Gesten der Versöhnung - Bottrop empfängt zum Gedenktag jüdische Besucher

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Vor 70 Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit. Anlässlich des Gedenktages wurde in der Tourneaustraße gegenüber dem ehemaligen jüdischen Betsaal eine Gedenktafel zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus eingeweiht.

Rund 200 Besucher kamen zur Einweihung der Stele. Dazu gehörten Vertreter verschiedenen Religionen und Jugendliche. Oberbürgermeister Bernd Tischler weihte die Stele gemeinsam mit Judith Neuwald-Tasbach, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen-Bottrop-Gladbeck, und Rabbiner Chaim Kornblum ein.

Der ergreifendste Moment der Gedenkveranstaltung war das „El Male Rachamim-Gebet“. Nachdem Rabbiner Kornblum das Gedächtnisgebet für die als Märtyrer ermordeten Juden Europas gesprochen hatte, verharrte die Besuchermenge in einer langen Pause.

Zuvor betont Oberbürgermeister Bernd Tischler in einer Ansprache die Notwendigkeit, die Gräueltaten der Nazis nicht zu vergessen. „Nur wenn wir bereit sind, uns unserer Geschichte zu stellen, werden wir auch bereit sein, alles dafür zu tun, dass sich das Leid und Unrecht der Zeiten des Nationalsozialismus nicht mehr wiederholen“, sagt er. Tischler erinnert daran, dass die Gedenktafel vor 15 Jahren auf Initiative von Schülern der Marie-Curie-Realschule an dem Gebäude angebracht wurde, in dem die Nationalsozialisten den Betsaal in der Pogromnacht verwüstet hatten. Das Gebäude wurde abgerissen und Gedenktafel geborgen. Jetzt wird das Zeichen gegen das Vergessen erneuert.

„Wir brauchen solche Stolpersteine und Gedenktage, die uns aus dem Tritt des Wegsehens und Ignorierens bringen. Denn auch heute rotten sich in Deutschland Rechtsradikale zusammen und johlen ihre Hassparolen gegen Menschen, die hier eine neue Heimat suchen“, so Tischler.

„Es bleibt nur, sich zu erinnern und nicht zu vergessen. In der Erinnerung liegt das Geheimnis der Erlösung“, sagte die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen-Bottrop-Gladbeck Judith Neuwald-Tasbach.

Bereits vor der Einweihungsveranstaltung hat Oberbürgermeister Bernd Tischler Rosa Pollak im Rathaus empfangen, die während der Zeit des Nationalsozialismus als Zwangsarbeiterin in Bottrop eingesetzt war. Anlässlich des Gedenktages reiste sie mit ihrem Sohn François aus Antwerpen nach Bottrop, um auf dem Jüdischen Friedhof das Grab ihrer Freundin Blanka Pollak, mit der sie trotz der Namensgleicht nicht verwandt ist, zu besuchen. Sie kam als Zwangsarbeiterin 1944 ums Leben.

Den Besuch Rosa Pollaks empfindet Oberbürgermeister Bernd Tischler als Ehre für die Stadt. „Ich sehe ihn als eine Geste der Versöhnung und des Vertrauens darauf, dass Deutschland heute ein anderes, ein besseres Land ist als damals. Ein Land, indem das Miteinander verschiedenster Kulturen und Religionen möglich ist. Der Bergbau brachte unzählige Menschen verschiedenster Nationen nach Bottrop, die heute Tür an Tür leben. Einbürgerungen zeigen, dass sich Menschen unterschiedlichster Nationen weiterhin in Bottrop heimisch werden.“

Zur Rettung Rosa Pollaks und weiterer Zwangsarbeiterinnen hat der Gelsenkirchener Arzt Rudolf Bertram beigetragen. Als „Gerechter unter den Völkern“ wurde er 1980 von der Gedenkstätte Yad Vashem geehrt. Rosa Pollak hat ihn noch gut in Erinnerung: „Er war einmalig. Ich werde ihn nie vergessen.“
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