Besuch bei der „Familie“: Tag der offenen Tür in der Großnotunterkunft

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Beim Tag der offenen Tür besuchte Ursula Sievers (3.v.l.) „ihre Familie“, die aus dem Iran stammt und ihr im Garten zur Hand geht.
 
Im Verpflegungszelt gab es Kaffee und Kuchen für die Besucher und die Bewohner; draußen war ein Grillstand aufgestellt.

Gelegenheit, einen Eindruck von der Großnotunterkunft in Habinghorst zu bekommen, bot ein Tag der offenen Tür am Freitag (30. September). Doch die letzte Chance, bevor die Einrichtung geschlossen wird, nutzte nur eine überschaubare Anzahl an Castrop-Rauxelern.

Zum Ende des Monats wird die Unterkunft, in der zurzeit noch etwa 200 Flüchtlinge leben, leergezogen. Der Vertrag zwischen dem Land und Eon läuft bis Ende 2016, und Michael Vaupel, Vorstand des DRK-Kreisverbands Recklinghausen, rechnet damit, dass die verbleibenden beiden Monate genutzt werden, um die Einrichtung abzubauen. Mitte Oktober werde es dazu ein Gespräch mit der Bezirksregierung Münster geben.
Zu den Castrop-Rauxelern, die zum Tag der offenen Tür kamen, gehört Ursula Sieger. Sie hat zum ersten Mal „ihre Familie“ besucht, „denn sonst komme ich ja nicht hinein“. Ihre Familie ist eine iranische Familie, die seit sechs Monaten in der Unterkunft lebt. Kennengelernt haben sie sich beim Verein „Von Menschen für Menschen“. Dort habe sie erfahren, dass die Flüchtlinge Arbeit suchen, weil ihnen sonst die Decke auf den Kopf falle, so Sieger. Also lud sie die iranische Familie zu sich ein, die ihr seitdem im Garten zur Hand geht. „Wir helfen den Menschen, weil sie uns helfen“, freut sich eine der Frauen aus der Familie. Wo sie nach der Schließung der Unterkunft leben wird, weiß sie nicht. „Ich warte noch auf mein Interview.“

Turnhalle oder Privatsphäre?

Als ehrenamtliche Mitarbeiterin ist Beate Stadthaus in der Küche der Unterkunft tätig. Zum Tag der offenen Tür hat sie ihren Mann mitgebracht, um ihm die Einrichtung zu zeigen. „Ich wollte sehen, ob die Menschen hier wie in einer großen Turnhalle leben oder ob sie doch auch etwas Privatsphäre haben“, so Heinz Stadthaus.
Überrascht von den Schlafräumen, in denen je zwölf Betten untergebracht sind, zeigte sich ein weiteres Ehepaar. Ein ungenutzter Raum war zur Besichtigung freigegeben. „Ich habe nicht gewusst, dass es so beengt ist“, berichtet die Besucherin, die zudem Schränke vermisste. Allerdings habe sie von DRK-Mitarbeitern erfahren, dass viele der Bewohner kaum Besitz hätten.
Die Stimmung in Castrop-Rauxel den Flüchtlingen gegenüber schätzt sie mit 50/50 ein und hat ein gewisses Verständnis dafür, dass manche Menschen, die selbst auf Hilfe vom Sozialamt angewiesen sind, die Unterstützung der Flüchtlinge kritisch sehen. „Da hilft ein Tag der offenen Tür, weil man sich ansehen kann, wie es wirklich ist“, so die Besucherin.

Bild für Hauswand

Wenn die Großnotunterkunft geschlossen wird, soll künftig ein von einem Flüchtling gemaltes Bild an einer Habinghorster Hauswand als Zeichen der Verständigung an die Bewohner der Zeltstadt erinnern. Diese Pläne kündigt Peter G. Schäfer an, der zusammen mit Kirsten Stegemann und Franz Niewelt in den vergangenen Wochen ein Kunstprojekt für jugendliche Flüchtlinge in der „Wurstküche“ veranstaltete. Die Ergebnisse wurden beim Tag der offenen Tür ausgestellt und werden ab heute (5. Oktober) bis Freitag (14.) in der „Wurstküche“, Hugostraße 19, zu sehen sein.
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