„Genau so wie alle Anderen“ - Neue integrative Wohngruppe beherbergt vier junge Flüchtlinge

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Schauten sich bei einer Führung durch‘s Haus nicht nur die Räumlichkeiten an, sondern wurden auch mit reichlich Fingerfood versorgt: Heimleiter Thomas Evers und Bürgermeister Klaus Strehl (1. und 2. v. l.). (Foto: Kappi)

Sie alle haben einen langen Weg hinter sich, für ihr Alter haben sie schon enorm viel erlebt. In Bottrop sind sie nun unter einem Dach vereint und finden endlich den Schutz, den sie brauchen.

Vier junge Flüchtlinge im Alter von 13 bis 17 Jahren, einer aus Albanien und drei aus Syrien, sind zusammen mit fünf Kindern deutscher Herkunft im „Haus Horizont“ des Kinderdorfes in Fuhlenbrock, einer stationären Jugendhilfe-Einrichtung, aufgenommen worden. Alle jugendlichen Flüchtlinge sind allein und ohne Begleitung hier, dafür aber leben sich nun in Sicherheit, mit Perspektive auf ein besseres Leben.
Die neue „koedukative-integrative“ Wohngruppe im Caritas-Kinderdorf ist nun im Beisein von Bürgermeister Klaus Strehl eingeweiht worden. „Hinter dieser doch sehr sperrigen Bezeichnung verbirgt sich eine von Geschlecht und Alter unabhängige Gruppe, die jedem die Möglichkeit bietet, vom anderen zu lernen“, wie Heimleiter Thomas Evers erklärt.
Initialzündung für eine solche Gruppenform war bereits im vergangenen Dezember, als aus der Not heraus zwei afghanische Flüchtlinge aufgenommen wurden.
Weil der Sprache gerade zu Beginn der Aufnahme eine zentrale Rolle zukommt, wurden die pädagogischen Mitarbeiter von Dolmetschern unterstützt. Nun verständigt man sich soweit es geht auf englisch, oder aber mit Händen und Füßen.
„Die Verständigung ist kein Problem mehr. Auch sind die kulturellen Unterschiede im Alltag unbedeutend,“ erzählt Devrim Huys, pädagogischer Mitarbeiter. „Alle, die hier zu uns gekommen sind, sind aufgeschlossen und wollen lernen.“

Kulturelle Unterschiede im Alltag unbedeutend

Jugendliche wie der 16-jährige Yamen aus Damaskus, der nach einer langen Reise vor drei Wochen in Bottrop ankam, sind in ihrer alten Heimat zur Schule gegangen, sprechen englisch und können zwischen den anderen Kindern und den Betreuern vermitteln.
In Deutschland angekommen, darf er weiter zur Schule gehen und kann sogar sein Hobby ausüben – zweimal die Woche trainiert er mit den Basketballern des DJK Adler 07. „Mit ihrer sehr löblichen Arbeit stehen die Betreuer vor einer echten Herausforderung,“ so Klaus Strehl.
„Ihre Aufgabe wird sein, die Jugendlichen nicht nur beim Erlernen der deutschen Sprache zu unterstützen, sondern sie auch für den Alltag in der Bundesrepublik vorzubereiten.“
Um einen möglichst „normalen“ Alltag herzustellen, kooperiert das Haus Horizont eng mit Jugendämtern, dem Caritas-Fachdienst für Integration und Migration, dem Verein Helvati, Initiativen und Ehrenamtlichen. Ist dies geschafft, unterscheidet sich der Alltag kaum von anderen.

„Die Jungs sind genau wie alle anderen Jugendlichen in ihrem Alter. Mit zwölf sind Mädchen noch uninteressant, mit 16 sieht dass dann irgendwann anders aus“, so Devrim Huys. „Überhaupt haben wir zusammen viel Spaß und müssen nur wenig mit ihnen schimpfen. Dass ist nur dann der Fall, wenn sie morgens nicht aus dem Bett kommen, was daran liegt, dass sie in der Nacht zu lange mit ihrer Familie daheim in Syrien telefoniert oder online geschrieben haben.“
Denn sobald es am Abend ruhig wird, setzt sich schließlich das Heimweh durch.
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1 Kommentar
Christian Gensheimer aus Essen-Nord | 01.11.2015 | 20:57  
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