Bankkonten für Flüchtlinge: Noch ist die Nachfrage gering

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Noch haben nicht allzu viele Flüchtlinge ein eigenes Konto bei einer Bank eröffnet. (Foto: Thiele)

Finanzielle Hilfe erhalten Flüchtlinge in Deutschland. In manchen Fällen wird das Geld auf ein Konto überwiesen. Dies bedeutet neue Kunden für Sparkasse und Volksbank. Ein Gewinn sei damit aber nicht verbunden, ist man sich bei beiden Geldinstituten einig.

Genaue Informationen über die Anzahl an Flüchtlingen, die bisher ein Konto bei der Sparkasse Castrop-Rauxel eröffnet haben, liegen Marktbereichsdirektor Rainer Kruck nicht vor. Kontoeröffnungen durch Flüchtlinge, die sich längere Zeit in Castrop-Rauxel aufhalten, habe es aber bereits gegeben.
„Die Nachfrage ist ganz gering. Die Kenntnis darüber ist noch gar nicht da“, vermutet Markus Göke, Leiter der Volksbank-Niederlassung Castrop-Rauxel. „Das wird wohl noch kommen.“
Rechtlich sei die Sparkasse aufgrund des sogenannten Kontrahierungszwangs verpflichtet, jedem, der im Geschäftsgebiet wohne, ein Konto anzubieten, so Kruck. Nichtsdestotrotz gelte es, formal juristische Bedingungen einzuhalten. „Mit wem haben wir es zu tun?“, nennt er eine wesentliche Frage, die bei jeder Kontoeröffnung geklärt werden müsse. Üblicherweise würden dazu Personalausweis oder Reisepass vorgelegt. Hier gebe es für Flüchtlinge eine Erleichterung, so dass auch von der Ausländerbehörde ausgestellte Ausweisersatzpapiere anerkannt würden, so Kruck.

Schulung für Mitarbeiter

Auch Göke betont, dass die Volksbank für alle Menschen da sei. Dies gehöre zur gesellschaftlichen Verantwortung. „Wir nehmen die Leute auf. Es sei denn, ihre Unterlagen reichen nicht aus.“ Denn auch bei der Volksbank achtet man darauf, dass sich die Flüchtlinge, die ein Konto eröffnen möchten, legitimieren können. „Die Mitarbeiter sind geschult worden, um zu wissen, welche Unterlagen benötigt werden“, so Göke.
Ein Guthabenkonto, das nicht gebührenfrei sei, könnte ein Flüchtling bei beiden Geldinstituten eröffnen. Einen Gewinn würden sie mit dem neuen Kunden aber nicht machen. „Wenn ein Konto im Schnitt 2,50 Euro im Monat kosten würde, wären das 30 Euro im Jahr. Da ist unser Kostenaufwand im Zweifelsfall höher“, so Kruck. Und auch Göke spricht von einer entsprechend niedrigen Gebühr.
Nur perspektivisch, wenn Flüchtlinge beruflich Fuß fassen und ein eigenes Einkommen erzielen sollten, sehen sie die Möglichkeit, dass Banken von den zusätzlichen Kunden profitieren könnten.

Taschengeld wird bar ausgezahlt

Flüchtlinge, die etwa in Wohn­unterkünften wie an der Harkortstraße wohnen, erhalten ein Taschengeld in Höhe von 30 Euro pro Erwachsenem pro Woche.
„Dies wird bar ausgezahlt“, erklärt Stadtsprecherin Maresa Hilleringmann.
Asylbewerber oder anerkannte Flüchtlinge dagegen, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen, erhalten ihr Geld, dessen Höhe der Grundsicherung entspricht, nicht bar. Sie bekommen die Zahlung entweder per Scheck, den sie bei der Stadtkasse einlösen können, oder aufs Konto.
„Wenn sie ein Konto eröffnen wollen, müssen sie dies selbstständig tun“, so Hilleringmann. „Oft geschieht die Kontoeröffnung mit ehrenamtlicher Hilfe.“
Dies bestätigt auch Markus Göke. Es sei ganz wichtig, dass ein Dolmetscher dabei sei, „damit derjenige, der das Konto eröffnet, weiß, was für einen Vertrag er unterschreibt“.
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