Alkohol und Tabletten Thema bei "Bottrop informier dich": Wie viel ist zu viel?

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Dr. med Jan Brackmann, Allgemein- und Suchtmedizin. (Foto: Kappi)
Bottrop: Innenstadt |

"Ich hatte nie eine große Krise, die Alkoholsucht ist schleichend gekommen", sagt Gerhard Löbert, Stadtverbandssprecher Kreuzbund. "Ich habe das Problem erst erkannt, als man mir den Führerschein weggenommen hat. Zu diesem Zeitpunkt habe ich jeden Tag getrunken, ich bin mittags in eine Alkoholkontrolle geraten."

Dann hat es bei Gerhard Löbert Klick gemacht. Heute ist er seit 20 Jahren trockener Alkoholiker. "Ohne den Kreuzbund hätte ich das nicht geschafft. Der Kreuzbund bietet Suchtkranken und Angehörigen Hilfe, um aus der Sucht auszusteigen. Wir reden auch über alltägliche Probleme. Mit den falschen Freunden kann man ganz schnell wieder rückfällig werden. Man braucht Hilfe, um dieser Sucht Herr zu werden."
Gerhard Löbbert vom Kreuzbund, Sucht- und Allgemeinmediziner Dr. med. Jan Brackmann, René Heyse vom Rettungsdienst und Ideengeber Peter Stadtmann sind die Podiumsgäste von Lennart Hemme am kommenden Donnerstag, 10. November, um 19 Uhr in der Alten Börse auf der Kirchhellener Straße. „Wieviel ist zu viel - A wie Alkohol und Z wie Zäpfchen“, ist das nächste Thema bei "Bottrop informier Dich".
Dr. Jan Brackmann hat 2011 seine Dissertation im Bereich der Suchtmedizin geschrieben. "Ich arbeite in der Praxis von Dr. med Karl-Georg Büscher. Etwa 20 Prozent der Arbeit ist die Suchtmedizin, und davon 80 Prozent aus dem Bereich harte Drogen. Alkohol zähle ich zu den harten Drogen." Wer täglich trinkt, kann nicht ambulant entgiftet werden. "Und wer nach dem Entzug keine Hilfe wie den Kreuzbund sucht, wird wieder zur Flasche greifen."
Das Thema Alkohol und Medikamente sei jedem bekannt, ist Peter Stadtmann überzeugt. "Aber leider lebt niemand danach. Ich sehe es als ganz ganz kritisch, dass viele Dinge im Leben nicht beachtet werden. Medikamente wirken ganz anders in der Verbindung mit Alkohol - schwächer oder stärker. Wer beides zusammen schluckt, bekommt eine ganz andere Therapie als die vom Arzt gewünschte."
Seit 2002 der Dosenpfand eingeführt wurde, sieht René Heyse vom Rettungsdienst auch einen anderen Umgang bei Kindern und Jugendlichen mit diesem gefährlichen Getränk: "Jetzt ist es eher an der Tagesordnung, dass sich die Kinder eine Flasche Cola und eine Flasche Wodka kaufen und beides mischen." Er hatte Zehn- und Vierzehnjährige vor sich, die die Atmung eingestellt hatten. "Die Kinder sind tot, erbrechen, ersticken, wenn sie keine Hilfe bekommen. Der neueste Trend ist Fanta-Felge, ein Felgenreiniger aus den Niederlanden wird mit dem Orangensprudel gemischt - für wenig Geld viel Rausch - der absolut lebensgefährlich ist. Solche Fälle landen auf der Intensivstation. Man kann froh sein, wenn man diesen Rausch überlebt."
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