Berufung und BVB

Anzeige
"Wer das Herz des Menschen öffnen will, wird Chirurg oder Priester", erklärt Daniel Schwarzmann (im Hintergrund die St. Barbara-Kirche − hier war er acht Jahre lang Messdiener) augenzwinkernd. Der 36-Jährige hatte sich zunächst fürs Medizinstudium eingeschrieben, entschied sich dann jedoch für den "theologischen Weg".

Fußball und Kirche: Wie passt das zusammen? Passt es überhaupt? "Für mich ist es kein Widerspruch. Beides weckt im Idealfall Begeisterung und stiftet Gemeinschaft", sagt Pfarrer Daniel Schwarzmann.

Der 36-Jährige wuchs in Ickern auf, besuchte das Adalbert-Stifter-Gymnasium und ist seit 2014 unter anderem als Vikar in den sechs katholischen Kirchen der Dortmunder Nordstadt aktiv. Dazu zählt auch die "BVB-Kirche" (Dreifaltigkeitskirche) in der Nähe des Borsigplatzes. Daniel Schwarzmann hielt dort einen seiner ersten Gottesdienste als Pastor. "Es war unbeschreiblich, ein unglaublich tolles Gefühl", lächelt er.
In der "BVB-Kirche" dreht sich vieles um Schwarz-Gelb. Es gibt beispielsweise Saisoneröffnungsgottesdienste und Gottesdienste vor einem großen Spiel. "Alle kommen im Trikot und es werden Stadionlieder, zum Beispiel 'You'll never walk alone', gesungen. Verschiedene Fanclubs nehmen am Gottesdienst teil, und am Ende sprechen wir das Fußballgebet. Die Kirche ist immer voll." Nachher werde gegrillt und "der Geist des BVB" beschworen. BVB-Spieler schauen hier übrigens auch vorbei. Für neue Spieler gehöre ein Besuch der "BVB-Kirche" sozusagen zum Pflichtprogramm. "Zuletzt waren Marc Bartra und Raphael Guerreiro da", verrät Schwarzmann.

Viele Parallelen

Zwischen Kirche und Fußball gebe es viele Parallelen. Zum Beispiel den Einzug. "Im Stadion mit Trikots, in der Kirche ist es der liturgische Einzug. Es wird gesungen. Der Kelch wird hochgehalten. Beim Fußball ist es der Pokal. Und in beiden Fällen gibt es Verehrung. Die Spieler werden wie Heilige verehrt. Es ist schon ein Phänomen."

Daniel Schwarzmann (vormals Köln-Fan) packte das BVB-Fieber während des Zivildienstes. Seither hat es ihn nicht mehr losgelassen. Seine beruflichen Verpflichtungen ermöglichen keine regelmäßigen Stadionbesuche, aber alle zwei, drei Monate schaut er sich ein Spiel im Signal Iduna Park an. "Leidenschaft, Gemeinschaft, Heimat", beschreibt er das Gefühl auf der Südtribüne. "Die Unterschiede zwischen Arm und Reich und den unterschiedlichen Nationen verschwinden hier. Alle stehen hinter dem Verein."

Beim Heimspiel gegen Wolfsburg war Daniel Schwarzmann im Stadion und in der Halbzeitpause am Sky-Mikrofon zu Gast. Nach den Angriffen auf Leipzig-Fans wurde die "Süd" bekanntlich für das Wolfsburg-Spiel gesperrt. Diese "Kollektivstrafe" findet Daniel Schwarzmann ungerecht. "Es war gespenstisch, wenn man auf die graue Betonwand guckte."

Was beim Heimspiel gegen Leipzig geschehen sei, "war sehr erschreckend und schockierend. Es lag eine Hass-Atmosphäre in der Luft. Es war schlimmer als beim Derby", meint Schwarzmann. Die Vorfälle pervertierten die Idee des Fußballspiels. "Es ist Freizeitgestaltung und soll Freude machen. Es ist nur ein Spiel und darf kein Ventil für Hass und die eigene Unzufriedenheit sein. Das hat im Fußball nichts zu suchen."

Nach den Vorfällen nahm Daniel Schwarzmann in seinen Predigten Bezug auf das Thema. Die Kirche müsse klar Stellung beziehen, sich von den Vorfällen distanzieren und die christliche Botschaft der Nächstenliebe in den Vordergrund stellen, sagt er.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.