Kampf gegen Krankenhauskeime

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Die Desinfektion der Hände gehört zu den wichtigen Maßnahmen, um eine Infektion mit dem MRSA-Keim zu verhindern. (Foto: Dieter Schütz / pixelio)

Die Angst vor sogenannten Krankenhauskeimen geht um. „Dabei ist der Trend der MRSA-Infektionen eher rückläufig – in Deutschland und auch in Castrop-Rauxel“, sagt Prof. Eckhard Müller, Vorsitzender der Hygienekommission der Evangelischen Kranken­hausgemeinschaft, zu der das EvK gehört. Sowohl das Evangelische Krankenhaus als auch das St. Rochus-Hospital ergreifen schon seit Langem Maßnahmen, um eine Infektion ihrer Patienten zu verhindern.

„Die Fälle sind nicht mehr geworden, aber durch das in den letzten Jahren gestiegene Eingangs-Screening werden mehr Fälle bekannt“, sagt Silvia Ruhland, Hygienefachkraft im St. Rochus-Hospital. Beide Castrop-Rauxeler Krankenhäuser screenen ihre Patienten. Im St. Rochus-Hospital sind es alle Patienten, egal ob sie als Risikopatienten gelten oder nicht. „Das machen wir seit knapp zwei Jahren. Die Quote liegt bei 96,3 Prozent. Nur ein minimaler Prozentsatz entgeht uns“, sagt Müller.
Beim EvK werden seit einigen Jahren die Risikopatienten gescreent. „Darunter fallen Menschen, die Antibiotika einnehmen, chronisch pflegebedürftig sind, im letzten Jahr schon im Krankenhaus waren, offene Wunden haben oder an Diabetes leiden“, zählt Ruhland beispielhaft auf.
Wird MRSA festgestellt, werden die Patienten isoliert und erhalten über einige Tage Salben, Tabletten und Seifen, um den Keim, der meist im Nasen- und Rachenraum zu finden ist, zu entfernen. „Nach einer Pause von drei Tagen machen wir dann nochmal eine Abstrichkontrolle“, so Ruhland.
„Den Keim Staphylococcus aureus hat jeder auf der Haut“, erläutert sie den medizinischen Hintergrund. „Wenn er sich jedoch zum multiresistenten MRSA weiterentwickelt und man dann eine Infektion bekommt, ist man schlechter zu behandeln, weil es nicht so viele wirksame Antibiotika gibt.“
Um Übertragungen des Keims zu vermeiden und die Patienten zu schützen, setzen beide Castrop-Rauxeler Kliniken auf Aufklärung und Schulung ihrer Mitarbeiter. So verfügen sie über speziell geschulte Hygienebeauftragte in ihren Abteilungen sowie über Hygienefachkräfte, die eine mehrjährige Ausbildung abgeschlossen haben. „Wir tauschen uns über neue Informationen aus, zum Beispiel mit dem Gesundheitsamt“, erklärt Ruhland. Außerdem würden die Mitabeiter geschult, etwa in der Händehygiene. „Vor und nach jedem Patientenkontakt müssen die Hände desinfiziert werden“, so Ruhland. Dazu gebe es auch praktische Übungen, „denn es ist gar nicht so leicht, das Mittel auch wirklich richtig auf seine Daumen und Fingerspitzen aufzutragen“.
Auf die aktuelle öffentliche Diskussion über die Krankenhauskeime haben beide Kliniken reagiert. So ist die Zahl der Hygienefachkräfte und -beauftragten aufgestockt worden. „Bisher haben wir unsere Mitarbeiter einmal pro Jahr in Hygiene nachgeschult. Seit diesem Jahr haben wir allerdings auf quartalsmäßige Schulungen umgestellt“, erläutert Müller eine weitere Maßnahme des EvK.
Seit einigen Wochen tragen alle Mitarbeiter des Krankenhauses außerdem ein Schild mit der Aufschrift „Ich desinfiziere meine Hände“ am Kittel. „Wer vergisst, es anzustecken, wird von den Patienten darauf angesprochen“, weiß Müller. „Im Idealfall desinfiziert der Arzt für den Patienten sichtbar seine Hände.“
Für seine Maßnahmen zur Vermeidung der Ansteckung mit Keimen in den letzten zwei Jahren hat das St. Rochus-Hospital nun das „Qualität und Tranzparenz“-Siegel der Euregio erhalten. Das EvK wird am Donnerstag (22. Mai) vom Gesundheitsamt ebenfalls mit einem Gütesiegel für seine Arbeit ausgezeichnet.
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