Grabstein für Opfer des Freikorps Lichtschlag nach 97 Jahren

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  Bottrop: Westfriedhof | Im Herbst hatten das Alois-Fulneczek-Haus Bottrop und die DKP Bottrop gemeinsam eine Spendenaktion begonnen. Sie riefen auf, für Alois Fulneczek einen Grabstein zu errichten. Die erforderliche Summe ist nun erreicht! Sowohl Sahin Aydin, als auch die DKP Bottrop bedanken sich ausdrücklich bei den Spendern, die es so schnell möglich machten, den Stein in Auftrag zu geben.
Alois Fulneczek wurde am 23.02.1919 vom Freikorps Lichtschlag im Bottroper Gefängnis ermordet. Der Hobbyhistoriker Sahin Aydin hatte nach langer Forschung das Grab ausfindig machen können, aber es war unmarkiert und ohne Grabstein.
Nun, da das Grab mit einem Stein würdig gekennzeichnet ist, soll dort am Geburtstag von Alois Fulneczek zum ersten Mal ein Gebinde zu seinem Gedenken niedergelegt werden:

Treffpunkt: am Dienstag, 29. Dezember 2015
um: 14:00 Uhr
Ort: Parkplatz Westfriedhof Bottrop, Westring 45

Selbstverständlich sind alle Interessierten, vor allem aber die SpenderInnen zu diesem Anlass eingeladen.

für das Alois-Fulneczek-Haus Bottrop: Sahin Aydin
für die DKP-Bottrop: Jörg Wingold


Sahin Aydin hat zur Person von Alois Fulneczek eine Broschüre veröffentlicht (siehe unten).


Über den Bottroper Revolutionär Alois Fulneczek (1882-1919)
Neue Broschüre von Sahin Aydin
Die reichhaltige Geschichte des revolutionären Flügels der Arbeiterbewegung des Ruhrgebiets ist bisher sehr unzureichend aufgearbeitet worden. Nun hat Sahin Aydin eine Broschüre über das Leben des Bottroper Revolutionärs Alois Fulneczek vorgelegt, der am 23.2.1919 von Soldaten des Freikorps Lichtschlag ermordet wurde.
Fulneczek wurde am 29.12.1882 in Pyschcz / Kreis Ratibor geboren. Wie so viele Polen in Preußen suchte er Arbeit im Ruhrgebiet. Seit 1907 arbeitete der gelernte Maurer als Bergmann in Bottrop auf der Zeche Prosper und gründete eine Familie. Ob er vor 1918 bereits politisch aktiv war, ist unbekannt.
Wenige Tage nach Beginn der Novemberrevolution bildete sich am 10.11.1918 auch in Bottrop ein Arbeiter- und Soldatenrat (AS-Rat Bottrop), der zunächst von sozialdemokratischen Gewerkschaftsbürokraten majorisiert wurde. Unter ihrer Führung rief der AS-Rat Bottrop zur „Sicherstellung von Ruhe und Ordnung“ und zur „Abwehr vom bolschewistischen Treiben“ auf. Gemeint war damit die Unabhängige Sozialdemokratische Partei (USPD), in deren Reihen zunächst auch der Spartakusbund agierte. Außerdem wurde vom AS-Rat Bottrop eine bürgerliche „Volkswehr“ aus 120 Bewaffneten geschaffen.
Aydin zeigt die Radikalisierung der Arbeiter auf: Während die USP im ersten AS-Rat nur ein Mitglied von zwölf stellte, gehörten Mitte Februar 1919 von der USPD drei Mitglieder und von der nun unabhängigen Kommunistischen Arbeiterpartei (Spartakusbund) zwei Mitglieder dem Rat an, während die gemäßigten Parteien und Gewerkschaften insgesamt 13 Mitglieder stellten. Zwei weitere Mitglieder des Rates gehörten zur Polenpartei. Die Zunahme des Radikalismus erschien den Gemäßigten so bedrohlich, dass sie die fünf USPD- und KAP-Vertreter und die beiden der Polenpartei aus dem AS-Rat Bottrop ausschlossen. Ziel der Gemäßigten war die Festigung der bürgerlichen Ordnung durch Gemeinderatswahlen, die dann am 9.3.1919 der SPD sechs, der USPD vier, der Polenpartei 17, dem katholischen Zentrum 24 Sitze und drei weitere Sitze für andere bürgerliche Parteien brachten.
Doch unterdessen fand im Ruhrgebiet ein ausgedehnter Streik statt, der vor allem von den Zechenbelegschaften befolgt wurde. Zwischen dem 16. und 19. Februar kam es in Bottrop zu Kämpfen zwischen bewaffneten Arbeitern und bürgerlicher Volkswehr, die besiegt wurde. Auf dem Rathaus wurde die rote Fahne gehisst. Alois Fulneczek hielt vom Rathausbalkon eine Rede. Gegen die Streikenden und revolutionären Arbeiter wurden Reichswehrtruppen aus Münster mobilisiert, die am 23.2.1919 in Bottrop einmarschierten. Fulneczek, der einer der Verhandlungsführer der Arbeiter war, wurde am gleichen Tag von den Truppen verhaftet und im Rathaus von der Soldateska ermordet. An seiner Beerdigung nahm eine unüberschaubare Menge von Arbeitern teil. Es ist Sahin Aydins Verdienst, die Person des revolutionären Arbeiters Alois Fulneczek dem Vergessen entrissen zu haben.
Peter Berens (Historiker)
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