Emscherklärwerk: Windrad geht in Betrieb

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Die Inbetriebnahme des Windrades an der Emscher erfolgte durch einen offiziellen Knopfdruck. Auf dem Bild sind zu sehen (v.li.): Burkhard Drescher (Innovation City), Klaus Strehl (Bürgermeister der Stadt Bottrop), Dr. Uli Paetzel (Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft), Ullrich Sierau (Ratsvorsitzender der Emschergenossenschaft und OB von Dortmund), Dagmar Dörtelmann Geschäftsführerin der BETREM). Foto: Rupert Oberhäuser/Emschergenossenschaft
 
Die vor kurzem errichtete Windkraftanlage (hier ein Bild vom Aufbau) ist nach der Testphase nun in Betrieb genommen worden. Foto: Archiv / Baumers
Bottrop: Kläranlage Bottrop |

Die neue Windenergieanlage an der Emscher, die zukünftig das benachbarte Klärwerk der Emschergenossenschaft mit Strom versorgen wird, ist offiziell in Betrieb genommen worden. Die Anlage leistet einen wichtigen Beitrag zu einer umweltgerechten und nachhaltigen Energieversorgung. Gleichzeitig ist sie mit ihrem Emscher-blauen Sockel eine neue, weithin sichtbare Landmarke im Emschertal.

„Die heutige Inbetriebnahme unserer ersten Windenergieanlage ist ein ganz wichtiger Meilenstein auf unserem Weg zur energieautarken Kläranlage hier an unserem Standort in Bottrop. Nicht zuletzt ist dieses Windrad auch ein Vorzeigeprojekt unter dem Dach der Klimaschutz-Modellstadt InnovationCity Bottrop, da es einen signifikanten Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen liefert“, sagt Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft, die das Windrad von der Betrem übernimmt und künftig betreibt.

Der Standort der Windenergieanlage befindet sich südlich der Emscher in einem sanierten Teilbereich eines ehemaligen Klärschlammbeckens. Die Anlage hat eine Turmhöhe von rund 100 Meter und einen Rotordurchmesser von rund 120 Meter. Der Generator hat eine Leistung von zirka 3000 kW. Der durch die Anlage erzeugte Strom wird vollständig über eine rund 450 Meter lange Kabeltrasse in das interne Netz der benachbarten Kläranlage der Emschergenossenschaft in der Welheimer Mark geleitet. Das Ziel ist, die Kläranlage in einigen Jahren weitestgehend energieautark zu gestalten. Aktuell erzeugt die Emschergenossenschaft infolge der Klärschlammverwertung im Rahmen der Abwasserreinigung mehr als 60 Prozent der benötigten Energie selbst.

Die Windenergieanlage ist für schwachwindige Standorte im Binnenland konzipiert und daher äußerst effizient. Mit einer Gesamthöhe von 160 Meter über Grund bleibt die WEA zudem niedriger als der Tetraeder.

Das Fundament für die Anlage wurde im Dezember 2015 erstellt. Anfang Februar 2016 wurde der für die Errichtung der Anlage erforderliche Kran geliefert und aufgebaut, ab Mitte Februar 2016 wurden die Turmsegmente, das Maschinenhaus und die Rotorblätter geliefert, zusammengebaut und errichtet. Der erste Probebetrieb erfolgte im März.

Werdegang des Projekts


Das Projekt wurde nach Klärung der Zuständigkeit für das immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren seit Sommer 2014 intensiv mit der Verwaltung der Stadt Bottrop abgestimmt. Die offizielle Antragsstellung erfolgte im Mai 2015. Das Projekt wurde im weiteren Verlauf der Bezirksvertretung Bottrop-Süd und dem Planungsausschuss vorgestellt. Auch die Bürger wurden im Rahmen einer Bürgerversammlung Anfang Oktober 2015 informiert. Im November 2015 hat die Stadt Bottrop den Genehmigungsbescheid für den Bau und Betrieb der Windenergieanlage erteilt.

Gutachten


Die im Rahmen des Genehmigungsverfahrens erstellten Gutachten (u.a. Schallimmissionen, Schattenwurf, artenschutzrechtliche Untersuchung) hatten zum Ergebnis, dass die beantragte Windenergieanlage alle immissionsschutzrechtlichen Anforderungen erfüllt und daher genehmigungsfähig ist. Dies wird durch verschiedene technische Maßnahmen sichergestellt. Die Anlage wird nachts beispielsweise schallreduziert betrieben. Um die zulässigen Grenzwerte für den Schattenwurf sicher zu unterschreiten, wird sie mit einem sogenannten Schattenmodul ausgestattet, welches die Anlage automatisch abschaltet, sobald an dem jeweiligen Immissionspunkt eine Überschreitung des Grenzwertes droht. Durch eine zeitweise Abschaltung der Windenergieanlage zu Zeiten erhöhter Fledermausaktivität wird zudem dem vorsorglichen Fledermausschutz Rechnung getragen.

Durch die sichere Einhaltung aller immissionsschutzrechtlichen Anforderungen trägt die Windenergieanlage schließlich ihren Teil zu einer umweltfreundlichen Energieerzeugung unter Nutzung regenerativer Energien bei.

Hybridkraftwerk Emscher


Das Emscherklärwerk in Bottrop ist eine der größten Kläranlagen Deutschlands. Es hat einen Strombedarf von über 30 Mio. kWh im Jahr, dies entspricht dem Bedarf einer Kleinstadt mit mehr als 20.000 Einwohnern.

Im Klärwerk werden heute schon über 60 Prozent der benötigten elektrischen Energie an Ort und Stelle klimafreundlich erzeugt. Die Faulbehälter des Klärwerks werden zur Behandlung und Aufbereitung des Klärschlamms genutzt. Die 190.000 Tonnen Klärschlamm, die am Standort Bottrop anfallen und die mehr als 25 Mio. Kubikmeter Klärgas, die entlang der Emscher entstehen, entsprechen hunderten von Millionen Kilowattstunden zur Wärmegewinnung und Stromerzeugung.

Die Komplettierung der Energieoptimierung soll durch den Einsatz von Sonne und Wind abgerundet werden. Die Kombination dieser Technologien zur Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen führt zu einem Hybridkraftwerk, das seine Effizienz durch die intelligente Verknüpfung und Steuerung aller Komponenten erreicht.
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