„Eine Marke aus Castrop“: Modelabel „vest“ präsentiert Kollektion bei Modenschau

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Am Samstag geht es auf den Laufsteg. Ruziye Malkus und die Frauen des IBKF. Foto: Thiele
„Wir wollen gesehen werden. Wir gehören in diese Stadt, und zusammen haben wir diese Kollektion gemacht. Eine Marke aus Castrop-Rauxel“, bringt Ruziye Malkus, Vorsitzende des Internationalen Bildungs- und Kulturvereins für Frauen (IBKF), ihr Anliegen auf den Punkt. Gemeinsam mit der Berliner Künstlerin Nadin Reschke haben die Frauen des IBKF Anfang Juli das Modelabel „vest“ gegründet und in nur zwei Monaten eine eigene Kollektion entworfen und genäht (der Stadtanzeiger berichtete). Am Samstag (28. September), 18 Uhr, werden sie diese bei einer Modenschau in Gelsenkirchen erstmalig der Öffentlichkeit präsentieren.

Es soll nicht nur eine Modenschau, sondern auch eine Art von Protest werden, wenn die Frauen des IBKF ihre 40 selbst entworfenen Kleidungsstücke der Öffentlichkeit präsentieren. Denn als „Mode von Migrantinnen“ wollen sie die Kollektion auf keinen Fall verstanden wissen.
„Da lebt man seit 34 Jahren hier und ist immer noch ein ‚Mensch mit Migrationshintergrund‘. Was für ein ‚Hintergrund‘ soll das denn bitte sein?“, ärgert sich Ruziye Malkus. „Die Leute sollen nicht darauf schauen, woher ich komme, sondern was ich mache“, wünscht sich die 55-Jährige. Es gehe ihr um Anerkennung für die Arbeit, die sie und die Frauen geleistet haben und darum, dass die Kleidungsstücke nicht einfach in irgendeinem Kleiderschrank verschwinden, sondern als etwas Besonderes in Erinnerung bleiben.
Trotzdem spielte die Erfahrung des Lebens in verschiedenen Kulturen eine entscheidende Rolle beim Entstehen der Mode. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht unbedingt zu erkennen ist: Die Inspiration für ihre Entwürfe zogen die Frauen aus ihrer jeweiligen Lebensgeschichte, ließen Kindheitserinnerungen ebenso in die Arbeit mit einfließen, wie die Erinnerung an den Tag, als sie nach Deutschland kamen. Auch die Stoffe hätten eine große Rolle gespielt, verrät Malkus. Einige seien alt und nicht mehr erhältlich, andere wurden im Ausland gekauft. Und manche Stoffe hätten die Frauen auch erst auf die entscheidenden Ideen gebracht.
Präsentieren werden sie ihre Mode selbst und dabei erstmals als Model einen Laufsteg betreten. „Ganz sicher die größere Herausforderung als das Nähen“, lacht Valentina Mass, eine der Teilnehmerinnen. Eine Herausforderung könnte aber auch der Ablauf der Show werden, denn geprobt wird erst am Veranstaltungstag. „Es wird eine Choreographie geben, aber wir kennen sie nicht“, erklärt Malkus. Dies sei von der Künstlerin, Nadin Reschke, ganz bewusst so gewollt, um die Spontaneität zu fördern. Nur das Ende der Modenschau hat Malkus schon ganz deutlich vor Augen. Sie wird ein Kleid präsentieren, das sie selbst entworfen hat. Es ist ein schwarzes Kleid, bestickt mit all den Begrifflichkeiten, Bezeichnungen und zum Teil auch Beschimpfungen, mit denen man als sogenannte „Migrantin“ konfrontiert werde. „Es ist mein Protestkleid“, erklärt sie mit einem Augenzwinkern.

Hintergrund:

Die Modenschau findet am Samstag (28. September), 18 Uhr, in der Offenen Werkstatt des Archipel INvEST, Bahnhofsvorplatz 4, in Gelsenkirchen statt.
Vor Beginn der Schau wird der Katalog des Modelabels „vest“ präsentiert. Dieser soll an verschiedenen Stellen in Castrop-Rauxel ausgelegt werden und ist kostenlos.
Ausgewählte Teile der Kollektion werden im Anschluss (ab 19 Uhr) zur Versteigerung angeboten.
Das Modelabel „vest“ wird weiterbestehen. Als nächstes Projekt sei eine eigene Homepage geplant, so Malkus.
Ein weiteres Mal wird die Kollektion am Donnerstag (3. Oktober), 14 bis 15 Uhr, im Rahmen des Victualienmarktes im Foyer der Sparkasse am Altstadtmarkt gezeigt. Präsentiert wird die Kleidung an diesem Tag von Vorstandsdamen der CDU-Frauen Union.

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