95. Jahrestag des Ruhrkampfes: Gedenkveranstaltung und Ratsanfrage

Anzeige

LINKEN-Kreissprecher Günter Blocks erinnerte bei der Gedenkveranstaltung für die Gefallenen der Roten Ruhrarmee am Samstag auf dem Westfriedhof daran, dass der Kapp-Lüttwitz-Putsch gegen die noch junge Weimarer Republik, an dem sich auch die etwas später in Bottrop eingesetzte „Brigade Loewenfeld“ aktiv beteiligt hatte, auf die Errichtung einer rechtsradikalen Militärdiktatur abzielte, wie sie später in Franco-Spanien verwirklicht wurde: „Erst der Generalstreik und der bewaffnete Aufstand der Arbeiterschaft im Ruhrgebiet sowie in Sachsen und Thüringen konnten die Putschisten stoppen.“
DKP-Kreisvorsitzender Jörg Wingold zog Parallelen zur Gegenwart: Militarismus spiele auch in Deutschland wieder eine wachsende Rolle, seitdem SPD-Verteidigungsminister Struck zu Beginn des Afghanistan-Krieges erklärt habe, „Deutschlands Freiheit wird am Hindukusch verteidigt.“

Blocks verwies darauf, dass die große Mehrzahl der getöteten Bottroper erst in den Wochen nach der Eroberung Bottrops durch die Freikorps-„Brigade Loewenfeld“ ums Leben kam: standrechtlich hingerichtet, erschlagen, „auf der Flucht erschossen“, auf Gefangenentransporten spurlos verschwunden; und etliche Arbeiterinnen seien von der Soldateska vergewaltigt worden.

Ratsanfrage anlässlich des Gedenktages

DIE LINKE im Rat der Stadt ergreift anlässlich des 95. Jahrestages eine neue Initiative zur Wiederherstellung des Gedenksteins für die Opfer der blutigen Niederschlagung des Arbeiteraufstandes nach dem Kapp-Lüttwitz-Putsch im April 1920. „Wir sind der Auffassung, dass der aktuelle Zustand des Gedenksteins auf dem Westfriedhof völlig unzureichend ist“, erläutert LINKE-Ratsherr Niels Holger Schmidt. In einer Anfrage an den Oberbürgermeister wollen die Sozialisten wissen, ob es Pläne zur Wiederherstellung des Gedenksteins bis zum 100. Jahrestag der Niederschlagung des Aufstandes gibt. Ferner fragt Schmidt nach möglichen Kosten. Allerdings sei ein respektvoller Umgang mit diesen frühen Opfern rechtsradikaler Gewalt nicht nur eine Frage des Geldes. „Es ist überfällig, dass sich auch die Stadt Bottrop vor diesen Toten verneigt. Der Oberbürgermeister oder seine Stellvertreter sollten sich verpflichtet fühlen, diese Toten regelmäßig zu ehren“, verlangt der LINKE-Ratsherr.

Opfer der Mordtruppe Loewenfeld, die schon damals das Hakenkreuz am Stahlhelm trug, liegen auf dem Westfriedhof. Der in den 1920-er Jahren errichtete Gedenkstein wurde von den Nazis geschändet und erst 1988 notdürftig und unvollständig restauriert. So fehlen unter anderem die Originalinschrift und der gesamte, für das Erscheinungsbild prägende Schmuck auf der Oberseite des Steins, so etwa eine Jakobinermütze.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.