Ansturm auf Eier vom Bauernhof: Fipronil-Skandal steigert Nachfrage nach Eiern vom Hofladen oder Wochenmarkt

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Die Unsicherheit isst mal wieder mit. Diesmal betrifft es das Ei, nachdem bekannt wurde, dass Eier aus den Niederlanden, die mit dem Insektizid Fipronil verunreinigt wurden, auf den deutschen Markt gekommen sind. Die Auswirkungen dieses neuen Lebensmittelskandals spüren auch die Händler in Castrop-Rauxel.

Die Verunsicherung der Verbraucher wegen der Eier aus den Niederlanden, die für das Supermarkt-Regal bestimmt waren, schlägt sich vor allem in einer gestiegenen Nachfrage bei den örtlichen Anbietern nieder – sei es auf dem Hofladen oder auf dem Wochenmarkt.
„Ich verkaufe täglich 400 Eier, aber ich könnte 1.000 verkaufen“, sagt Jan-Frederik Menken vom Hof Menken. Rund 50 Prozent mehr Kunden kommen zurzeit auf den Hofladen an der Oststraße. „Wirtschaftlich ist das für uns aber kein Vorteil“, schränkt er ein. Denn schließlich seien Eier kein industrielles Produkt. „Ich habe ja nicht mehr Hühner und Eier“, erläutert der Landwirt, dass er nicht spontan die Produktion erhöhen kann.
Auch eine mögliche Belastung der Eier durch Reinigungsmittel, wie in den Niederlanden geschehen, ist Thema. „Viele Kunden fragen nach, wie wir das handhaben“, so Menken. Er hält je 225 Freiland-Hühner in zwei transportablen Hühnermobilen. „Die werden per Hochdruckreiniger und warmem Wasser gereinigt“, erklärt er den Unterschied zur Reinigung in der Massentierhaltung.

Wasser und Hochdruckreiniger

Heinrich Kortmann und sein Sohn Matthias stehen an allen Markttagen auf allen drei Wochenmärkten in Castrop-Rauxel, um unter anderem ihre Eier zu verkaufen. Auf ihrem Hof in Lüdinghausen wird ebenfalls zu Wasser und Hochdruckreiniger gegriffen. „Ich mache die Ställe noch selbst sauber“, erklärt der Landwirt. Reinigungsmittel würden dabei nicht verwendet. Auf Insektizide dagegen könne man nicht ganz verzichten. „Aber man muss drauf achten, dass sie amtlich zugelassen sind“, so Heinrich Kortmann.
Auch er verzeichnet einen Anstieg der Kunden – „Es sind mindestens ein Drittel mehr“ – genauso wie vermehrte Nachfragen. „Wir werden angesprochen und diskutieren auch ein wenig“, sagt Kortmann, aber er weiß, dass seine Kunden Vertrauen zu ihm haben. Denn vor allem in Habinghorst und Ickern sei er schon seit 40 Jahren auf dem Wochenmarkt vertreten. „Der größte Teil der Kunden kennt uns jahrelang.“
„Ich kenne den Betrieb in- und auswendig“, sagt Norbert Klöcker vom Hof Klöcker über den ebenfalls in Lüdinghausen angesiedelten Bauernhof, von dem er seit 20 Jahren die Eier bezieht, die er in seinem Hofladen an der Hebewerkstraße verkauft. Viele der Kunden, die aktuell nach Henrichenburg kommen, hoffen darauf, hier unbelastete Eier zu erhalten. „Zu uns kommen ganz speziell nur Eier-Kunden“, hat Klöcker seit Bekanntwerden des Skandals beobachtet. „Es sind viele neue Gesichter.“ Mit der Folge, dass er die Nachfrage nicht decken kann. „Wir sind ständig ausverkauft und können gar nicht so schnell nachliefern.“
Woher die Eier kommen, die er im Hofladen anbietet, darauf hatte Klöcker schon vor dem Fipronil-Skandal per Hinweisschild aufmerksam gemacht. Aber ein Thema ist es trotzdem. „Die Kunden fragen jetzt nach und werden von uns aufgeklärt“, so der Landwirt.

Supermärkte im Austausch mit Behörden

Auch die Supermarkt-Ketten reagieren auf den jüngsten Lebensmittelskandal. Die Rewe Group beispielsweise hat alle Eier aus den Niederlanden aus ihren Rewe- und Penny-Märkten entfernt. Dazu, sämtliche Eier aus dem Verkauf zu nehmen, sieht sie derzeit keine Veranlassung. „Wir beobachten die Entwicklung engmaschig und tauschen uns mit den Behörden aus. Wir fordern von unseren Lieferanten Garantien und Untersuchungsergebnisse bis zum einzelnen Stall“, wird Dr. Klaus Mayer, Leiter des Qualitätsmanagements, in einer Pressemitteilung zitiert.
Die Eier der Edeka-Eigenmarken stammten ausschließlich aus Deutschland, heißt es von der Edeka Handelsgesellschaft Rhein-Ruhr mbH. „Aktuell stehen wir mit allen unseren Lieferanten und den zuständigen Behörden in einem engen Austausch“, erklärt Gerd Koslowski von der Unternehmenskommunikation. „Unsere Kunden verweisen wir bei Nachfragen auf die Verhaltenshinweise der zuständigen Behörden beziehungsweise auf die bei Lebensmittelwarnung.de veröffentlichten Printnummern mutmaßlich verunreinigter Eier.“
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