Alles aus Liebe - Nilsa Reichert-Morlock verschlug es aus Brasiliens Süden nach Kirchhellen

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Nilsa Reichert-Morlock kommt aus Porto Allegre, tief im Süden Brasiliens. Der Liebe wegen lebt sie seit 1990 in Kirchhellen, ihrer zweiten Heimat. (Foto: Gensheimer)

Portugiesisch denken, deutsch schreiben - gar nicht so einfach. „In meinen Briefen waren bestimmt 1.000 Fehler“, sagt Nilsa Reichert-Morlock und lacht. Hans-Werner hat sich trotzdem in sie verliebt, über die halbe Erdkugel hinweg.

Inzwischen sind die beiden schon längst ein Paar, die Brasilianerin aus Porto Allegre lebt seit 1990 mit ihrem Ehemann in Kirchhellen. „Ich kam im Winter hier an, es war dunkel und kalt“, erinnert sie sich. „Am Anfang war es schon schwer.“ Doch nicht nur der deutsche November machte Nilsa Reichert-Morlock zu schaffen. Porto Allegre ist eine Millionenstadt, tief im Süden Brasiliens – Kirchhellen kann man getrost als absolutes Kontrastprogramm bezeichen. „Ich habe mich gefragt: Wo sind denn die ganzen Menschen?“, erinnert sich die Wahl-Kirchhellenerin. „Und ich habe natürlich meine Familie und meine Freunde vermisst.“

Nilsa Reichert-Morlock hat in ihrer Heimat im In- und Exportgeschäft gearbeitet, spricht außer Portugiesisch auch Spanisch und Englisch. Irgendwann kam sie auf die Idee, ihre Fremdsprachenkenntnisse zu erweitern und am Goethe-Institut Deutsch zu lernen. „So haben mein Mann und ich uns kennengelernt“, erzählt sie. „Er suchte über das Goethe-Institut eine Brieffreundschaft.“ Erst gingen Briefe hin und her, später wurde telefoniert, die beiden mochten sich immer mehr. „Wir haben eine sehr schöne Geschichte“, sagt Nilsa Reichert-Morlock. Bevor sie sich zum ersten Mal von Angesicht zu Angesicht gegenüber standen, waren sie schon ineinander verliebt. „Per Brief und Stimme.“

Kirchhellen ist schon längst zur zweiten Heimat für Nilsa Reichert-Morlock geworden. Sie gibt Portugiesisch-Sprachkurse für die VHS. „Da habe ich so viele nette Leute kennengelernt“, freut sie sich. Ihre Liebe zu ihrer Heimat Brasilien vermittelt sie ihren Schülern dabei auf vielfältige Weise, angefangen bei der lockeren Art, wie ihre Landsleute miteinander umgehen. „Wir sagen schnell ,Du‘ und auch die Umarmung zur Begrüßung ist bald ganz selbstverständlich“, erzählt die Dozentin. Außerdem bereitet Nilsa Reichert-Morlock Jugendliche, die per Rotary-Austausch für eine gewisse Zeit nach Brasilien gehen, auf ihre große Reise vor. „Wenn die zurück kommen sind sie alle ganz happy“, freut sie sich über die Begeisterung.

Den Austausch der Kulturen findet Nilsa Reichert-Morlock „sehr wichtig. Ich bin hier sehr gut aufgenommen worden, von den Kollegen bei der VHS, von den Nachbarn. Vielleicht wäre es aber nicht so einfach gewesen, wenn ich dunkelhäutig wäre.“
Am liebsten würde sie sich teilen, gibt Nilsa Reichert-Morlock zu. „Die eine Hälfte des Jahres in Brasilien leben, die andere Hälfte hier. Aber mein Mann nicht. Der ist richtig deutsch.“ Also müssen regelmäßige Besuche in der tropischen Heimat reichen.

„Sehr deutsch“ finden sie wahrscheinlich viele ihrer Landsleute, und damit haben sie sogar Recht. „Unsere Familie lebt zwar schon in der sechsten Generation in Brasilien, aber unsere Vorfahren kommen aus Deutschland“, erzählt Nilsa Reichert-Morlock. „Unsere Eltern haben meine Geschwister und mich auch mit deutschen Tugenden erzogen: Pünktlichkeit, Ordnung, ...“

Typisch deutsch ist auch, was sie zum jährlichen Krippencafé der kfd St. Johannes beisteuert. In der Gemeinde ist sie schon seit über zehn Jahren aktiv, und wenn alle Damen in der Vorweihnachtszeit für den guten Zweck backen, steuert sie natürlich auch etwas bei: „Ich backe jedes Jahr eine Preiselbeer-Sahnetorte.“
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