Spurensuche Nationalsozialismus

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Schüler der WBG treffen den Auschwitz überlebenden Karol Tendera und besichtigen das jüdsiche Viertel sowie die Schindler Fabrik.

Ein Leben als Häftling mit der Nummer 100430


Heute Morgen, den 10.11.2016, waren wir, die Schülerinnen und Schüler der WBG, im deutschen Konsulat in Krakau eingeladen. Der Auschwitz Überlebende Karol Tendera, 95 Jahre alt, berichtete detailliert und auf interessante und eindringliche Weise über die Nazizeit.
Er erzählte uns von seiner Zeit in den drei KZ’s Auschwitz 1, Birkenau und Litmeritz.
Zu Anfang berichtete er uns davon, wie und warum er deportiert wurde. Als Berufsschüler wurde er aus dem Unterricht mit 29 anderen Schülern nach Hannover verfrachtet und zur Arbeit auf dem dortigen Luftwaffenstützpunkt gezwungen. Jeder Fluchtversuch wurde mit dem sofortigem Tode bestraft.
Nach 10 Monaten harter Arbeit flüchtete er und machte sich auf den Weg zurück nach Krakau. Er wurde dann aber doch auf der Heimreise wegen eines fehlenden Ausweis - den er abgeben musste - von Polizisten verhaftet. Er behauptete bei dem Verhör, nicht geflüchtet zu sein, sondern Arbeit in Deutschland zu suchen. Daraufhin wurde er zur Zwangsarbeit verpflichtet, flüchtete aber ein zweites Mal und schaffte es nach Hause. Nach 5 Monaten in verschiedenen Verstecken geriet er aber in die Hände der Gestapo und wurde verhaftet.
Man brachte ihn nach Auschwitz, wo er später die Häftlingsnummer 100430 erhielt.
Der Lagerleiter war Karl Fritsch, der späteren Insassen mit seinen Worten „Juden leben hier noch 2 Wochen, Priester 4 Wochen und alle anderen 3 Monate“ und nahm ihnen bei der Begrüßung jeden Mut zu überleben. Auch Karol verlor des öfteren jeden Lebensmut. Sein guter Freund Wordeck „rettete mir aber mehrmals das Leben“ vor allem wenn er mal wieder über Selbstmord nachdachte.
In Auschwitz wurden an Karol medizinische Experimente durchgeführt, bevor er dann später nach Birkenau verlegt wurde. Vor allem die Schilderung über die Zustände in der Santitätsbaracke verschlug uns allen den Atem. Diese galt unter den Insassen als „Hölle auf Erden“. Auch Karol suchte die Baracke wegen starken Durchfalls auf. Der polnische Pfleger schickte ihn wieder weg und sagte ihm, er würde innerhalb von 2 Tagen vergast werden, wenn er bleiben würde. Die Situation wurde erst besser, als er und sein Freund Wordeck es schafften wieder ins Stammlager zurück zu kommen, wo er wieder „gesund“ gepflegt wurde. Er schloss sich einer Widerstandsbewegung an, die versuchte, die Situation der Insassen zu verbessern.
Zum Kriegsende hin, wurde er nach Litmeritz verlegt, wo am 08.05.1945 auch die Tore geöffnet und er entlassen wurde. Er kam mit einigen Freunden zunächst in einem staatlichen Landwirtschaftsbetrieb unter. Wir alle waren sehr beeindruckt von der Tatsache, dass Karol nach all den Erlebnissen es fertig brachte, zwei deutsche Offiziere und drei deutsche Frauen vor der anrückenden russischen Armee zu retten. An dieser Stelle möchten wir uns bei Karol Tendera bedanken, dass er sich die Zeit dafür genommen hat, um uns von seinem Leben zu erzählen.

Niklas Rohleder und Tatjana Westerhelweg

Besuch im jüdischen Viertel Krakaus


Nach dem Gespräch ging es direkt weiter und wir besichtigten das jüdische Viertel in Krakau. Es existieren insgesamt 7 Synagogen in Krakau, davon drei im Jüdischen Viertel, wovon noch eine aktiv genutzt wird. Die anderen sechs Synagogen werden als Museen verwendet. Zurzeit gehören nur noch 100 Menschen der orthodoxen jüdischen Gemeinde an. Vor dem zweiten Weltkrieg lebten noch 68.000 Juden in Krakau. Wir besuchten die Synagoge der letzten, noch aktiven jüdischen Gemeinde in Krakau. Bevor wir die Synagoge betraten, musste jeder männliche Teilnehmer eine Kopfbedeckung (Kippa) aufsetzen. Als wir im Gebetsraum der Synagoge ankamen, erklärte uns die Reiseleiterin, welche Elemente in der Synagoge heilig sind. Das Allerheiligste in einer Synagoge ist die Tora. Im Hinterhof der Synagoge besichtigten wir den jüdischen Friedhof, welcher ebenfalls mit einer Kopfbedeckung betreten werden musste. Der Friedhof existierte schon in der Vorkriegszeit, wurde aber absichtlich von den Nazis als Mülldeponie benutzt. Am Ende der Führung besichtigten wir noch das jüdisch Ghetto, welches ebenfalls von den Nazis errichtet wurde. Wir erfuhren von der Reiseleiterin, dass das Ghetto nach einem Jahr in zwei Teile aufgeteilt wurde. Das Ghetto wurde in Arbeitsfähige und Arbeitsunfähige unterteilt. Zu den Arbeitsunfähigen gehörten zum Beispiel Frauen, Kinder, Kranke und alte Menschen. Diese wurden der „Endlösung“ zugeführt, weil sie dem Naziregime nicht weiter von Nutzen waren.

Nico Drath, Luce Schneider und Pascal Hübner

Führung in der Schindler Fabrik


Der letzte Programmpunkt des Tages war der Besuch der Schindler Fabrik neben dem Krakauer Getto. Oskar Schindler war Unternehmer und ein Mitglied der NSDAP. Er wollte Profit mithilfe seiner „Emalia Fabrik“ ziehen, die er als Treuhändler von einem Juden erhalten hatte. Später änderte Schindler seine Ansicht gegenüber der Juden und konnte so circa 1100 Juden, welche in seiner Fabrik vorher schon arbeiteten, retten. So erlangte Oskar Schindler später die Auszeichnung „Gerechter unter den Völkern“. Die ehemaligen Büroräume der Fabrik sind heute ein Museum. Die Ausstellung zog sich durch viele verschiedene Themenräume, welche sich jeweils mit besonderen Ereignissen oder einfach mit dem Alltag der Juden in Krakau beschäftigt. Durch Originalfunde wie z.B. Propaganda und originalen Aufnahmen wird eine echte, authentische Atmosphäre erschaffen, die den Besucher nachdenklich und bedrückt zurück lässt. Um so erstaunlicher war es , die von Schindler geretteten Juden mit Namen und Gesicht auf der berühmten Liste zu sehen. Unser Besuch wurde besonders durch alte Stempelmaschinen geprägt, welche durch das Selbstbedrucken von Arbeitsnachweiskarten zum weiteren Nachdenken verhalf. Der Stempel veränderte sich vom polnischen Wappen, zum Hakenkreuz, entwickelte sich zum Davidsstern und endete mit Stalins Symbol. Durch diese gedruckten Stempel werden wir wohl niemals den prägenden Besuch in Schindlers Fabrik vergessen.

Clara Heuer und Silke Telgenbüscher
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