sich austauschen und voneinander lernen konnte.
Da kann man nur hoffen, dass ein kulturelles Netzwerk nicht nur die gute Zusammenarbeit stärkt, sondern auch genutzt wird, gemeinsam gegen die Verursacher und Schuldigen aus Politik und Stadtverwaltung vorzugehen, die uns das kulturelle Leben so schwer machen.

URSACHEN:

Über die kulturpolitischen Fragen, warum es ständig für alle wichtigen und vernünftigen Dinge an Geld fehlt und wo die Ursachen dafür liegen, wurde überhaupt nicht diskutiert.
Doch wenn man den großen wirtschaftspolitischen Zusammenhang nicht versteht, wird man auch die daraus entstehenden direkten kommunalen und kulturellen Auswirkungen und Folgen hier bei uns nicht begreifen.
Denn was wir hier erleben sind die logischen Auswirkungen einer weltweiten kriminellen Finanzindustrie und Kapitalwirtschaft, die sich über eine souveränitätsfeindliche EU-Politik, bis zur systemhörigen Bundesregierung, wo Korruption nicht strafbar ist, über eine unfähige Landespolitik bis in die verarmten Kommunen fortsetzt.
Und da die Politik von der Wirtschaft gesteuert wird, wandert der Verschuldungsmechanismus über alle Instanzen, von EU über Bund Land bis zu den Städten hier vor Ort.
Und der Kämmerer und die politisch Verantwortlichen werden gewissermaßen vom System dazu benutzt, die Schmutzarbeit vor Ort gegen die Bevölkerung umzusetzen.

SCHULDENFALLE:

Dabei weiß der Kämmerer nur zu genau, dass es aus dieser verzwickten Schuldenfalle kein Entrinnen gibt, denn es fehlt ja nicht nur in der Kultur an Geld, sondern in sämtlichen sozialpolitischen Bereichen.
Da helfen auch nicht die zögerlichen Proteste und Hilferufe der Städte und des OB nach Berlin.
Ein Kommentator schrieb dazu so schön passend, „dies wird niemanden groß beeindrucken, denn zu dieser Weihnachtswunschliste fehlt schlicht und ergreifend der Umsetzungsmechanismus.“
Und vor allem muss man sich doch einmal die Frage stellen, bei welchem Bösewicht oder Klassenfeind beschwert man sich denn da eigentlich“?
Es ist das eigene System das sie selbst vertreten und es sind die eigenen Parteifreunde und Gesinnungsgenossen die dort im Bundestag die Weichen stellen und die Politik bestimmen.

KRITIK:

Zum derzeitigen Zustand und Umgang mit der Kulturpolitik schrieb der Kulturjournalist Jens Dirksen in der WAZ:
„bei den ganzen Kürzungen im Kulturbereich gerät völlig aus dem Blick, das Kunst und Kultur ein vielseitiges Spielfeld ist, das von der Ausdehnung der Grenzen des Denkens und des Vorstellungsvermögens lebt.
Es beflügelt gleichzeitig die Fantasie, das alles auch ganz anders sein könnte, also eine Gegenwelt zu den angeblichen Alternativlosigkeiten, die sich die Politik unserer Zeit von der Ökonomie diktieren lässt.“
Und genau da sind wir wieder am Knackpunkt meiner Gesellschaftskritik angelangt, die kaum einer hören möchte, da die Wahrheit meist sehr unangenehm ist.

LEBENDIGER AUSTAUSCH:

Jedenfalls war von vornherein schon im Veranstaltungskonzept eindeutig ersichtlich, das kein Raum für Beiträge oder Kritiken gelassen wurde, obwohl in der Einladung von „offener Diskussionsrunde und lebendiger Austausch“ die Rede war.
Versuche in dieser Richtung waren unerwünscht und wurden auch direkt abgeblockt.
Obwohl es gerade interessant gewesen wäre, über Lösungsvorschläge zu diskutieren, wie die Stadt von den Schulden wieder herunterkommt, oder wie ein Ersatz für den Saalbau aussehen könnte, deren kurzfristige Schließung uns auch vorenthalten wurde.
Aber wahrscheinlich wäre auch dies wie das „Hornberger Schießen“ ausgegangen, oder wie SPD-Fraktionschef Göddertz vor kurzen zum eventuellen Ausbau des Quadrates sagte:
„selbst wenn Stiftungen und Fördergelder den kompletten Ausbau bezahlen würden, wüssten wir nicht, woher wir das Geld nehmen sollten, um die anschließenden fälligen Unterhaltungskosten zu finanzieren.“

EIGENTOR:

Ein herrliches Eigentor ließ sich unser Stadtkämmerer Herr Loeven allerdings nicht nehmen, als er sinngemäß behauptete:
„Eine weitere Verschuldung lehne er ab, das wäre mit ihm nicht zu machen, denn unsere Kinder würden damit unzumutbar belastet und müssten die ganzen Schulden zurückzahlen.“
Das hört sich im ersten Moment richtig gut an, doch scheinheiliger geht es wohl kaum, denn
wie will man denn dann die bisherigen ständigen ansteigenden Schulden und Belastungen bezeichnen, die er und seine Vorgänger in unverantwortlicher Weise selbst angehäuft haben und auch weiter fortführen werden?
Im Prinzip lehnt er also seine eigene Politik grundsätzlich ab, was ich auch ganz vernünftig finden würde, denn die Zukunft und Perspektive der Jugend wurde bereits längst verspielt.
Das nennt man dann in diesen Kreisen Zukunftsvorsorge als bewährter Strukturwandel in die Armut, wo den kommenden Generationen nur noch fehlende Kitas, teure Kindergärten, schlechte Schulausbildung, fehlende Ausbildungsplätze, Jugendarbeitslosigkeit,
prekäre Arbeitsverhältnisse mit ständigen Zeitverträgen und ein reibungsloser Übergang in die Altersarmut angeboten wird.
Unserer Generation und den Rentnern hat man hingegen eingeredet, die ganzen Kürzungen und unvermeidlichen Streichungen in allen sozialen Bereichen bei gleichzeitiger Leistungskürzung dienen dazu, den folgenden Generationen keine weiteren Lasten aufzubürden.
Somit wurden alle Generationen, ob Alt oder Jung von diesem Gesellschaftssystem gleichermaßen betrogen und das bei ständig steigenden Schuldenbergen und trotz höherer Steuereinnahmen und enormen Exportüberschüssen.

Genauso schlimm ist eigentlich feststellbar, dass mit diesen ganzen Machenschaften nicht nur die zwischenmenschliche Lebenskultur zerstört wird, sondern die Verursacher bereits so angepasst sind, dass sie in ihrem Verhalten kein Unrecht sehen und sich auch keiner Schuld bewusst sind.
Gesagt wurde, Geld wird nur noch für die Verwaltung des Stadtarchivs bereitgestellt, wahrscheinlich um den Niedergang unserer Stadt zu dokumentieren.
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Sahin Aydin aus Bottrop | 03.12.2015 | 09:57  
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