Spaziergang durch die Geschichte

Der Alte Friedhof an der Horster Straße gehört für Holger Kröcher zu den interessantesten der Stadt. Foto: Kappi (Foto: Kappi)
Bottrop: Alter Friedhof | „Geschichte war schon immer mein Hobby“, sagt Holger Kröcher. Seit zwölf Jahren lässt er als Gästeführer die Bottroper und ihre Besucher bei Spaziergängen durch die Stadt an seinem Wissen teilhaben. Nach so langer Zeit könnte man meinen, dass der 68-Jährige alles erzählt hat, was es über Bottrop zu erzählen gibt. Könnte man meinen ...

von Judith Schmitz

Doch so ist es nicht, denn am 1. Juni feiert er eine Premiere. Im Auftrag der Gesellschaft für Stadtmarketing, bei der Holger Kröcher als freier Mitarbeiter tätig ist, führt er Interessenten über Bottroper Friedhöfe - und die Gäste werden vermutlich staunen, was es dort alles zu erfahren gibt.
Der Wahl-Bottroper will bei diesen Erkundungsgängen auch zu klären versuchen, warum das Thema Tod so ein Tabu ist. Infos über die verschiedenen Beerdigungskulturen oder den Totenkult unserer Vorfahren gibt es als Einstieg von ihm. „Ich denke, die Endgültigkeit des Todes verliert ein bisschen ihren Schrecken, wenn man davon überzeugt ist, dass danach noch etwas kommt“, vermutet Holger Kröcher.
Viele interessante Geschichten, die die Teilnehmer der Gästeführungen zu hören bekommen, drehen sich natürlich um die bekannten und um die Stadt verdienten Persönlichkeiten, die hier begraben liegen. Aber auch der Blick in die Geschichte fehlt natürlich nicht. Um dies alles erzählen zu können hat der Gästeführer reichlich Zeit über Büchern, im Stadtarchiv und im Gespräch verbracht. „Es war wie ein Domino-Effekt“, erzählt Kröcher. „Jeder wusste etwas, das mich weiter brachte.“
Kleine eingeschweißte Kärtchen helfen ihm bei den Rundgängen, alle Infos buchstäblich in Händen zu haben. Doch meistens braucht der Geschichtsfan diese Unterstützung gar nicht, er erzählt frei und unterhaltsam. In seinem Berufsleben hat der Ingenieur an der Uni Essen ein Labor geleitet. „Da habe ich gelernt, frei vor kritischen Menschen zu reden.“
Holger Kröcher besteht bei seinen Führungen nicht stur auf dem vorher angedachten Ablauf. Fragen und besondere Interessen der Teilnehmer lassen jede Tour ein bisschen anders ablaufen.
Die Stadt will in Zukunft einen Teil der alten Grabsteine als Denkmäler erhalten. „Es ist einfach schade, wenn diese Dinge nach der Einebnung der Gräber in den Bauschutt wandern“, erklärt Helmut Lüchtenfeld, Betriebsleiter der Bottroper Friedfhöfe. „Das sind oft sehr denkwürdige Geschichten.“
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