„Er ist mittendrin“: Über das Leben mit einem Kind mit Down-Syndrom

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Valentin mit seiner Mutter Elke Kinkeldei und seiner Schwester Johanna.

„Er ist mittendrin. Das Schöne ist, dass ich nicht das Gefühl habe, dass er ein Außenseiter ist“, sagt Elke Kinkeldei aus Obercastrop über ihren Sohn Valentin. Das wünschen sich natürlich alle Eltern für ihr Kind, doch bei dem Neunjährigen ist die Situation etwas anders, denn er hat das Down-Syndrom.

Mittendrin heißt, dass Valentin beim Castroper TV zum Kinderturnen geht, seit zwei Jahren Klavier lernt und bei den Vorspielen der Musikschule dabei ist, und dass er Schwimmkurse im St. Rochus-Hospital besucht. „Eigentlich ist er für die Kurse zu alt, aber er darf immer noch mitmachen“, freut sich seine Mutter.
Seine neuesten Interessen sind der Dienst als Messdiener in der St. Lambertus-Kirche und Fußball. Nachdem er 2016 an einem Kurs der VfL Bochum-Fußballschule teilnahm, folgte vor Kurzem der nächste Höhepunkt. Valentin gehörte bei einem Spiel des BVB zu den Einlaufkindern und durfte an der Hand von Kapitän Marcel Schmelzer mit auf den Rasen – ein Erlebnis, das ihn immer noch begeistert.
Seitdem pölt Valentin auf der Straße – regelmäßig auch mit seiner zwei Jahre älteren Schwester Johanna. Oder die beiden spielen Tippkick. Oder – es muss ja nicht nur Fußball sein – sie spielen Schule. Manchmal sei es aber nicht so toll, mit ihrem Bruder zu spielen, da er immer seinen Willen durchsetze, gesteht Johanna. „Wenn er etwas wirklich möchte, kriegt er es auch. Dann gebe ich nach.“

Hauptmanko Sprache

Als Hauptmanko in Valentins Entwicklung empfindet seine Mutter es, dass er bis heute nicht gut sprechen kann. „Er wird älter und erlebt und erzählt immer mehr. Aber wir verstehen ihn dann nicht immer, und das frustriert ihn.“ Wegen der Sprachprobleme ist sie froh, dass sie und ihr Mann sich dafür entschieden haben, dass Valentin eine Förder- und keine inklusive Grundschule besucht. „In seinem Fall ist das richtig, weil da intensiver auf ihn eingegangen wird.“
Zudem macht er Logopädie und war zur Sprachreha. Seine Eltern beantragten eine zusätzliche Reha, aber die Versicherung habe abgelehnt, weil Sprache zum Erlernen eines Berufs nicht wichtig sei. „Da habe ich angerufen und gefragt: ,Brauchen Sie für Ihren Beruf Sprache?'“, sagt Elke Kinkeldei.

Ehrgeizig und zäh

Manche Dinge wird Valentin wahrscheinlich nie lernen. „Es könnte schwierig werden, ihm beizubringen, dass er keinen Führerschein machen kann“, vermutet seine Mutter. Davon geht er nämlich wie jedes Kind zurzeit ganz fest aus.
Aber sie berichtet auch von seinem Ehrgeiz. „Er ist zäh. Er macht Sachen, von denen ich denke, das kann er nicht.“ So sei er im Winter Schlittschuh gelaufen, nennt Elke Kinkeldei ein Beispiel und erzählt von der Geschichte über die Hummel, der niemand gesagt habe, dass sie nicht fliegen könne, so dass sie es trotzdem tut.
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