Alpincenter Bottrop: Baugenehmigung Anfüllung Nordhang erteilt

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Jost Ulrich Kügler, Vincent van der Valk, Harold von Kranen und Ulrike Kalthoff vom Granulathersteller MAV in Lünen demonstrieren die Bodenvermischung. (Foto: Michael Kaprol)
Bottrop: Welheim |

"Wir möchten endlich wieder übers Skifahren reden, nicht über die Statikprobleme der Halle", sagt Vincent van der Valk, Geschäftsführer Alpincenter. Mitte Juli soll die Anfüllung des Nordhangs der Halde Prosper beginnen. Etwa sechs Millionen Euro wird es kosten, die mit ihren 640 Metern längste überdachte Skihalle der Welt auf sichere Füße zu stellen. Vier Jahre soll es maximal dauern.

Statikprobleme seit 2011


"Wenn wir nichts tun, ist die Statik gefährdet", gibt Harold van Kranen, Geschäftsleiter Alpincenter, zu bedenken. "Der Boden hat einen unglaublichen Druck, ein tragfähiger Untergrund ist nicht vorhanden." Seit 2011 wurden Statik-Probleme festgestellt. Das Alpincenter steht auf keinem Berg, sondern auf einer Abraumhalde des Bergwerks Prosper Haniel. Es wird von insgesamt 180 Pfeilern gestützt. Bei Routinemessungen wurden Verschiebungen festgestellt. Mit einem 2,5 Tonnen schweren Betonfundament wurden die betroffenen Pfeiler 2011 verstärkt. Einige Verschiebungen konnten verringert oder gestoppt werden. Aber nicht alle - eine neue Lösung musste gefunden werden.

Werte variieren von Messung zu Messung


"Einmal im Jahr wird alles vermessen - wenn wir nichts tun, ist in vier Jahren hier alles vorbei", ist Dr. Peter Linzner, Leiter des Bauaufsichtsamtes, überzeugt. Die Werte variieren von Messung zu Messung, "manchmal gehen die Werte auch zurück - 22 Zentimeter ist aktuell der kritischste Wert." Für die Anschüttung wurde ein Material gesucht, das dauerhaft aus umwelttechnischer Sicht immer die gleichen Eigenschaften hat. Es muss ein hohes Gewicht aushalten, gut verdichtungsfähig sein, wasserundurchlässig und keinerlei Feinkorn haben, damit keine Staubemmissionen entstehen. "Aus billigem Bauschutt lässt sich dieser Stoff aber nicht zusammenstellen", sagt Diplom-Ingenieur Jost Ulrich Kügler. Aus recyceltem Kupferkonzentrat und aufbereiteter Asche einer Müllverbrennungsanlage soll ein tragfähiger Untergrund für die Halde entstehen. "Beide Baustoffe sind gut überwacht. Externe Büros untersuchen das seit vielen Jahren das Material regelmäßig", so Dr. Ulrike Kalthoff vom Granulathersteller MAV in Lünen. "Müllverbrennungsasche ist bekannt - aber die Stoffe haben inzwischen einen großen Fortschritt erlebt", sagt Dr. Peter Linzner. "Dieses Gemisch ist eine einmalige Kreierung - und in keinster Weise mit Abfall zu vergleichen. Laut Umweltamt sollten solche Ersatzbaustoffe viel häufiger verwendet werden, denn sie entlasten die Umwelt, weil natürliche Ressourcen gespart werden."

Hintergrund

Kurz vor der Pressekonferenz erreichte die Stadtspiegel-Redaktion ein Schreiben der Bürgerinitiative Boy/Johannestal. In dem Schreiben heißt es: "Wir wehren uns gegen die geplante Anschüttung einer Deponie aus Abfallstoffen, Hausmüllverbrennungsasche (Müllverbrennung) und Eisensilikatgranulat (Kupfererzeugung), in der Folge Abfallstoffe genannt, in einer Größenordnung von 900.000 t Material an der Nordseite der Halde Prosperstraße, auf der sich das Alpincenter mit einer Skihalle befindet." Die Bürgerinitiative bittet "den Landtag NRW um eine zeitnahe Überprüfung des Verfahrens." Eine Begründung der Initiative: "Zum einen kann uns niemand die Angst vor gesundheitsschädlichen Substanzen in der Anschüttung nehmen, immerhin muss der ganze Abfall so dicht verpackt werden, dass ja nichts in das Grundwasser gelangt, des weiteren befürchten wir ernsthaft eine erhebliche Wertminderung unserer Grundstücke und Häuser, denn es gibt sicherlich kaum Menschen, die unmittelbar neben einer Abfalldeponie wohnen wollen."
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