Eine Kanadierin erlebte in Bottrop ihr Abenteuer "Germany"

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Kopfzerbrechen bereiteten die Bottroper Schüler Rachel Braun sicherlich nicht. (Foto: Michael Kaprol)
 
Da muss Rachel Braun nicht lange überlegen: "Die vergangenen Monate waren für mich ein Abenteuer, das ich noch hunderte Male wiederholen würde." (Foto: Michael Kaprol)

Denkt Rachel Braun an den Bottroper Stadtpark, gerät sie zumeist direkt ins Schwärmen. „Ohh, schön ist es dort, es gibt so viele Bäume. Ich liebe die deutsche Natur“, erzählt sie. Lächelnd, fast schon ein wenig verlegen, aber glücklich.

Der Stadtpark, Bottrop, die hiesige Landschaft – allesamt kleine Bestandteile eines großen Abenteuers, das die 24-Jährige in den vergangenen neun Monaten erlebte. Oder besser gesagt erleben durfte und wollte. Rachel Braun stammt aus Kanada. Geboren und aufgewachsen ist sie in Calgary, der drittgrößten Stadt des Landes.

Im Alter von 16 zog es sie bereits einmal nach Deutschland, als sie während eines Austauschprogramms einige Zeit in München verbrachte. Etwa vier Jahre später besuchte die junge Frau im gleichen Rahmen das hessische Kassel. Erlebnisse, Zeiten, die Rachel Braun vermutlich in guter Erinnerung geblieben waren. Denn nach dem Studium der Fächer Deutsch und Europäische Geschichte in der Heimat entschloss sie sich, das Abenteuer „Germany“ erneut einzugehen – dieses Mal allerdings beruflich als Fremdsprachenassistentin für den Englischunterricht an einer deutschen Schule. „Ich war zuvor ein Mal in Nordrhein-Westfalen und fand es dort so schön, dass es meine erste Wahl war“, erinnert sich die Kanadierin an die Bewerbungsphase zurück.

Gelandet ist sie schließlich mitten im Ruhrgebiet. In Bottrop. An der August-Everding-Realschule in Fuhlenbrock. Ein bisschen nervös sei sie an jenem 3. September 2012 schon gewesen, als sie erstmals auf den Schulleiter, die Lehrer und Schüler traf, gesteht Rachel Braun. Doch diese hießen den Neuling mit einer Schultüte samt Süßigkeiten unmittelbar willkommen. Schultüte?! „Die gibt es bei mir zu Hause nicht. Ich habe sie aber vorher auf Fotos gesehen und wollte dann unbedingt eine haben“, lacht die 24-Jährige.

Bleibende Eindrücke und
ein bisschen Heimweh

Und genauso neugierig wie Rachel Braun auf ihre Schultüte war, waren auch die Schüler auf die neue Lehrkraft. „Da wurden schon viele Fragen gestellt“, berichtet Andreas Schöps, Betreuungslehrkraft der Fremdsprachenassistentin an der Fuhlenbrocker Schule. Doch die Kanadierin stand tatkräftig Rede und Antwort. Aber nicht nur das. Zwölf Unterrichtseinheiten im Fach Englisch umfasste ihr Stundenplan. Alle zwei bis drei Monate wechselte sie die Klassen, so dass sie es mit jedem der einzelnen Jahrgänge zu tun bekam. Konversation in Kleingruppen und Referate proben. Vorbereitung auf mündliche Prüfungen, eigenverantwortlicher Förderunterricht, und das alles mit dem nötigen Ernst, aber auch mit jeder Menge Spaß, wie während eines eintägigen Ausflugs mit den Siebtklässern nach London. „Wir waren dort in einem Fastfood-Restaurant und die Schüler sollten ihre Bestellung auf englisch abgeben. Das Ganze hat 20 Minuten gedauert“, erzählt sie augenzwinkernd. Hürden in fremden Ländern überwinden – für Rachel Braun kein unbekannter Zustand. „Die erste Woche hier war etwas stressig“, erinnert sie sich.

Aufenthaltserlaubnis, Mietvertrag, Kontoeröffnung. Angelegenheiten, bei denen Betreuungslehrer Andreas Schöps helfend zur Seite stand, so dass die Fremdsprachenassistentin schnell in einem kleinen möbilierten Apartment im Schwesternwohnheim des Marienhospitals unterkam. Ob sie dort auch mal das Heimweh ereilte? „Ja, natürlich. Dann muss man schnell rausgehen und was unternehmen.“ In die City, ins Cafe, in die Buchhandlung oder NRW erkunden – Eindrücke, bei denen Rachel Braun in ihrer kanadischen Heimat, in die es bereits am vergangenen Freitag zurück ging, wohl noch lange ins Schwärmen geraten wird.

Und geht es nach der 24-Jährigen soll ihr Weg irgendwann mal zurück nach Bottrop führen. „Vielleicht in ein, zwei Jahren, wenn ich Geld habe“, lächelt sie. Ein wenig verlegen, aber dennoch glücklich.
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