Spendenaufruf: Grabstein für Opfer des Freikorps Lichtschlag

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Das Alois-Fulneczek-Haus Bottrop und die DKP Bottrop (Deutsche Kommunistische Partei) starten gemeinsam eine Spendenaktion. Sie rufen auf, für einen Grabstein für Alois Fulneczek zu spenden, der am 23.02.1919 vom Freikorps Lichtschlag im Bottroper Gefängnis ermordet wurde. Der Hobbyhistoriker Sahin Aydin hat nach langer Forschung das Grab ausfindig machen können, aber es ist unmarkiert und hat keinen Grabstein. Um die Person des Alois Fulneczek zu ehren und an ihn zu erinnern, soll nun wenigstens ein Grabstein errichtet werden und dafür werden Spenden gesammelt.

Die Spenden sollen gehen auf das Konto der
DKP Bottrop
Stichwort: Grabstein Alois Fulneczek
Sparkasse Bottrop

IBAN: DE25 4245 1220 0000 0071 12

BIG: WELADED1BOT

für Alois-Fulneczek-Haus Bottrop: Sahin Aydin

für DKP-Bottrop: Jörg Wingold

Sahin Aydin hat zur Person von Alois Fulneczek eine Broschüre veröffentlicht

Über den Bottroper Revolutionär Alois Fulneczek
(1882-1919)

Neue Broschüre von Sahin Aydin
Die reichhaltige Geschichte des revolutionären Flügels der Arbeiterbewegung des
Ruhrgebiets ist bisher sehr unzureichend aufgearbeitet worden. Nun hat Sahin Aydin eine Broschüre über das Leben des Bottroper Revolutionärs Alois Fulneczek vorgelegt, der am 23.2.1919 von Soldaten des Freikorps Lichtschlag ermordet wurde.

Fulneczek wurde am 29.12.1882 in Pyschcz / Kreis Ratibor geboren. Wie so viele Polen in Preußen suchte er Arbeit im Ruhrgebiet. Seit 1907 arbeitete der gelernte Maurer als
Bergmann in Bottrop auf der Zeche Prosper und gründete eine Familie. Ob er vor 1918
bereits politisch aktiv war, ist unbekannt.

Wenige Tage nach Beginn der Novemberrevolution bildete sich am 10.11.1918 auch in
Bottrop ein Arbeiter- und Soldatenrat (AS-Rat Bottrop), der zunächst von
sozialdemokratischen Gewerkschaftsbürokraten majorisiert wurde. Unter ihrer Führung
rief der AS-Rat Bottrop zur „Sicherstellung von Ruhe und Ordnung“ und zur „Abwehr vom bolschewistischen Treiben“ auf. Gemeint war damit die Unabhängige Sozialdemokratische Partei (USPD), in deren Reihen zunächst auch der Spartakusbund agierte. Außerdem wurde vom AS-Rat Bottrop eine bürgerliche „Volkswehr“ aus 120 Bewaffneten geschaffen.

Aydin zeigt die Radikalisierung der Arbeiter auf: Während die USP im ersten AS-Rat nur ein Mitglied von zwölf stellte, gehörten Mitte Februar 1919 von der USPD drei Mitglieder
und von der nun unabhängigen Kommunistischen Arbeiterpartei (Spartakusbund) zwei
Mitglieder dem Rat an, während die gemäßigten Parteien und Gewerkschaften insgesamt 13 Mitglieder stellten. Zwei weitere Mitglieder des Rates gehörten zur Polenpartei.

DieZunahme des Radikalismus erschien den Gemäßigten so bedrohlich, dass sie die fünf USPD- und KAP-Vertreter und die beiden der Polenpartei aus dem AS-Rat Bottrop
ausschlossen. Ziel der Gemäßigten war die Festigung der bürgerlichen Ordnung durch
Gemeinderatswahlen, die dann am 9.3.1919 der SPD sechs, der USPD vier, der
Polenpartei 17, dem katholischen Zentrum 24 Sitze und drei weitere Sitze für andere
bürgerliche Parteien brachten.

Doch unterdessen fand im Ruhrgebiet ein ausgedehnter Streik statt, der vor allem von
den Zechenbelegschaften befolgt wurde. Zwischen dem 16. und 19. Februar kam es in
Bottrop zu Kämpfen zwischen bewaffneten Arbeitern und bürgerlicher Volkswehr, die
besiegt wurde. Auf dem Rathaus wurde die rote Fahne gehisst. Alois Fulneczek hielt vom Rathausbalkon eine Rede. Gegen die Streikenden und revolutionären Arbeiter wurden Reichswehrtruppen aus Münster mobilisiert, die am 23.2.1919 in Bottrop
einmarschierten. Fulneczek, der einer der Verhandlungsführer der Arbeiter war, wurde
am gleichen Tag von den Truppen verhaftet und im Rathaus von der Soldateska
ermordet.

An seiner Beerdigung nahm eine unüberschaubare Menge von Arbeitern teil.
Es ist Sahin Aydins Verdienst, die Person des revolutionären Arbeiters Alois Fulneczek
dem Vergessen entrissen zu haben.

Peter Berens (Historiker)
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