Handy am Steuer: Neun Sekunden Blindflug

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14 Meter lang war die "Versuchsstrecke", mit der die Polizei am Lambertusplatz das Problem "Blindflug" druch Handynutzung während der Autofahrt veranschaulichte.
Castrop-Rauxel: Castrop-Rauxel |

Das hat gesessen: Eindrucksvoller konnte Polizeioberkommissar Thomas Schwenken dem Autofahrer kaum vermitteln, dass sein "kurzer" Blick aufs Handy im schlimmsten Fall Menschenleben gekostet hätte.

Ganze neun Sekunden brauchte der Mann, um auf seinem Handy die zuletzt eingegangene SMS aufzurufen. Neun lange Sekunden, in denen er nicht ein einziges Mal auf die Straße vor seinem Auto geschaut hat. Und das bei Tempo 50.

126 Meter hätte er in dieser Zeit zurückgelegt, ohne dem Geschehen im Straßenverkehr auch nur einen Hauch von Aufmerksamkeit zu schenken. Schon auf den ersten 14 Metern hätten der kleine Junge, der große Hund und auch die Rollator-Benutzerin keine Chance gehabt. Ein Autofahrer im gefährlichen "Blindflug", der tödlich enden kann.

Ein Glück, dass die gerade beschriebene Situation nicht real, sondern Teil der polizeilichen Aufklärungsaktion "1 Sekunde Blindflug" ist. Thomas Schwenken hat mit seinen Kollegen vom Bereich Verkehrsunfallprävention des Polizeipräsidiums Recklinghausen Station gemacht am Lambertusplatz. Schon der Parcours in der Fußgängerzone vor dem aufgestellten Polizeiwagen, einer Straßensituation von 14 Metern nachempfunden, weckt Aufmerksamkeit bei den Passanten.

Bürger und Polizisten kommen rasch ins Gespräch. Einige nutzen auch die Gelegenheit zum Selbstversuch und klettern auf den Fahrersitz des Polizei-Bullis. Was sie hier unter Anleitung von Polizeioberkommissar Thomas Schwenken erleben, rüttelt auf, hinterlässt Eindruck, regt zum Nachdenken an.

Schwenken berichtet von Autofahrern, die unterwegs am Steuer sogar ganze Filmsequenzen auf ihrem Mobiltelefon anschauen. Daher sei es auch nicht verwunderlich, dass etwa bei Unfällen auf vollkommen gerader Straße nicht nur überprüft werde, ob Alkohol oder Drogen im Spiel waren. Auch die Frage, ob der Fahrer sein Handy benutzt habe und daher die im Straßenverkehr notwendige Aufmerksamkeit außer Acht gelassen habe, gehöre mittlerweile standardmäßig zu den polizeilichen Ermittlungen.

Am Rande der Versuchsstrecke berichtet eine junge Autofahrerin über ihren Umgang mit dem Mobiltelefon: "Während der Fahrt habe ich mein Handy immer in der Tasche. Und die steht hinter der Mittelkonsole. Ich habe meinen Führerschein seit zwei Jahren und will den nie wieder abgeben." Und zur "Blindflug"-Simulation am Lambertusplatz meint sie: "Ich könnte es mir nie verzeihen, wenn durch meine Unaufmerksamkeit jemand verletzt oder gar getötet würde."

Hintergrund:

Nach Polizeiangaben räumte jeder dritte Autofahrer bei einer Befragung ein, während der Fahrt sein Handy zu benutzen oder sogar Selfies zu machen.

Etwa 35 Prozent öffnen soziale Netzwerke oder Apps, um zu lesen, zu chatten oder selbst zu senden.
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Roland Nelke aus Castrop-Rauxel | 13.08.2016 | 22:06  
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