"Auf den Spuren des Nationalsozialismus" - Gesamtschüler veröffentlichen Teile ihres Reisetagebuches

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Die Teinehmer/innen der Studienreise mit dem Zeitzeugen Karol Tendera.
 
Thorarolle in der Synagoge von Oswiecim (Auschwitz)

In der vergangenen Woche besuchte eine Schülergruppe der Janusz-Korczak-Gesamtschule die Gedenkstätte des ehemaligen KZ Auschwitz-Birkenau. Lesen Sie hier Auszüge aus dem gemeinsam erstellten Reisetagebuch.

Auf den Spuren des Nationalsozialismus – Tag 3:

Der dritte Tag ist geteilt: morgens besuchen wir das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, nachmittags hören wir Karol Tendera, einem 93-jährigen Zeitzeugen, zu. Abends verabschieden wir uns von den Stätten des Grauens.
Birkenau: Gleich hinter dem Eingangstor liegt links das Quarantänelager. In Baracken, die ursprünglich Pferdeställe für 50 Pferde waren, hausten während der Lagerzeit 600 Häftlinge. In der Latrine nebenan konnten (mussten) 180 Personen gleichzeitig ihre Notdurft verrichten.
Die Rampe: Auf dem Gleis an der Rampe steht ein Güterwagen der Art, mit dem Häftlinge nach tagelanger Fahrt im Lager ankamen. Hier wurden zunächst Frauen, Kinder und Männer getrennt, dann noch starke Frauen und starke Männer, die als Arbeitskräfte dienen konnten, von denen getrennt, die zu schwach waren. Die letztere Gruppe wurde direkt in die Gaskammer geschickt, während diejenigen, die noch als Arbeitskräfte dienen konnten, in Baracken kamen. Ihre Habseligkeiten mussten alle auf der Rampe lassen.
In der Frauenbaracke, die wir anschließend sehen, schliefen die Frauen in drei Etagen: auf 4 m² jeweils 6-8 Frauen; Neuankömmlinge mussten direkt auf dem Boden schlafen.
Am Ende der Rampe sind nur noch Ruinen der Gaskammern und Krematorien zu sehen. Sie wurden von der SS gesprengt, um Spuren zu verwischen. Bei einem Aufstand der Sonderkommandos am 7. Oktober 1944 wurde das Krematorium 4 unbrauchbar gemacht und nicht wieder erneuert.
Zwischen den Krematorien steht das Denkmal für die ermordeten Häftlinge. In 21 Sprachen wird hier der Ermordeten gedacht.
Wir sehen auch die Umrisse des „weissen Häuschen“, eines ehemaligen Bauernhauses, in dem auf engstem Raum auf einmal 1000 Menschen durch Giftgas umgebracht wurden. Unglaublich!!
Auf einer Lichtung erklärt uns unsere Guide – Teresa - dass hier die Leichen der Opfer auf Scheiterhaufen verbrannt wurden. Vertiefungen auf der Lichtung deuten darauf hin. Erst später wurden die Krematorien aufgebaut.
Das große Gebäude etwas weiter war die sogenannte Sauna, in der alle ankommenden Häftlinge registriert wurden, ihnen wurde die Kleidung vom Körper genommen, die Haare wurden abgeschnitten und am ganzen Körper abrasiert. Sie wurden mit heißem oder kaltem Wasser übergossen, und dann bekamen sie „neue“ Kleidung. Danach kamen sie ins Quarantänelager.
Die Wertsachen und die private Kleidung wurden von Häftlingen des Magazins „Kanada“ sortiert und in eine der 30 Baracken des Warenlagers eingeordnet. Damit waren bis zu 2000 Häftlinge beschäf-tigt.
Am Rande des Magazins „Kanada“ liegt ein malerischer See. Wir erfahren aber, dass dort die Asche der Opfer hineingeschüttet wurde.
Am Nachmittag erzählt Karol Tendera, ein Überlebender des Lagers Auschwitz, von seinen Erlebnis-sen als Zwangsarbeiter in einer Fabrik in Hannover, als Häftling im Stammlager und in Birkenau und zum Schluss in einer Außenstelle des KL Flossenburg. Er macht uns in seinen Erzählungen deutlich, dass sein Leben oft vom Zufall abhing, von Freunden im Lager und vom Glück.
Nach dem Kriegsende half er neben seinen Gefährten auch u.a. einem Gestapochef aus Tschechien.
Das begründete er so: „Menschen sollten menschlich bleiben.“
An uns appelliert er, uns zu bilden. Durch Bildung bekomme man eine neue Sichtweise der Welt. Bildung verhindere einen neuen Nationalsozialismus.
Mit dem Aufstellen von Lichtern und persönlichen Worten nahmen wir an der alten Judenrampe Abschied von Auschwitz.
Charlotte, Hasret, Jaqueline, Ronahi, Svenja, Victoria

Die Fahrt wurde veranstaltet in Kooperation mit dem Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk e.V. www.ibb-d.de
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