Eine Wäscheklammer für die Takelage: Volker Schäfer baut historische Schiffsmodelle

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Am Küchentisch hat Volker Schäfer das Modell eines französischen Marinekutters nachgebaut.
 
Im Maßstab 1:60 hat Volker Schäfer diesen italienischen Walfänger gebaut.

Allein auf hoher See ist Volker Schäfer. Der 74-jährige Castrop-Rauxeler baut historische Schiffsmodelle nach. In vielen Arbeitsstunden entstehen in der heimischen Küche eindrucksvolle Segelschiffe. Doch Schäfer fehlt der Kontakt zu anderen Modellbauern. Daher sucht er nun Gleichgesinnte, die sein Hobby teilen.

Zurzeit legt er bei einem ehemaligen französischen Marinekutter letzte Hand an. „Der war bis ungefähr 1905 unterwegs und diente als Ausbildungsschiff für Marineoffiziere“, erzählt Schäfer. Denn alle Schiffe, die der gelernte Schreiner, Schritt für Schritt nachbaut, sind tatsächlich einst zur See gefahren.
Die Liebe zu Schiffen packte ihn 1963 bei der Bundeswehr. Zwar war er bei der Luftwaffe, aber nahe an der Küste stationiert. „Ich war fasziniert, was für Schiffe die Elbe entlang kamen.“ Die ersten Schiffe, die er baute, waren etwas neueren Datums und alle mit einem Motor ausgestattet. Ein Bugsier, das heißt ein Hafenschlepper, war darunter, wie er in Hamburg eingesetzt wird. Auch den Walfangdampfer RAU IX, der 1939 in Dienst gestellt wurde, eine Fähre und einen Krabbenkutter, mit dem man in Dorum-Neufeld auf Krabbenfang geht, konstruierte Schäfer.

Gondelteich im Stadtgarten

Manche der Schiffe hat er auf dem Gondelteich im Stadtgarten fahren lassen. „Aber der Krabbenkutter war so groß, der hat gar nicht ins Auto gepasst“, erinnert er sich. Und auch beruflich war er schließlich so eingespannt, dass er sich entschloss, die Modelle zu verkaufen. „Das hat mir Leid getan, aber was nicht geht, geht nicht.“
Letztlich konnte und wollte Schäfer der Seefahrt aber nicht abschwören und baut mittlerweile wieder Modelle. Allerdings hat er sich nun auf historische Schiffsmodelle verlegt. Diese basieren auf einem Baukasten, erfordern aber sehr viel Eigenarbeit.

Hobbywerkstatt in der Küche

„Im Keller habe ich eine kleine Feinsäge, um Dinge zu schneiden, aber die brauche ich nicht oft.“ Seine eigentliche Hobbywerkstatt hat er am Küchentisch eingerichtet. Daneben stehen Kistchen und Körbchen mit sicherlich 40 Emaillefarben sowie Utensilien griffbereit, die von der Pinzette über Federmesser, Schere, Spezialkleber, diverse Pinsel, Wäscheklammern bis zur großen Garnrolle reichen.
In voller Pracht mit gehissten Segeln, die übrigens Schäfers Frau genäht hat, steht jetzt der französische Marinekutter „Colibri“ auf dem Tisch. Rumpf und Deck hat er aus langen schmalen Holzleisten geformt. „Die muss man anfeuchten, damit sie nicht brechen, wenn man sie biegt.“ Auch Steuerrad, Leitern und Bullaugen, alles ist da, gespachtelt und abgeschliffen, bemalt und lackiert.

Apfelsinennetz als Bugnetz

Trotz Baukasten und Bauplan ist außerdem Improvisation beim Modellbau gefragt. Für das Bugnetz hat Schäfer ein Apfelsinennetz genommen und statt des teuren Kupfers als Beschlag für den Schiffsrumpf eine täuschend echte Farbe. Und die Wäscheklammern kommen zum Einsatz, um die Segel zu halten, wenn er die Takelage einzieht. Rund 400 Arbeitsstunden, so schätzt er, hat er in den Marinekutter investiert.
Außerdem gehören der englische Zweimastschoner „Maryeld“, ein Schulschiff, das bis 1832 zur See fuhr, und ein italienischer Walfänger aus der Zeit von 1700 bis 1800 zu Schäfers Schätzen. „Der ist wahrscheinlich untergegangen“, sagt er, während sein im Maßstab 1:60 nachgebauter Walfänger, der mit Harpunen mit echter Metallspitze ausgestattet ist, so aussieht, als könnte er jeden Moment in See stechen.
Wer sich ebenfalls für den Bau von historischen Schiffsmodellen interessiert, kann sich unter Tel. 02305/6989203 mit Volker Schäfer in Verbindung setzen.
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