Gedenken zum 97. Jahrestag des Ruhrkampfes

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LINKEN-Kreissprecher Günter Blocks: „Erst der Generalstreik und der bewaffnete Aufstand der Arbeiterschaft im Ruhrgebiet sowie in Sachsen und Thüringen konnten die Putschisten stoppen. Mehrheits-Sozialdemokraten, Unabhängige Sozialdemokraten, Anarchisten und Kommunisten, vereinzelt auch Angehörige der Katholischen Arbeitnehmerbewegung haben gemeinsam gegen den rechten Terror gekämpft.“
 
Die LINKEN-KreisprecherInnen Günter Blocks und Nicole Fritsche-Schmidt bei der Gedenkfeier

LINKEN-Kreissprecher Günter Blocks erinnerte bei der Gedenkveranstaltung für die Gefallenen der Roten Ruhrarmee am Sonntag auf dem Westfriedhof daran, dass der Kapp-Lüttwitz-Putsch im März 1920 gegen die noch junge Weimarer Republik auf die Errichtung einer rechtsradikalen Militärdiktatur abzielte, wie sie später in Franco-Spanien zustande kam: „Erst der Generalstreik und der bewaffnete Aufstand der Arbeiterschaft im Ruhrgebiet sowie in Sachsen und Thüringen konnten die Putschisten stoppen. Mehrheits-Sozialdemokraten, Unabhängige Sozialdemokraten, Anarchisten und Kommunisten, vereinzelt auch Angehörige der Katholischen Arbeitnehmerbewegung haben gemeinsam gegen den rechten Terror gekämpft.“
Zu den Putschisten gehörte auch das etwas später in Bottrop eingesetzte Freikorps „Brigade Loewenfeld“.

„Mit Roten wird nicht verhandelt“

Nach der Niederlage der Rechts-Putschisten hatte die Rote Ruhrarmee im Bielefelder Abkommen mit der nun wieder sozialdemokratisch geführten Reichsregierung eingewilligt, ihre Waffen niederzulegen. In Bottrop wurde die Waffenabgabe am 2. April abgeschlossen.

Aber die Freikorps scherten sich nicht um das Friedensabkommen – ihr Motto lautete vielmehr: „Mit Roten wird nicht verhandelt; Abkommen sind von vornherein null und nichtig.“ Am 3. April 1920 erfolgte der Angriff auf Bottrop.
Zumindest einige Rotarmisten konnten sich rechtzeitig wiederbewaffnen, um die ersten Angriffe der „Brigade Loewenfeld“ abzuwehren und Verstärkung aus Essen abzuwarten.
Dem Trommelfeuer der schweren Geschütze des Freikorps auf Bottrop konnten sie aber letztlich nichts entgegensetzen. Einen Tag später fiel Bottrop in die Hände des Freikorps.

„Pardon gibt es überhaupt nicht"

Blocks zitierte in seiner Ansprache aus dem Brief eines Freikorps-Mitglieds der „Brigade Epp“, der über deren Vorgehen in der Nähe von Dortmund schrieb: „Pardon gibt es überhaupt nicht. Selbst die Verwundeten erschießen wir noch. Die Begeisterung ist großartig. Unser Bataillon hat 2 Tote. Die Roten 200 bis 300. Alles, was uns in die Hände kommt, wird mit dem Gewehrkolben zuerst abgefertigt und dann noch mit einer Kugel. … Wir haben auch 10 Rote-Kreuz-Schwestern sofort erschossen; von denen hatte jede eine Pistole bei sich. Mit Freuden schossen wir auf diese Schandbilder. Und wie sie geweint und gebeten haben, wir sollten ihnen das Leben lassen. Nichts. – Wer mit einer Waffe getroffen wird, der ist unser Gegner und muß daran glauben. Gegen die Franzosen waren wir im Felde viel edler!“

Die Mehrzahl der getöteten Bottroper kam erst in den Wochen nach der Eroberung der Stadt ums Leben

Der LINKEN-Kreissprecher verwies auf die Brutalität der Freikorps auch in unserer Stadt: Die große Mehrzahl der getöteten Bottroper sei erst in den Wochen nach der Eroberung der Stadt durch die „Brigade Loewenfeld“ ums Leben gekommen: standrechtlich hingerichtet, erschlagen, „auf der Flucht erschossen“, auf Gefangenentransporten spurlos verschwunden; und etliche Arbeiterinnen seien von der Soldateska vergewaltigt worden.

Justiz-Skandal

Umso schlimmer der Umgang der Justiz mit diesen Ereignissen: Für die Putschisten wurden insgesamt 50 Jahre Haft verhängt, für die Kämpfer der Ruhrarmee insgesamt 2.000 Jahre; die Freikorps-Mitglieder gingen für ihre Verbrechen im Ruhrgebiet straffrei aus.

Gesprächsbereitschaft zur Restaurierung des Gedenksteins

Blocks begrüßte die Gesprächsbereitschaft der Stadtverwaltung zur Restaurierung des Gedenksteins für die Kämpfer der Roten Ruhrarmee: „Wir hoffen, dass dies bis zum 100. Jahrestag des Ruhrkampfes endlich erreicht sein wird.“
2015, anlässlich des 95. Jahrestages, hatte DIE LINKE im Rat der Stadt mit einer Anfrage an Oberbürgermeister Bernd Tischler eine neue Initiative zur Wiederherstellung des Gedenksteins für die Opfer der blutigen Niederschlagung des Arbeiteraufstandes ergriffen.
Der in den 1920-er Jahren errichtete Gedenkstein war von den Nazis geschändet und erst 1988 notdürftig und unvollständig restauriert worden: So fehlen unter anderem die Originalinschrift und der gesamte, für das Erscheinungsbild prägende Schmuck auf der Oberseite des Steins, so etwa eine Jakobinermütze.
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