Mit der Bücherei auf Du und Du

Dietlinde Kamp-Kalus (li.) und Gabriele Kühlkamp (re.) kommen mit ihrem japanischen Erzähltheater „Kreashibai“ bei den Kleinen gut an. Foto: Kappi | Foto: Michael Kaprol
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Die Bibliotheksfiliale im Eigen hat vor einem Jahr die Türen geschlossen, in der Boy könnte dies in Kürze auch passieren. Trotzdem sollen Lesefreunde in den Stadtteilen weiter versorgt werden. Aber wie?

Um die Lücke wenigstens zum Teil zu schließen ist ein Team aus Mitarbeiterinnen der Lebendigen Bibliothek unter dem Motto „Literatur unterwegs“ auf Achse. Vor allem Kinder sollen früh ans Lesen heran geführt werden, aber auch die Angebote der Bücherei in der Innenstadt sollen in den Köpfen der Eigener präsenter werden.
In Kooperation mit Kindergärten, Familienzentren, Schulen und Seniorenheimen finden regelmäßig Aktionen statt. Eine der wichtigen Säulen ist hierbei das Vorlesen - und da kommt Rita Jendroska ins Spiel. Sie gehörte über viele Jahre zu den treuesten Nutzern der Bibliotheksfiliale an der Gladbecker Straße, seit Februar ist sie eine von 14 ehrenamtlichen Vorlesepaten. „Man kennt ja seine Leute und weiß, wen man auf sowas ansprechen kann“, sagt Gabriele Kühlkamp vom Team der Lebendigen Bibliothek. „Mein erstes Buch war Heidi“, erzählt Rita Jendroska. „Dann habe ich alles gelesen, was mir in die Hände kam.“ Nun ist sie einmal im Monat in einem Seniorenheim und zweimal im Monat in Kindergärten, Familienzentren und Schulen mit spannenden Geschichten in der Tasche anzutreffen. „Es gibt mir auch etwas“, sagt Rita Jendroska. „Wenn ich nach Hause komme denke ich: Ach, das war schön.“
Dietlinde Kamp-Kalus und Gabriele Kühlkamp von der Lebendigen Bibliothek haben sich einiges einfallen lasen, um schon den Kleinen den Bücherspaß näher zu bringen. Mit Entdeckungen wie dem japanischen Erzähltheater „Kreashibai“ ziehen sie durch die Eigener Schulen. Dieses Erzähltheater funktioniert simpel, aber effektiv: In einen rechteckigen Holzrahmen werden Bilder geschoben, die die erzählte Geschichte illustrieren. Die Mädchen und Jungen werden dadurch mehr gefesselt als durch reines Vorlesen. Außerdem haben die beiden Bibliotheks-Mitarbeiterinnen ein Handpuppenstück geschrieben, das den Schulkindern den richtigen Umgang in und mit der Bücherei beibringen soll. Ratte Rudi, die in der Bibliothek wohnt und sich dort bestens auskennt, erklärt dem etwas dusseligen Krokodil Kroko darin zum Beispiel, dass man Bücher nicht fressen darf.
Im nächsten Schritt gibt es die Diashow „Willkommem in der Bücherei“ zu sehen, Büchereiführungen schließen sich an und im vierten Schuljahr bekommen die stolzen Schüler den „Büchereiführerschein“ ausgehändigt. „Wir haben damit offene Türen eingerannt“, beschreibt Dietlinde Kamp-Kalus die Resonnanz. Da es nicht möglich ist, dieses zeitintensive Angebot an allen fünf Eigener Grundschulen zu realisieren, werden zwei davon begleitet, die anderen bekommen „Highlights“.
Damit auch die Erwachsenen nicht zu kurz kommen wurde die Reihe „Literatur unterwegs an ungewöhnlichen Orten“ ins Leben gerufen. Die nächste Veranstaltung wird im November im Bistro am Eigener Markt stattfinden. Dort können sich die Besucher bei einer Tasse Kaffee oder einem Glas Wein in die vorweihnachtliche Bücherwelt entführen lassen.
Für das kommende Jahr hat sich das Bibliotheks-Team das Mehrgenerationen-Projekt „Bücher schlagen Brücken“ ausgedacht. Mädchen und Jungen aus Kindergärten, Familienzentren und Schulen besuchen die Bewohner von Altenheimen und Seniorenzentren und lesen Geschichten, tragen Gedichte vor oder singen Lieder.
Im Rahmen der Demenztage 2012 ist eine Kreativwerkstatt in Zusammenarbeit mit Grundschülern geplant. Die Kinder schreiben die Texte zu dem Theaterstück „Frido und das vergessliche Buch“ und basteln Puppen. Das Stück wird dann in einem Seniorenheim aufgeführt.
Noch ist über die Schließung der Bibliotheksfilale in der Boy noch nicht endgültig entschieden, doch für den Fall der Fälle will das Bücherei-Team auch für diesen Stadtteil die im Eigen erprobten Neuerungen umsetzen.

Dietlinde Kamp-Kalus (li.) und Gabriele Kühlkamp (re.) kommen mit ihrem japanischen Erzähltheater „Kreashibai“ bei den Kleinen gut an. Foto: Kappi | Foto: Michael Kaprol
Rita Jendroska ist eine von 14 ehrenamtlichen Vorlesepaten, die mehrmals im Monat in Seniorenheimen, Schulen, Familienzentren oder Kindergärten mit spannenden Geschichten zu Gast sind. Foto: Kappi | Foto: Michael Kaprol
Autor:

Judith Schmitz aus Bottrop

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