Berufeplanung für Achtklässler: So wird es was mit dem Traumjob

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Gemeinsam sollte eine Gruppe von Achtklässler ein XXL-Memoryspiel lösen. Hier war Teamgeist gefragt. (Foto: Thomas Eickholt)
 
Aus acht Blatt Papier eine Brücke bauen, die diesen Spielzeuglaster tragen kann, und das in 20 Minuten. Die Schüler strengten sich an. (Foto: Thomas Eickholt)

Eine Potenzialanalyse soll den Bottroper Achtklässlern auf dem Weg zu ihrer Berufsfindung helfen. Zahlreiche verschiedene Aufgaben müssen sie lösen - und dabei kommt es nicht allein auf das Ergebnis an.

„Wir sind mit sieben, acht Leuten vor Ort und beobachten die Schüler anhand von handlungsorientierten Übungen“, erläutert Manuel Epker, Projektleiter und Konzeptentwickler beim Jugend- und Familienbildungswerk. Aus acht Blatt Papier eine Brücke bauen, im Team ein XXL-Memoryspiel lösen oder mit vier Seilen einen Tennisball in eine Schale transportieren sind einige der praktischen Aufgaben. „Bei der Potentialanalyse geht es darum, die Stärken von Schülern zu erkennen - sie sollen sie selbst wahrnehmen“, sagt Wolfgang Wuwer von der kommunalen Koordinierung Übergang Schule/Beruf. Was bei dieser Potenzialanalyse festgestellt wurde, wird später mit jedem Schüler und seinen Eltern besprochen und schriftlich fixiert. Mit der Potenzialanalyse soll es den Schülern gelingen, sich im 8. Schuljahr neue Ziele zu stecken.

Pastor oder Friseur sind keine Alternativen


„Ich selbst habe damals im Berufsinformationszentrum, BIZ, einen Test gemacht, welcher Beruf am besten zu mir passt - damals gab es noch nicht die Beratungsqualität von heute. Die Berufe, die zu mir passen sollten, waren Friseur oder Pastor“, blickt Manuel Epker lachend zurück. Beides waren nicht seine Traumjobs.
Die Entscheidung, welchen Beruf die Schüler anstreben, soll ihnen nicht abgenommen werden: „Aber durch die verschiedenen Maßnahmen haben sie mehr Hintergrundwissen und können viel gezielter entscheiden“, ist Wolfgang Wuwer überzeugt. „Wir tasten uns über Berufsfelder, heran“, sagt Manuel Epker. „Die Jugendlichen werden bei dieser Potenzialanalyse zum Beispiel in Erfahrung bringen, wie sie von verschiedenen fremden Personen eingeschätzt werden und können dann feststellen, ob das mit ihrem Selbstbildnis übereinstimmt.“ Es werden Berufsfelder wie Soziales, Pflege, Recht, Ordnung, Dienstleistungen oder verschiedene Handwerke, nicht aber die einzelnen Berufe ins Auge gefasst.
Ein Portfolio-Instrument mit methodischen Hinweisen und Anregungen, der Potenzialanalyse und dem Praktikum bekommt jeder Schüler an die Hand. Mit dem Projekt soll die Berufsabbruchsquote, die zur Zeit bei etwa 25 Prozent liegt, verringert werden: „Viele Realschüler haben keine Ahnung, was sie nach der 10. Klasse machen sollen, und viele sehen dann nur eine Möglichkeit: Sie besuchen das Berufskolleg“, weiß Wolfgang Wuwer.
Die Potenzialanalyse ist ein erster Schritt auf dem Weg zum Beruf. In der Robert-Florin-Straße wurde diese direkt auf Realschüler abgestimmt. Die Schüler einer Klasse können sich selbst hier einen ganzen Tag auf den Grund gehen. Heute sind die Gustav-Heinemann-Realschüler vor Ort. Vier verschiedene Aufgaben müssen sie zum Beispiel bewältigen, die nur in der Gruppe gelöst werden können. „Brückenbau, Memory oder Ei-Transport: Die Schüler müssen handeln. Wir schauen uns diesen Prozess an und sehen, wie miteinander kommuniziert wird und wie strukturiert hier alles vor sich geht“, so Manuel Epker.

Ein Nutzen für alle Beteiligten


„Lass die niemals Ingenieur werden“, lacht eine Schülerin, als sie ihrer Kollegin beim Brückenpfeiler falten zuschaut, um dann ein paar Minuten später selbstkritisch festzustellen: „Ich sollte niemals Ingenieurin werden.“ Kommentiert werden solche Äußerungen von Seiten der Beobachter nicht. Als beide Teams ihre Brücken gebaut haben, wird nachgehakt: „Hat es mit der Teamarbeit geklappt, hat jeder was gemacht?“ - und wenn der Fragende wusste, dass die Antworten nicht ganz der Wahrheit entsprachen, wurde wieder hinterfragt, wie man die Situation so verbessern kann, dass es allen Beteiligten etwas nützt.
Auch Recherche gehörte zu den Aufgaben. Die Schüler sollten sich gegenseitig interviewen und danach mithilfe von Nachschlagewerken einen passenden Beruf für ihr Gegenüber finden. Die Fragetechnik der Einzelnen war genauso unterschiedlich wie die Bereitschaft der jeweiligen Gegenüber, mit den Antworten in die Tiefe zu gehen. Mit den Recherchewerken umzugehen, war eine Aufgabe, die auch einige Erwachsene als nicht die einfachste diagnostizierten. Seinen Traumberuf wird an diesem Tag wahrscheinlich keiner der Gustav-Heinemann-Realschüler gefunden haben, aber jeder einzelne dürfte mindestens einen Schritt weiter dorthin gelangt sein.
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