Im Sammelfieber: Rainer Brüning besitzt 80 Taschenrechner

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Rainer Brüning mit einem Teil seiner Taschenrechner. Im Arm hält er seinen ersten, den tollsten und teuersten sowie den, den er am meisten benutzt hat.

„Ich war damals der einzige im Kollegium, der einen Taschenrechner hatte“, sagt Rainer Brüning, ehemaliger Mathe-, Physik- und Chemielehrer am Adalbert-Stifter-Gymnasium (ASG). 1973 schaffte er sich sein erstes Gerät an; heute umfasst seine Sammlung etwa 80 Exemplare.

„Das war damals der erste erschwingliche Taschenrechner“, erinnert sich der heute 71-Jährige. 398 DM hat er dafür bezahlt. „1972, im Jahr zuvor, hat der Rechner noch etwa 1.000 Mark gekostet. Das war mir zu teuer.“
Bis zum Beginn der 1970er Jahre waren noch mechanische Rechenhilfen wie der Rechenschieber verbreitet. Auch davon – genau wie vom Abakus und vom Addiator – hat Brüning Exemplare in seiner Sammlung. Doch mit dem Einzug der elektronischen Rechner fing der Lehrer Feuer. Zwar kaufte er sie für seine berufliche Tätigkeit, aber die Beschäftigung mit den Geräten wurde schnell zum Hobby. „Ich hatte einfach Spaß daran und bin immer mal zu Hertie gegangen, um zu gucken, ob es neue gibt“, berichtet er über seine Leidenschaft.
Sein erstes Gerät von 1973 beherrschte nur die Grundrechenarten. Nichtsdestotrotz wusste Brüning seine Vorteile zu schätzen. „Wenn ich die Arbeiten von Schülern korrigiert habe, war es eine unheimliche Erleichterung.“ Denn so brauchte er nicht mehr „zu Fuß“ nachzurechnen, ob die Schüler zum Beispiel korrekt dividiert hatten.
Die technische Entwicklung der Taschenrechner verlief rasant. Schon 1975 schaffte sich Rainer Brüning einen Rechner an, der über einen Speicher von 100 Byte verfügte und programmierbar war. Auf einem Magnetstreifen konnte er seine selbstgeschriebenen Programme abspeichern. Sie dienten beispielsweise dazu, die Seitenlängen oder Winkel eines kongruenten Dreiecks zu bestimmen. Auch mit diesem programmierbaren Rechner war Brüning Vorreiter am ASG.

Programmierbare Taschenrechner

Etwa 1980 folgte ein moderneres Gerät, das nun schon einen Speicher von 40 Kilobyte hatte. Hierfür hat er etwa einen Algorithmus geschrieben, mit dem er per Zufalls­prinzip auswählen konnte, welche Schüler jeweils ihre Hausaufgaben bei ihm einreichen mussten. „Dafür habe ich mir die Programmiersprache BASIC beigebracht“, erzählt Brüning.
„Diesen Rechner habe ich bis zum letzten Tag benutzt“, blickt der 71-Jährige auf seinen Schuldienst zurück. Und auch heute kommt das Gerät noch zum Einsatz, etwa für Skatabrechnungen, „damit ich weiß, was jeder zahlen muss“.
Mehr als 100 Taschenrechner kaufte Brüning sich – darunter auch einer, mit dem man Rechenschritte per Overheadprojektor auf die Wand projizieren konnte. Noch heute besitzt er etwa 80 Stück. „Für meinen Beruf hätte ich keine 80 Rechner gebraucht“, erklärt er, fügt aber augenzwinkernd hinzu: „Allerdings konnte ich sie von der Steuer absetzen.“

Armbanduhr mit Taschenrechner

Häufig schaffte er sich die Geräte rein interessehalber an, zum Beispiel Schlüssel­anhänger mit integriertem Taschenrechner oder eine Digitalarmbanduhr, die er Ende der 1970er Jahre in London entdeckte. Deren Anzeige kann man per Knopfdruck in einen Taschenrechner mit Touchscreen verwandeln. „Der Traum eines Schülers“, sagt Rainer Brüning lachend. Auch von der Marke Braun besitzt er einen Rechner. „Das war so ziemlich das einzige deutsche Fabrikat, aber es hat sich nicht durchgesetzt.“
Vor einigen Jahren hat er den letzten Taschenrechner gekauft. „Danach war es nicht mehr interessant“, sagt Brüning, denn dann hätten Smartphones angefangen, ihnen den Rang abzulaufen.
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