Windiger Musikschul-Fördervereins-Vorsitzender: Ex-CDU-Ratsherr und Pleite-Unternehmer Johannes Brockmann gewählt

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Noch heute warten die Ex-Brockmann-Beschäftigten auf ihre 8 Millionen Euro

Der Förderverein der Städtischen Musikschule hat einen neuen Vorsitzenden: Der Ex-CDU-Ratsherr und Ex-Unternehmer Johannes Brockmann wurde jetzt an die Spitze des Fördervereins gewählt.
176 Beschäftigte blieben bei Brockmanns Pleite auf der Strecke, nachdem sie vergeblich 8 Millionen Euro in den Fortbestand des Unternehmens gesteckt hatten. Viele von ihnen sind nach wie vor arbeitslos. Etlichen blieb nicht mehr als Hartz IV.

"Wie fast allen Kultur- und Bildungseinrichtungen in Bottrop wird auch der Musikschule zunehmend der Geldhahn zugedreht. Der Förderverein leistet zweifellos wichtige Arbeit, um wenigstens noch halbwegs das Angebot aufrecht erhalten zu können", erklärt LINKEN-Kreissprecher Günter Blocks.
Der Förderverein springt zunehmend auch bei Aufgaben ein, bei denen ganz klar der städtische Träger in der Pflicht stünde: So hat der Verein beispielsweise über 70 Instrumente angeschafft, die er auch instand hält und an die Musikschüler gegen eine geringe Gebühr ausleiht.

"Ob aber ausgerechnet ein solcher Pleite-Unternehmer das richtige Aushänge-Schild ist, um weitere Unterstützer für den Verein zu gewinnen, muss bezweifelt werden", befürchtet Blocks.
Dabei verweist er auf den verbitterten "Nachruf" des Brockmann-Betriebsrates vom September 2011.


"Nachruf auf die Firmen Brockmann in Bottrop"

Der "Nachruf" des Betriebsrates vom 4. September 2011 im Wortlaut:

"Am 01.08.2011 war es soweit. Mit der Insolvenzeröffnung erhielten auch
die meisten der noch verbliebenen 144 Mitarbeiter (ursprünglich waren es
176) ihre Freistellung von der Arbeit. Einige Mitarbeiter sind noch mit
der Abwicklung betraut. Jetzt am 29.08.2011 bekamen nun alle Mitarbeiter
die Kündigung: viele von ihnen nach 10, 20, 30, 40 ja sogar 47 Jahren
Betriebszugehörigkeit. Zurück bleibt die Hilflosigkeit und Enttäuschung
darüber, dass es soweit gekommen ist und die Kollegen ihre Arbeitsplätze
verloren haben.

Jeder einzelne Mitarbeiter hat seit 2004 auf ca. 40.000,- € und mehr
verzichtet, insgesamt haben die Mitarbeiter ca. 8 Millionen Euro in die
Firma Brockmann investiert, immer mit Versprechungen, dass der Verzicht
nötig sei, damit es weitergeht, der Umsatz auf Dauer gesteigert wird,
Investitionen in Maschinen getätigt werden können und die Firma wieder
Gewinn abwirft. Es wurde jedoch nicht investiert, sondern das
Eigenkapital kontinuierlich abgebaut.
Die Mitarbeiter und auch der Betriebsrat wurden nicht angehört, sondern
immer nur teure Unternehmensberater von außerhalb.

Ein Großteil der Brockmann-Mitarbeiter hat in einem System arbeiten
müssen, wo Plus-Stunden aufgebaut wurden, die sie auf gar keinen Fall
abbauen konnten. Laut IG-Metall Tarif galt die 35-Stunden Woche, es
mussten aber bei Bedarf 42,5 Stunden gearbeitet werden, wobei die
Mehrarbeit nicht bezahlt wurde.

Zum Zeitpunkt der Insolvenz-Beantragung war die Auftragslage in allen
Geschäftsbereichen sehr gut und die Kunden waren uns nach wie vor positiv
gestimmt. Leider war die weitere Auftragsabwicklung durch den
Insolvenzverwalter und die Geschäftsleitung nur sehr schleppend
verlaufen (die Kunstoff-Fenster-Fertigung stand 4 Wochen still), was die
Mehrheit der Kunden dazu bewegt hat, die Aufträge zu stornieren.

Nach der Insolvenz-Beantragung am 17.05.2011 hieß es zuerst, dass der
Fenster-Bereich auf jeden Fall weitergeführt werde, da gäbe es genug
Interessenten. Auch für den Küchen-Bereich gab es potentielle
Investoren, zum Schluss sogar für beide Firmen ein gemeinsamer Investor.
Doch nichts davon ist verwirklicht worden. Bleibt die Frage: Lag es auch
hier wieder an der Geschäftsleitung, dass kein Investor gefunden wurde?
Das Potential war da, die Firma Brockmann hat Qualitäts-Fenster und -Küchen
gefertigt. Nur das öffentliche Interesse war leider nicht groß genug.
Die Firma Brockmann gehörte halt nicht zu den Riesenkonzernen oder Firmen,
die man mit aller Macht versucht am Leben zu erhalten, und so ist ein
Familienbetrieb, gegründet 1947, nun am Ende."

Die durchschnittlich rund 40.000 Euro Verzicht pro Beschäftigten setzen sich im Wesentlichen zusammen aus Verzicht auf Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Lohnverzicht, Mehrarbeit ohne Vergütung und verspätet umgesetzte Tariferhöhungen.
Aus der Insolvenzmasse blieb für die Beschäftigten kein Cent: wegen "Masse-Armut".
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