Pfarrer Riesenberg: Frischer Wind aus dem Norden

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Pfarrer Ulrich Schulte (r.) begrüßte den jungen Kollegen Steffen Riesenberg in der Martinskirche. Foto: Eickholt

Ein junges Gesicht über dem Talar: Mit Steffen Riesenberg bezieht eine neue Generation das Evangelische Pfarrhaus an der Sterkrader Straße. Der neue Hirte ist 31 Jahre jung, politisch, pragmatisch, und bringt Auslandserfahrung mit. Am Samstag, 15. November, wird er offiziell in sein Amt eingeführt.

Man ist versucht, Steffen Riesenberg mit einem Ikea-Regal zu vergleichen: Er kommt aus Schweden, ist jugendlich, aber aufrecht, bringt Stabilität in seinen Raum und hilft dabei, die Dinge neu zu ordnen. Natürlich hat der neue Pfarrer, der dem Priesterpaar Birgit und Ingo Neumann im Gemeindebereich Altstadt nachfolgt, aber noch weitaus mehr zu bieten.

Für seine 31 Jahre hat der studierte Theologe schon einige Ortswechsel hinter sich gebracht: Geboren und aufgewachsen im Kreis Lippe, zog es Steffen Riesenberg zum Studium nach Bonn, Göttingen und schließlich nach Lund in Schweden. "Das Land kannte ich schon ein wenig von den Konfirmandenfreizeiten mit meiner Heimatgemeinde", erinnert sich Riesenberg. So war es für ihn kein völliger Kulturschock, sein Studium in Stockholm zu vollenden.

Tatsächlich ließ ihn das Land nicht so schnell los: Über Kontakte aus seiner alten Gemeindezeit wurde Riesenberg eine Pfarrstelle in einem Vorort von Stockholm angeboten, wo er drei Jahre lang predigen konnte - in Schwedisch, wohlgemerkt. "Viele sind überrascht, dass es nicht die deutsche Gemeinde in Stockholm war, sondern eine schwedische", erzählt Riesenberg schmunzelnd. In der Heimat seien die Stellen in dieser Zeit recht rar gewesen, und so sei es ein schöner Zufall gewesen, dass er nun wieder in Deutschland arbeiten kann.

Von Stockholm nach Bottrop


Bottrop ist für den Ostwestfalen indirekt eine alte Bekannte: Riesenbergs langjährige Lebensgefährtin kennt sich nach einigen Berufsjahren in der Emscherstadt bereits aus, während der neue Pfarrer sich noch etwas orientieren muss. Keine Probleme bereiten ihm allerdings die geringfügigen Unterschiede zwischen den evangelischen Kirchen in Schweden und Deutschland: "Das, worauf es ankommt, die Begegnungen mit den Menschen, die sind hier nicht anders als in Schweden", betont der Geistliche. Auch die Ökumene funktioniere hier gut, was Riesenberg mit einer biblischen Anspielung erläutert: "Schließlich sind wir ja alle Arbeiter im selben Weinberg."

Als ersten Schritt möchte sich Steffen Riesenberg nun erst einmal einen genauen Überblick über das kirchliche Leben in seiner Gemeinde verschaffen. Bevor er selber eigene Impulse geben könne, wolle er vor allem als Unterstützer verstanden werden: "Wir haben schon jetzt viele unterschiedliche Angebote, die ich zunächst vor allem mitdenken und begleiten will", so Riesenberg. Der jüngste Pfarrer Bottrops sieht sein Amt vor allem als "Kommunikationsaufgabe".

Das heißt aber nicht, dass er keine klaren Meinungen hätte. "Ich denke, dass man heutzutage auch in der Kirche ein politischer Mensch sein muss", betont Riesenberg, "man muss sich für die Mechanismen interessieren." So glaubt er nicht, dass sich die vielen hundert Menschen, die jedes Jahr aus der Kirche austreten, spontan dafür entscheiden würden. "Die meisten haben wir schon davor lange nicht gesehen. Zu einem Gesprächsangebot gehören immer zwei", so der Pfarrer, der damit die Arbeit der evangelischen Kirche in Schutz nimmt.

Riesenberg zeigte sich als ein selbstbewusster Pfarrer, der zu vielen aktuellen Themen eine durchdachte Meinung hat. In der Kirche sei er aber nicht wegen der Politik, sondern wegen der zwischenmenschlichen Erfahrungen. Diese wird der begeisterte Hobbykoch und leidenschaftliche Gärtner in den kommenden Jahren als Pfarrer in Bottrop sicherlich in zahlreicher Form machen können.
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Christian Tiemeßen aus Emmerich am Rhein | 17.12.2014 | 23:02  
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