Bottroper Großfamilie: "Wir sind nicht die Waltons"

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Wäre dieses Bild nicht in der Boy, sondern bei einer bekannten amerikanischen Fernsehserie aufgenommen worden, könnte man den Satz „Gute Nacht, John Boy“ im Anschluss an dieses Foto erwarten. (Foto: Michael Kaprol)
 
Der Kühlschrank bei Familie Dietze ist gut gefüllt. Regelmäßiges Einkaufen ist für Ellena und Ralf Pflicht. Das wird auch der kleine Leon bald zu schätzen wissen. (Foto: Michael Kaprol)

Die viel zitierte Durchschnittsfrau hat heutzutage 1,4 Kinder. Bei Familie Dietze sind es weder 1,4 noch eins, zwei oder drei. Ellena und Ralf Dietze haben insgesamt sieben Söhne und Töchter. Wie bei der berühmten Fernsehfamilie "Die Waltons". Die allerdings war kein Vorbild für das Boyer Ehepaar.

„Nein, eine Fußballelf wollen wir nicht, Leon ist unser letztes Kind“, lachen die Eltern. Maik (15), Jaqueline (13), Angelina (11), Laura (9), Ronja (4) und Kevin (3) genießen es, in einer so großen Familie aufzuwachsen. „Ich habe mir schon als kleines Mädchen vorgenommen, mal viele Kinder zu haben“, sagt Ellena Dietze. „Damals habe ich auch gerne schon Babysitter gespielt. Ein oder zwei Kinder sind doch langweilig.“ Sie selbst hatte nur eine Schwester. Ganz anders ihr Mann: „Ich hatte sechs Geschwister, aber deren Nachwuchs hält sich im üblichen Rahmen, keiner hat mehr als zwei Kinder.“

Aufgeräumt und blitzsauber

Wer bei sieben Brüdern und Schwestern und zwei Erwachsenen an Chaos in dem 150 Quadratmeter großen Haus denkt – hier ist alles nicht nur ordentlich, sondern auch blitzsauber. „Die Kinder räumen ihre Zimmer selbst auf, wir kontrollieren das nur, schließlich sind sie es, die in ihren Räumen ihre Freunde empfangen wollen“, sagt Papa Ralf. Bis auf die beiden Kleinsten haben auch alle ein eigenes Zimmer mit Computer und Fernsehen. Und in der Küche, beim Wäsche waschen – drei bis vier Maschinen pro Tag – oder bügeln wird ganz selbstverständlich geholfen. Mama Ellena muss ihre Kinder nie darum bitten.
„Es ist ein schönes Gefühl, so viele Geschwister zu haben, man hat immer Unterhaltung“, sagt Jaqueline. „Wir spielen zusammen verstecken oder Memory und tanzen gemeinsam. Nur manchmal ist es nervend.“ Nämlich am frühen Morgen, ab 5.30 Uhr, wenn alle – bei nur einem Badezimmer –- unter die Dusche wollen. „Wir haben keinen Zeitplan gemacht“, verrät der Vater. „Wer zuerst da ist, kommt zuerst dran – allerdings darf niemand länger als zehn Minuten im Bad bleiben.“
Für Jaqueline keine einfache Aufgabe: „Ich brauche schon für meine Frisur und das Make up eine gute Stunde“, sagt sie. Aber ein Spiegel hängt zum Glück nicht allein im großen Bad.

Urlaub an der Ostsee

Auch Urlaub sitzt für die neunköpfige Familie dran. „Nicht in jedem Jahr“, schränkt der 47-Jährige ein. „Dann geht es an die Ostsee. Wir übernachten in zwei großen Campingwagen. Die Unterbringung kostet pro Tag nicht mehr als 20 Euro – wir haben Freunde dort.“ Bei den Eltern, Nachbarn und Freunden erfährt die große Familie immer Unterstützung.
Gemeinsames Essen steht nur beim sonntäglichen Frühstück auf dem Programm. „Alle Kinder kommen unterschiedlich nach Hause - das kann unter der Woche nicht klappen - aber jedes Kind darf sich einmal in der Woche das Essen wünschen“, sagt die Mama. Einmal im Monat ist Familiensitzung. Da kann jeder sagen, was ihm nicht passt. Gemeinsam wird nach einer Lösung gesucht. Ein "Gute Nacht, John Boy" in diesem Fall wäre es ein "Gute Nacht, Maik" ist hier am Abend, wenn spätestens um 23 Uhr alle in der Heija sind, nicht zu hören. „Uns geht es richtig gut, wir sind glücklich“, fasst Jaqueline ihr Familienleben zusammen.
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