Bestattung als Luxusgut?

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Über lange Jahrzehnte ließen Angehörige ihre Verstorbenen in der Regel im Sarg bestatten. Diesen Auto-matismus gebe es durch den Wegfall des Sterbegeldes und den Wandel in der Bestattungskultur nicht mehr, so Grünflächenamtschef Klaus Breuer.

Die Gesellschaft hat sich verändert. Und das macht sich auch auf dem Friedhof bemerkbar. Fragen rund um Gebührensatzung und Bestattungsalternativen werden auch in unserer Stadt diskutiert. „Die Zukunft der kommunalen Bestattungskultur“ war Thema eines Bürgerforums, zu dem die SPD im Zusammenspiel mit dem interfraktionellen Arbeitskreis am Donnerstagabend (5. März) in den Ratssaal eingeladen hatte.



Aspekte wie Entkirchlichung, eine steigende Zahl an Single-Haushalten, eine buntere und mobilere Gesellschaft, eine sinkende Bevölkerungszahl und Altersarmut wirkten sich auf den Friedhof aus, sagte Andreas Mäsing, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der deutschen Friedhofskultur.
Grabpflege und Friedhof seien teuer. „Wir suchen nach immer billigeren Lösungen, um unsere Angehörigen zu beerdigen.“

Durch den Bevölkerungsrückgang ginge auch die Anzahl der Bestattungen zurück.
Mit den Gebührenerhöhungen gebe es noch weniger Bestattungsfälle, sagte Landschaftsarchitekt Dr. Martin Venne. „Wir werden teurer für ein Produkt, das die meisten gar nicht mehr wollen.“

"Gebühren im oberen Mittelfeld"

Castrop-Rauxel stünde „mit den Gebühren etwas höher da, als wir das möchten. Wir sind im Umfeld oberes Mittelfeld“, bekannte Klaus Breuer, Bereichsleiter Stadtgrün und Friedhofswesen. Man befinde sich im intensiven Wettbewerb mit konfessionellen Kirchen und dem ausländischen Markt (vor allem in den Niederlanden). „Wir sind stark eingeschränkt im Handeln und können nicht frei mit den Gebühren agieren und auch unsere Preise leider nicht frei gestalten. Je weniger eine Leistung nachgefragt wird, desto pauschal teurer wird sie.“

Thema Sargzwang

Zum Thema „Sargzwang“ merkte Martin Venne an: „Es ist wichtig, Muslimen die Möglichkeit zu geben, ihre Verstorbenen im Leichentuch bestatten zu lassen, auch wenn es für die Friedhofsverwaltung einen Mehraufwand bedeutet.“
Wie berichtet, kann Muslimen eine Bestattung ohne Sarg erlaubt werden. Das Landesrecht verbietet es nicht.

Seit 2004 gibt es auf dem Friedhof Merklinde ein muslimisches Gräberfeld. Seit 2013 wird dort auch ein Waschraum vorgehalten, in dem Muslime vor der Bestattung die rituellen Waschungen ihrer Verstorbenen vornehmen können.
„Im Schnitt haben wir auf dem muslimischen Gräberfeld 2,1 Bestattungen pro Jahr. Das ist noch ausbaufähig“, so Klaus Breuer.

In der ersten Generation bestünde immer noch der Wunsch, nach dem Tod in die Ursprungsheimat überführt zu werden. Zu großen Teilen gelte das auch für die zweite Generation. „Dass eine Überführung auch in der dritten Generation vorgesehen ist, kann ich mir nicht vorstellen“, erklärte Kubilay Corbaci (Integrationsrat).
„Wir legen Wert auf Bestattungen ohne Sarg in Ewigkeit. Das heißt, keine neue Belegung nach 20 oder 30 Jahren“, so Corbaci. „Das sind Punkte, die wir in der Stadt noch lösen müssen.“

„Wir werden in den Dialog gehen“, kündigte SPD-Chef Rajko Kravanja, der die Veranstaltung moderierte, an. Zudem gelte es, grundsätzlich bei der Bestattungskultur Dinge auf den Prüfstand zu stellen und „den Spagat hinzukriegen, das Ganze in einem gebührenfesten System unterzubringen.“
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