Grünes Bottrop - Viel mehr als Blumen und Bäume

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An der Mirkstraße bauen Mitarbeiter des Fachbereichs Umwelt und Grün ein neues Spielgerät auf. Sie sind auch für die Pflege der Anlagen und die Überprüfung der Sicherheit der Spielgeräte zuständig. (Foto: Michael Kaprol)
 
Ralf Scheschi und Bertram Gartberg säubern die Beete im Stadtgarten, damit die Pflanzen gut wachsen können und schön zur Geltung kommen. (Foto: Michael Kaprol)

Lange hat sich der Frühling in diesem Jahr Zeit gelassen - doch nun ist er da. Und mit den explodierenden Knospen und rasant wachsenden Blättern heißt es jetzt für die Mitarbeiter des Grünflächenamtes: Schritt halten!

Beete und Baumscheiben müssen gesäubert und für die warme Jahreszeit vorbereitet werden, unglaubliche 12.500 Sommerblumen werden gepflanzt, die ersten Rasenschnitte sind fällig und an einigen Stellen werden Wildblumenwiesen ausgesät. Was hübsch aussieht und Naturschützern wie Insekten gefällt, hat auch ganz praktische Vorteile für die rund 190 Mitarbeiter, die im „Fachbereich Umwelt und Grün“ wie er korrekt heißt, tätig sind. „Das ist preiswerter und auch leichter zu pflegen als die klassischen Blumenbeete“, erklärt Ulrich Kollath - die Sparzwänge der Stadt sind an seinem Amt nicht spurlos vorbei gegangen, auch und vor allem bei der Anzahl der Mitarbeiter gab es Einschnitte.

Doch mit der Pflege von Beeten und Blumen allein ist es nicht getan. Parkanlagen, Spielplätze - allein davon gibt es über 200 in der Stadt -, die Außenflächen der Schulen, einige Sportplätze, Straßenbäume und das berühmte „Straßenbegleitgrün“ wollen im Auge behalten werden. Dazu kommen noch die Waldparzellen im Stadtgebiet - 360 Hektar. „Ich sage lieber 36 Millionen Quadratmeter“, so Ulrich Kollath, „das ist eine Zahl, unter der sich die meisten Menschen mehr vorstellen können.“

Auf einem großen Plan, in dem alles eingezeichnet ist, was in den Aufgabenbereich des Grünflächenamtes fällt, lässt sich erkennen, dass es kaum ein Fleckchen in der Stadt gibt, das nicht dazu gehört. Unzählige kleine Pünktchen markieren jeden einzelnen Baum. „Wir haben hier 282 Hektar reine Grünfläche zu pflegen - 28 Millionen Quadratmeter.“

Stichwort Bäume. Etwa 15.000 stehen an den Straßen, nochmal knapp 5.000 auf den Friedhöfen. Sie alle werden jährlich per Sichtkontrolle unter die Lupe genommen, bei Verdacht auf Erkrankungen oder Schäden mit speziellen technischen Geräten untersucht. „Das ist sehr aufwändig, allein mit dieser Aufgabe sind drei Mitarbeiter beschäftigt“, erklärt Kollath. Er und seine Kollegen haben das ehrgeizige Ziel, die Zahl der Straßenbäume auf 15.500 zu erhöhen. Doch nicht nur manche Anwohner, die über Bäume vor der Tür nicht immer begeistert sind, wollen überzeugt werden. Auch die großen Versorger wie RWW, RWE oder Telekom müssen mit ins Boot, da unterirdisch verlegte Leitungen das Pflanzen von Bäumen schwierig bis unmöglich machen. „Da müssen manchmal dicke Bretter gebohrt werden“, weiß Klaus Arentz von der Grünflächen- und Friedhofsunterhaltung. „Aber es gibt oft praktikable Lösungen - wenn man will.“

„Pflege kostet, aber nicht zu pflegen kostet im Endeffekt noch mehr“, weiß Abteilungsleiter Wolfgang Bäck. Der Diplom-Geograph beschäftigt sich im Bereich Umweltplanung mit vielen Themen, die das Bild Bottrops und die Lebensqualität in der Stadt in der Zukunft mit prägen werden. „Wir entwickeln unter anderem Strategien, den Grünflächenanteil zu erhöhen“, erläutert er. Je mehr Grün, desto zufriedener seinen die Bürger, hätten Studien ergeben. Und nicht nur diese Zufriedenheit ist ein wichtiger Grund, das grüne Bottrop noch grüner zu machen. Auch Umweltfaktoren werden positiv beeinflusst. Bäume filtern zum Beispiel die Luft, regulieren den Wasserhaushalt. „Wir arbeiten gerade an einem Umwelt-Leitplan zur Grünflächenentwicklung, das ist einmalig in NRW“, erklärt Wolfgang Bäck.

Auch der Klimawandel fordert von ihm und allen Mitarbeitern ein neues Denken. Dass es den Klimawandel und eine damit einhergehende Erwärmung gebe, sei nicht zu leugnen. In den Städten gibt es sogenannte „Wärmeinseln“. „Wir müssen uns also fragen, was wir tun können, um den Status Quo zu halten und welche Maßnahmen es gibt, entgegen zu steuern“, führt der Abteilungsleiter aus. Eine dieser Maßnahmen ist zum Beispiel ein Pflaster, das Feuchtigkeit speichert und wieder abgibt, wie es bei der Trapez-Umgestaltung eingesetzt werden soll.

Um noch weniger „aus dem Bauch heraus“ zu argumentieren, läuft aktuell ein Projekt mit der Universität Bielefeld. „Mit einem Indikatorensystem kann dann belegt werden, wie wichtig Grün in der Stadt ist“, freut sich Bäck.
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